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Rüstung Zu wenig Geld für Raketenabwehr-System: Hersteller MBDA plant Entlassungen

Die Bewilligung von Mitteln für das Milliarden-Projekt TLVS lässt auf sich warten. Hersteller MBDA sieht sich daher zu Entlassungen gezwungen.
03.12.2020 Update: 03.12.2020 - 16:14 Uhr 1 Kommentar
MBDA-Deutschlandchef Thomas Gottschild schließt nicht einmal mehr das endgültige Scheitern des Projekts aus. Quelle: MBDA
Raketenabwehrsystem TLVS

MBDA-Deutschlandchef Thomas Gottschild schließt nicht einmal mehr das endgültige Scheitern des Projekts aus.

(Foto: MBDA)

Berlin Eines der technologisch ambitioniertesten Rüstungsprojekte Deutschlands, das Raketenabwehrsystem TLVS, wird sich wohl deutlich verzögern. Hersteller MBDA kündigte deshalb am Donnerstag Entlassungen an. Nachdem der Haushaltsausschuss vergangene Woche nur einen symbolischen Betrag in den Finanzplan bis 2024 eingetragen hatte, rechnet MBDA-Deutschlandchef Thomas Gottschild nicht mehr damit, dass das Projekt noch vor der Bundestagswahl begonnen werden kann.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte in einer Regierungsbefragung im Bundestag zuvor angekündigt, dem Parlament Anfang 2021 eine „Gesamtbetrachtung“ für Flugabwehr und Luftverteidigung vorlegen zu wollen. Über TLVS werde man sich dafür noch unterhalten müssen, so die Ministerin.

„Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis“, sagte Gottschild. „Aufgrund dieser Entwicklung sind wir gezwungen, eine Restrukturierung des Unternehmens durchzuführen.“ Details nannte er nicht: Diese würden nun im Unternehmen auch mit dem Betriebsrat, den Führungskräften und Vertretern des Verteidigungsministeriums diskutiert. MBDA beschäftigt in Deutschland aktuell 1300 Mitarbeiter, darunter 150 im Bereich TLVS. Geplant war, nach der Auftragsvergabe die Beschäftigten an dem Projekt einschließlich Zulieferer auf 6000 aufzustocken.

Jetzt schließt Gottschild offenbar nicht einmal mehr das endgültige Scheitern des Projekts aus, in das das Unternehmen bereits 150 Millionen Euro gesteckt hat. In der MBDA-Pressemitteilung heißt es: „Dies schließt die Diskussion über die Möglichkeiten der Fortführung des Vergabeverfahrens TLVS und den Erhalt der Schlüsselqualifikation im Bereich Luftverteidigung für Deutschland mit ein.“

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    Nach den bisherigen Plänen würde das System nach Expertenschätzungen 13 Milliarden Euro bis 2030 kosten. Dafür soll das „Taktische Luftverteidigungssystem“ als weltweit bisher einziges in der Lage sein, feindliche Raketen neuester Bauart abzufangen, egal aus welcher Richtung sie kommen.

    MBDA baut das System gemeinsam mit dem US-Hersteller Lockheed Martin. Würde es aufgegeben, hätte der US-Hersteller Raytheon mit seinem Patriot-System ein Raketenabwehr-Monopol für alle Nato-Staaten, Europa verlöre die entsprechende technologische Fähigkeit.

    Vor dem Beschluss des Haushaltsausschusses waren sich Verteidigungsministerium und Hersteller allerdings nicht einig, ob das Projekt TLVS tatsächlich bereits entscheidungsreif ist. Gottschild bejahte dies gegenüber dem Handelsblatt.

    Im Bundesverteidigungsministerium sieht man das anders: Die Auswertung des zweimal nachgebesserten Angebots sei noch nicht abgeschlossen, sagte eine Sprecherin. MBDA habe das finale Angebot sehr spät eingereicht. Wenn es bereits vor der Sommerpause vorgelegen hätte, hätte die Ministerin es im September noch in den Haushalts-Kabinettsentwurf einbringen können, hieß es weiter.

    Kosten militärischer Großprojekte lassen Haushälter verzweifeln

    Ob das viel geändert hätte, scheint jedoch zweifelhaft. Denn im Haushaltsausschuss wurde über zahlreiche teure Großprojekte gesprochen. Vorrangig bekamen jene Vorhaben Geld, mit denen die Bundeswehr veraltetes Gerät einigermaßen kurzfristig ersetzen kann.

    Im Jahr 2021 soll der Verteidigungsetat um 1,3 Milliarden Euro auf 46,93 Milliarden Euro wachsen, mit Steigerungen in fast allen Aufgabenbereichen. „Dabei wird der Schwerpunkt darauf gelegt, klein- und mittelvolumige Vorhaben – vorrangig für den Fähigkeitserhalt – zu realisieren“, teilte das Ministerium nach den Haushaltsberatungen mit. Projekte der Digitalisierung und die persönliche Ausrüstung der Soldaten hätten Priorität.

    Bei den größeren Rüstungsprojekten sollen zunächst bereits begonnene Vorhaben fortgeführt werden: Dazu zählen das Mehrzweckkampfschiff MKS 180, das AESA-Radar für den Eurofighter sowie Ersatz-Eurofighter für die Kampfflugzeuge aus der ersten Tranche und Fregatten-Hubschrauber.

    Des Weiteren wird die Fortsetzung des deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekts FCAS und des Kampfpanzerprojekts MGCS genannt, das deutsch-norwegische U-Boot nebst Flugkörpern, das Projekt „Pegasus“ und die „Eurodrohne“. Wichtig war den Bundestagsabgeordneten zudem, dass die Soldaten genug Munition und Kampfbekleidung haben.

    Und bevor irgendwann TLVS auf das Radar von Annegret Kramp-Karrenbauer kommt, will die Ministerin einen neuen Anlauf für den Kauf von schweren Transporthubschraubern starten. Das Vergabeverfahren hatte Kramp-Karrenbauer gestoppt, nachdem aufgrund von Extrawünschen der Bundeswehr die Preise für die konkurrierenden US-Hubschrauber CHK-53K und CH-47F Chinook immer höher getrieben worden waren. Das Ziel der Ministerin: schlichtere Versionen zügig zu beschaffen.

    Mehr: Die Bundesregierung verspricht der Bundeswehr neue Waffen – doch es fehlt das Geld

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    1 Kommentar zu "Rüstung: Zu wenig Geld für Raketenabwehr-System: Hersteller MBDA plant Entlassungen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Tja. 20 Jahre Politikversagen unter Merkel lassen sich in kurzer Zeit nicht lösen.
      Wir sollten die Bundeswehr ganz abschaffen.
      Wenn die Russen uns angeifen wollten hätten sie es längts getan. Wir haben bereits heute gar keine Möglichkeit uns zu verteidigen.

      Es ist gar keine Munition vorhanden. Die Vorräte für billige Gewehrmunition sind bereits im Mai ausgeschöpft, so dass die Soldaten nicht üben können. Wie soll man da ersthaften eine Verteidigung führen.

      Eigentlich sollte gerade D gerlernt haben, dass man ohne Luftverteidigung keinen Krieg gewinnen kann. Die Erfahrungen im Nahen Osten zeigen, das Rakenabwehrsysteme lange nicht so erfolgreich sind, wie erhofft. Daher wäre dieses System zwingend nötig, um eine einigermaßsen dünne Luftverteidigung herzustellen.

      Dass nun schon Ersatz-Eurofighter beschafft werden, obwohl die Waffensysteme und Feuerleitsystem (sowohl für lasergeführte Bomben als auch Kurzsteckenluftabwehrrakenten) für die erste Generation nie beschafft wurden, zeigt, wie verrückt die Verteidigungspolitik under ungedienten Quotenfrauen seit Jahren ist.

      Wie haben eine Generation von Flugzeugen unterhalten, die kaum einsatzbereit waren. Deutschland ist eine Lachnummer, nicht nur im Fußball.

      Also lasst uns das eingestehen und die Bundeswehr wie auch die Bundesnationalmannschafft abschaffen. Wir können es derzeit einfach nicht.

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