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Roundup Im Glyphosat-Prozess ist für Bayer heute der Tag der Entscheidung

Am Mittwoch steht das Urteil der Jury zum Glyphosat-Mittel Roundup in San Francisco an. Es geht um die Schuld der Bayer-Tochter Monsanto.
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Roundup-Prozess: Jury entscheidet über Monsantos Verantwortung Quelle: Bloomberg
Bauer auf dem Feld

In der ersten Phase des Prozesses entschied die Jury, dass es einen Zusammenhang zwischen dem glyphosathaltigen Mittel Roundup und der Krebserkrankung des Klägers gibt.

(Foto: Bloomberg)

New YorkMit Spannung schaut man in der Bayer-Zentrale in Leverkusen nach Westen in die USA. An diesem Mittwoch werden die sechs Geschworenen in San Francisco voraussichtlich ihr Urteil im Fall „3:16-md-02741“ fällen.

Es geht um den Fall „Edwin Hardeman gegen Monsanto“. Die Jury muss entscheiden, ob das Unternehmen von einer Krebsgefahr wusste und diese vernachlässigt hat. Um 16 Uhr deutscher Zeit kommen die Geschworenen zusammen, um ihr Urteil zu fällen.

Sollte die Jury gegen Bayer entscheiden, würden die Leverkusener in den USA bereits die zweite schwere Niederlage innerhalb von acht Monaten vor Gericht erleiden.

Im vergangenen Jahr war Bayer im ersten Prozess wegen des Mittels Roundup zu einer Schadensersatzzahlung von 79 Millionen Dollar verurteilt worden. Danach war der Aktienkurs dramatisch eingebrochen.

Heute ist Bayer an der Börse weniger wert als die 63 Milliarden Dollar, die die Leverkusener im vergangenen Sommer für Monsanto bezahlt haben.

Der Prozess von Hardeman ist ein sogenannter Bellwether-Fall. Das sind Fälle, die als Test für andere vor Gericht anhängige Klagen gelten. Insgesamt sieht sich Bayer in den USA wegen des Unkrautvernichters Roundup mit etwa 11.200 Klagen konfrontiert.

Analysten hatten Bayer in dem aktuellen Prozess ursprünglich im Vorteil gesehen, weil der Richter Vince Chhabria das Verfahren „Edwin Hardeman gegen Monsanto“ in zwei Phasen unterteilt hatte: In der ersten Phase sollte lediglich festgestellt werden, ob es einen Zusammenhang zwischen dem glyphosathaltigen Mittel Roundup und dem Krebs des Klägers gibt.

Die Entscheidung dazu fällte die Jury vor zwei Wochen, sie bestätigte den Zusammenhang. Nun muss sie entscheiden, ob ein Fehlverhalten von Monsanto vorliegt.

Drei Fragen an die Geschworenen:

Dabei mussten die Geschworenen drei Fragen des Richters beantworten: War das Produkt Roundup vom Entwurf her fehlerhaft? Hat Roundup nicht ausreichend vor potenziellen Risiken gewarnt? War Monsanto nachlässig, indem sich das Unternehmen nicht genug bemüht hat, vor den Risiken durch Roundup zu warnen?

In dem Prozess war es auch um die Frage gegangen, warum Monsanto über die Jahrzehnte keine Tierversuche durchgeführt hat. „Ein verantwortungsvolles Unternehmen hätte sein Produkt getestet. Ein verantwortungsvolles Unternehmen hätte es seinen Kunden gesagt, wenn es wüsste, dass es Krebs erregt“, appellierte Jennifer Moore, eine der Anwältinnen des Klägers in ihrem Abschlussplädoyer an die Jury.

Moore nannte das Verhalten der Bayer-Tochter Monsanto rücksichtslos und beleidigend. Die Kläger werfen Monsanto unter anderem vor, wissenschaftliche Studien beeinflusst zu haben.

Brian Stekloff, der als Anwalt die Monsanto-Mutter Bayer verteidigt, wies darauf hin, dass die zuständige Umweltaufsicht EPA, die Unkrautvernichtungsmittel reguliert, Roundup nie vom Markt genommen oder eine Krebswarnung gefordert habe.

Auch er nannte das Vorgehen der anderen Seite beleidigend. Monsanto habe seine Mithilfe bei Studien laut Stekloff stets offen ausgewiesen, und die Anklage habe vermeintlich entlarvende E-Mails aus dem Kontext gerissen.

Roundup ist Bayers größtes Problem

Für Bayer ist Roundup längst zum größten Problem im Konzern geworden. Noch diese Woche beginnt ein weiterer Fall gegen Bayer in Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien.

Mit den Klagen sind für Bayer theoretisch auch die lukrativen Einnahmen durch Roundup in Gefahr. Analyst Gunter Zechmann von Bernstein Research schätzt, dass Roundup mit 3,5 Milliarden Euro zum Jahresumsatz beiträgt. Das sind 18 Prozent des Umsatzes der Bayer-Division Crop-Science. Der Anteil am Gewinn wird auf 14 Prozent geschätzt.

Roundup ist ein weltweit beliebtes Unkrautvernichtungsmittel, das sämtliche nicht hölzerne Pflanzen abtötet, die nicht gegen Glyphosat resistent gemacht wurden.

Für Bauern hat das den Vorteil, dass sie komplett auf das Pflügen verzichten können und bei Mais zum Beispiel nur zweimal im Jahr sprühen müssen, wenn sie das entsprechende Saatgut kaufen. Aber auch in öffentlichen Parks, an Schulen und in privaten Gärten kommt das Mittel zum Einsatz, um etwa Gehwege frei von Unkraut zu halten.

Bayer könnte nach dem Urteil in Berufung gehen. Im Berufungsverfahren gibt es in den USA keine Jury. Das ist für Unternehmen oft von Vorteil, weil die Schadensersatz-Summen häufig nach unten revidiert werden.

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