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Rohstoffkonzern K+S will Kosten in der Verwaltung senken – mehr als 300 Jobs bedroht

Der Düngemittel- und Salzkonzern will die Verwaltungskosten senken. Zwischen 300 und 400 Mitarbeiter könnten von einem Stellenabbau betroffen sein.
13.08.2020 - 09:04 Uhr Kommentieren
Der Kasseler MDax-Konzern hat sich durch die Investitionen in die Erschließung eines neuen Kaliwerks in Kanada mit mehr als drei Milliarden Euro verschuldet. Quelle: dpa
K+S

Der Kasseler MDax-Konzern hat sich durch die Investitionen in die Erschließung eines neuen Kaliwerks in Kanada mit mehr als drei Milliarden Euro verschuldet.

(Foto: dpa)

Frankfurt

Der Düngemittel- und Salzhersteller K+S will in der Verwaltung rund 30 Prozent der Kosten einsparen. Das kündigte das Unternehmen am Donnerstag mit der Vorlage der Halbjahreszahlen an. „Wir wollen unsere Verwaltungskosten von zuletzt 200 Millionen Euro um rund 60 Millionen Euro pro Jahr reduzieren“, sagte CEO Burkhard Lohr im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Wie viele Stellen voraussichtlich gestrichen werden, dazu machte Lohr keine Angaben. Da rund 1000 Mitarbeiter in der Verwaltung vor allem am Hauptsitz Kassel arbeiten, würde eine Reduktion um knapp ein Drittel einen Abbau von 300 bis 400 Arbeitsplätzen bedeuten.

Insgesamt beschäftigt K+S bei einem Jahresumsatz von zuletzt vier Milliarden Euro mehr als 14.000 Mitarbeiter. Für die Personalmaßnahmen stellt K+S 40 Millionen Euro zurück. Deshalb wird sich der für dieses Jahr in Aussicht gestellte operative Gewinn (Ebitda) von 520 auf 480 Millionen Euro verringern. An der Börse notierte die Aktie zunächst mehr als ein Prozent im Plus.

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    Lohr, der K+S seit Mai 2017 als Vorstandsvorsitzender führt, hatte die Reorganisation der Verwaltung bereits bei der Vorlage der Jahresbilanz im März angekündigt. Sie hängt mit der Neuausrichtung des Unternehmens zusammen, das wegen hoher Schulden den Verkauf seiner US-Salzsparte anstrebt. Mit der Trennung von der Unternehmenseinheit Americas wird die bisherige Matrixstruktur mit vielen verschiedenen Funktionsbereichen aufgegeben.

    „Wir haben für die künftige K+S eine einfache, schlanke und funktionale Organisation definiert. Bisher haben 36 Führungskräfte direkt an den Vorstand berichtet, künftig werden es nur noch 15 sein. Diese sind bereits benannt und haben die Aufgabe, ihre Funktionsbereiche gemäß dem vorgesehenen Budget zu gestalten“, sagte Lohr. Die Personalmaßnahmen sollen bis zum Jahresende weitgehend abgeschlossen sein.

    Arbeitnehmerseite zeigt Verständnis

    Die Sparpläne für die Verwaltung werden von der Arbeitnehmerseite grundsätzlich akzeptiert: „Mit dem Verkauf der Unternehmenseinheit Americas, der Lage am Kalimarkt und der Situation unseres Unternehmens wird eine Anpassung der Größe wirtschaftlich zwingend. Insofern ist die Reduzierung der Funktionsbereiche und Verschlankung der Strukturen der richtige Schritt“, sagt André Bahn, stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der K+S-Gruppe.

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    Die Mitarbeitervertreter seien auch verantwortlich für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und hielten die Maßnahmen deshalb für notwendig, so Bahn weiter: „Natürlich bedauern wir sehr, wenn diese Maßnahmen eine Auswirkung auf Arbeitsplätze haben“, sagt er.

    Derzeit sind die Arbeitnehmervertreter gemeinsam mit Vertretern der IG BCE in Verhandlungen mit der Unternehmensführung zu einem Interessenausgleich und Sozialplan nebst Freiwilligenprogramm. „Wir sind zuversichtlich, dass wir für die Mitarbeiter zu einer guten Lösung kommen, die so sozial verträglich wie möglich ist“, sagte Bahn.

    Der Kasseler MDax-Konzern hat sich durch die Investitionen in die Erschließung des neuen Kaliwerks Bethune in Kanada mit mehr als drei Milliarden Euro verschuldet. Das im Mai 2017 eröffnete Werk soll die Zukunft von K+S im Kalimarkt sichern, da die Vorkommen in Deutschland nur noch wenige Jahrzehnte reichen.

    Doch Produktionsunterbrechungen, milde Winter ohne Auftausalzbedarf und insbesondere der Preisverfall auf dem Kalimarkt sorgten dafür, dass das Unternehmen nicht genug Geld für den Schuldenabbau erwirtschaftet. Deswegen hat der Konzern im vergangenen Herbst ein Maßnahmenpaket beschlossen, zu dem der Verkauf der Salzsparte und die Restrukturierung der Organisation gehören. K+S will die Verschuldung bis Ende 2021 um deutlich mehr als zwei Milliarden senken. Die Unternehmenseinheit Americas erwirtschaftete zuletzt knapp 1,5 Milliarden Euro Jahresumsatz.

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    Nach Angaben von K+S-CEO Lohr läuft der Verkaufsprozess trotz Coronakrise planmäßig. „Wir gehen auch weiterhin davon aus, dass wir noch in diesem Jahr eine Verkaufsvereinbarung unterzeichnen werden. Abgeschlossen wird der Verkauf dann aber möglicherweise erst im kommenden Jahr“, so Lohr.

    Zu Berichten über konkrete Interessenten will er nicht Stellung nehmen. Reuters hatte Anfang des Monats berichtet, dass unter den Bietern unter anderem der Hedgefonds-Milliardär James Simons sei, der sich mit dem US-Salzproduzenten Kissner und dessen Besitzer Stone Canyon verbündet habe, sowie die Beteiligungsgesellschaften Advent, American Securities und Cerberus.

    Aktie hat in fünf Jahren mehr als 80 Prozent verloren

    Im zweiten Quartal sank der Umsatz von K+S belastet durch niedrigere Kalipreise um vier Prozent auf 840 Millionen Euro. Der operative Gewinn (Ebitda) ging um rund ein Drittel auf 88 Millionen Euro zurück. Analysten hatten hier im Durchschnitt nur rund 78 Millionen Euro Ebitda erwartet. Laut Halbjahresbericht lag der Durchschnittspreis für Kaliumchlorid im zweiten Quartal mit 231 Euro pro Tonne um 15 Prozent unter dem Vorjahreswert.

    Aufwendungen für Schutzmaßnahmen im Zuge der Coronakrise belasteten das Ebitda zusätzlich um zehn Millionen Euro. Um im Bedarfsfall auf zusätzliche Finanzmittel zurückgreifen zu können, hat das Unternehmen mit der staatseigenen Förderbank KfW und anderen Banken eine Kreditlinie in Höhe von 350 Millionen Euro vereinbart.

    Zur neuen Ausrichtung von K+S gehört auch, dass alle Standorte künftig einen positiven freien Cashflow erwirtschaften sollen. Insbesondere in den deutschen Werken fallen hohe Umweltkosten bei der Entsorgung der Salzabwässer an. „Wir arbeiten an verschiedenen Ansätzen, um auch die deutschen Standorte zukunftsfest zu machen. Ich gehe davon aus, dass in zwei bis drei Jahren alle Standorte einen positiven freien Cashflow erzielen werden. Unser Werk in Kanada muss seine Kapazitätsauslastung planmäßig noch steigern, um dieses Ziel zu erreichen“, sagt Lohr.

    Die neue K+S wird nach Angaben Lohrs kleiner und agiler und „fast ein Pure Player im Bereich Kali“ sein. Fokussierte Unternehmen schätzt der Kapitalmarkt normalerweise mehr als breit aufgestellte. Das könnte auch der Aktie helfen, die in den vergangenen fünf Jahren mehr als 80 Prozent ihres Werts eingebüßt hat.

    Mehr: Bei K+S ist ein radikaler Schnitt nötig

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