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Rücktritt des VW-Chefs Das sagen Martin Winterkorn und die VW-Aufseher

Martin Winterkorn ist als Volkswagen-Chef zurückgetreten. In sehr persönlichen Worten erklärt er seinen Schritt. Wir dokumentieren seine Mitteilung und die Erklärung des Präsidiums des Aufsichtsrats im Wortlaut.
23.09.2015 - 17:32 Uhr

„Winterkorn hatte keine Kenntnisse über die Manipulation“

Die Erklärung von Martin Winterkorn
„Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren.

Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltes bewusst bin.

Volkswagen braucht einen Neuanfang – auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei.

Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben.

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    Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden.“

    Die Erklärung des Präsidiums des Aufsichtsrates der Volkswagen AG:

    Das Präsidium des Aufsichtsrates der Volkswagen AG hat in seiner Sitzung am Mittwoch, 23.09.2015, die Vorgänge in Zusammenhang mit der Manipulation von Abgaswerten bei Dieselmotoren des VW Konzerns eingehend beraten und ist zu folgenden Feststellungen gelangt:

    1. Das Präsidium nimmt die Vorgänge mit großer Betroffenheit zur Kenntnis. Seine Mitglieder sind sich nicht nur des eingetretenen wirtschaftlichen Schadens bewusst, sondern vor allen Dingen auch des Verlustes an Vertrauen bei vielen Kunden weltweit.

    2. Die Mitglieder des Präsidiums sind sich darin einig, dass mit aller Entschlossenheit die Vorgänge aufgeklärt werden und dafür Sorge getragen wird, dass Verfehlungen geahndet werden. Zugleich sind die Mitglieder des Präsidiums entschlossen, dafür Sorge zu tragen, dass ein glaubwürdiger Neuanfang mit aller Entschiedenheit angepackt wird.

    3. Mit großem Respekt haben die Mitglieder des Präsidiums das Angebot des Vorstandsvorsitzenden, Professor Dr. Martin Winterkorn, zur Kenntnis genommen, von seinem Amt zurückzutreten und um eine Aufhebung des Vertrages zu bitten. Die Mitglieder des Präsidiums stellen fest, dass Herr Professor Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten. Seine Bereitschaft, die Verantwortung zu übernehmen und damit ein deutliches Signal in das Unternehmen hinein und nach außen zu senden, wird von dem Präsidium mit größter Hochachtung zur Kenntnis genommen.

    Herr Professor Dr. Winterkorn hat sich um Volkswagen unschätzbare Verdienste erworben. Mit seinem Namen ist der Aufstieg des Unternehmens zu einem Weltkonzern verbunden. Die Mitglieder des Präsidiums danken Herrn Professor Dr. Winterkorn für seine überragende Leistung in den vergangenen Jahrzehnten und für die Bereitschaft in der derzeit kritischen Situation Verantwortung zu übernehmen. Diese Einstellung ist beispielhaft.

    „Schlimmster Unternehmens-Skandal in der Geschichte“
    „The Times“ (Großbritannien)
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    In Großbritannien kommentiert die „Times“ die Manipulationen der Diesel-Abgaswerte bei VW: „Die Krise bei VW ist zweifellos ein Paradebeispiel für den Preis des Betrugs. Dem Autobauer droht eine Strafe von 18 Milliarden US-Dollar wegen manipulierter Abgasmessungen bei Diesel-Fahrzeugen. Es ist der schlimmste Unternehmens-Skandal in der Geschichte des modernen Deutschlands, und er könnte das Ende für die Produktion von Diesel-Fahrzeugen als Massenprodukt einläuten. Unmittelbar ist der Skandal ein schwerer Schlag für einen zentralen Pfeiler der stärksten Wirtschaftsmacht Europas.“

    (Foto: Screenshot)
    „Guardian“ (Großbritannien)
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    Der „Guardian“ aus London schreibt: „Die Politik sollte eigentlich die Umwelt schützen, und nicht die Geschäfte der Industrie unterstützen. Es waren amerikanische, und nicht europäische Kontrolleure, die VW erwischt haben. Es ist vorstellbar, dass Behörden die Abgaswerte, die von den Fahrzeugen wichtiger nationaler Unternehmen stammen, nicht zu streng prüfen wollen. Wenn die Messungen von Umweltverschmutzung so leicht arrangiert werden können, dann können auch politische und kommerzielle Vorgaben verzerrt werden. Wenn verantwortungslose Methoden von den Finanzmärkten auf die Prüfung von Umweltdaten und Produkten für Verbraucher übergreifen, dann sollte die Welt sehr besorgt sein.“

    (Foto: Screenshot)
    „La Repubblica“ (Italien)
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    Auch in Italien schlägt der Skandal riesige Wellen: „Der weltweite Betrug des Autos“ titelt die italienische Tageszeitung „La Repubblica”. Sie widmet die ersten sechs Seiten dem Thema Volkswagen und hat ihren Berliner Korrespondenten für eine Reportage nach Wolfsburg geschickt, der die gedrückte Stimmung in der Autostadt beschreibt. „Ein deutsches Unternehmen. Mit einem starken öffentlichen Aktionär. Mit der Gewerkschaft in der Führung. Mit seinem enormen Ausmaß hat der VW-Betrug 360 Grad-Auswirkungen. Das Debakel trifft nicht nur das angeklagte Management. Es betrifft das gesamte System Deutschland, inklusive die Regierung, das vielleicht bescheid wusste“, kommentiert „La Repubblica“.

    (Foto: Screenshot)
    „Corriere della Sera“ (Italien)
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    „Der Volkswagen-Skandal weitet sich aus – Merkel wusste es“ titelt der „Corriere della Sera“.

    (Foto: Screenshot)
    „Il Giornale“ (Italien)
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    „Das Dieselgate ergreift Berlin“ beschreibt die Zeitung „Il Giornale“ die Lage.

    (Foto: Screenshot)
    „Le Monde“ (Frankreich)
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    Die französische Tageszeitung „Le Monde“ kommentiert: „Die für Mittwoch dringend einberufene Sitzung des Volkswagen-Präsidiums dürfte für VW-Chef Martin Winterkorn ungemütlich werden. Doch diese Affäre geht weit über Volkswagen hinaus. Sie beschädigt das Image der Europäer, die gerne Lektionen erteilen und sich rühmen, Vorreiter im Kampf gegen die Umweltverschmutzung und gegen die Klimaerwärmung zu sein. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Europäer, die bei ihren laufenden Verhandlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen immer wieder die Überlegenheit ihrer Industrienormen rühmen. Die Affäre diskreditiert das Engagement der Industrie und der Wissenschaftler. Sie betrifft keineswegs einzig und allen den deutschen Autobauer. Das macht sie noch unverzeihlicher.“

    (Foto: Screenshot)
    „Le Point“ (Frankreich)
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    „Le Point“ aus Frankreich kommentiert die Erklärung von Renault und Peugeot, sie würden mit ihren Dieselautos alle Zulassungsbestimmungen einhalten: „Klarer geht es nicht, kein französisches Auto überschreitet die Grenze zwischen der Optimierung des Motors und Betrügereien bei Tests. Damit behalten sie das letzte Wort, sind wohl noch etwas erschreckt von dem Gewitter und froh darüber, verschont geblieben zu sein, aber auch darüber, dass der arrogante Hersteller von "Das Auto" gerüffelt wird.“

    (Foto: Screenshot)

    4. Vorschläge zu personellen Neubesetzungen werden bis zur Sitzung des Aufsichtsrates am kommenden Freitag vorliegen.

    5. Die Mitglieder des Präsidiums erwarten in den nächsten Tagen weitere personelle Konsequenzen. Die konzerninternen Untersuchungen laufen derzeit auf Hochtouren. Alle Beteiligten an diesen Vorgängen, die einen unermesslichen Schaden für Volkswagen angerichtet haben, werden mit aller Konsequenz belangt.

    6. Die Mitglieder des Präsidiums haben beschlossen, durch das Unternehmen Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Braunschweig zu erheben. Es steht nach Ansicht des Präsidiums fest, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die auch strafrechtlich relevant sein können. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden seitens des Volkswagen Konzerns in aller Form unterstützt.

    7. Die Mitglieder des Präsidiums schlagen dem Aufsichtsrat der Volkswagen AG vor, einen Sonderausschuss zu bilden, unter dessen Leitung die weitere Aufklärung erfolgen wird sowie die notwendigen Konsequenzen vorbereitet werden. Der Sonderausschuss wird sich hierzu externer Beratung bedienen. Nähere Einzelheiten hierzu sollen in der Aufsichtsratssitzung am Freitag entschieden werden.

    8. Den Mitgliedern des Präsidiums ist bewusst, dass es sich bei der Bewältigung der entstandenen Vertrauenskrise um eine längerfristige Aufgabe handelt, die hohe Konsequenz und einen langen Atem erfordert.
    9. Die Mitglieder des Präsidiums werden sich gemeinsam mit der Belegschaft und dem Vorstand dieser Aufgabe engagiert stellen. Volkswagen ist ein großartiges Unternehmen, das auf der Leistung von hunderttausenden Menschen beruht. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, dass dieses Unternehmen in jeder Hinsicht wieder das Vertrauen seiner Kunden zurückgewinnt.

    • HB
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