Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Rüstungsindustrie Bei Heckler & Koch tobt ein Zweikampf um die Macht

Der Investor CDE hat Mehrheitsaktionär Andreas Heeschen auf der außerordentlichen Hauptversammlung frontal attackiert. Es geht um die Kontrolle des Waffenherstellers.
19.12.2019 Update: 19.12.2019 - 17:45 Uhr 1 Kommentar
Zwei Großaktionäre streiten um den Einfluss beim deutschen Waffenhersteller. Quelle: ddp images/Jaap Arriens/NurPhoto/
Heckler & Koch

Zwei Großaktionäre streiten um den Einfluss beim deutschen Waffenhersteller.

(Foto: ddp images/Jaap Arriens/NurPhoto/)

Rottweil Der Ort ist denkbar idyllisch: Das alte Badhaus einer ehemaligen Pulverfabrik liegt malerisch im Neckartal bei Rottweil. Munition wird in der heutigen Party- und Kulturdestination seit Jahren nicht mehr hergestellt. Die außerordentliche Hauptversammlung des Waffenherstellers Heckler & Koch am Donnerstag bot aber trotzdem jede Menge Zündstoff: Zwei Großaktionäre machten das Treffen zum bizarren Schauspiel ohne Hauptdarsteller.

Der bisherige Mehrheitsaktionär Andreas Heeschen hatte die Versammlung einberufen, um sich selbst in den Aufsichtsrat wählen zu lassen, Auf der Gegenseite befand sich die Luxemburger Finanzholding CDE, hinter der der französische Investor Nicolas Walewski steht. Diese will Heeschen die Anteile abnehmen, wollte ihn aber nicht im Aufsichtsrat haben.

CDE hat über belastbare Pfandrechte aus einem Darlehensvertrag Anspruch auf die Aktienmehrheit, wie in der Hauptversammlung zutage kam.

Die bisherigen Rollen: Während Heeschen die Anteile der Waffenschmiede jahrelang hielt, war Walewski der Financier der Beteiligung im Hintergrund. Jetzt will der Franzose aber selbst die Kontrolle über das Unternehmen erlangen. Die CDE kann die Mehrheit aber nur übernehmen, wenn die Bundesregierung dem Eigentümerwechsel ins Ausland zustimmt. Die prüft seit 19 Monaten den Fall. Auch das ist ein Grund für die Hängepartie.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die beiden Protagonisten waren in Rottweil nicht anwesend. Dass sie ihren Streit vor den Aktionären austrugen, hat nur eine plausible Erklärung: Der ursprünglich vereinbarte Preis wird von einer Seite als ungerecht empfunden. Es ging um die Besicherung eines Darlehens von 100 Millionen Euro.

    Aber es gibt wohl bindende Vereinbarungen, denn sonst würde die CDE als Käufer nicht den Verkäufer Heeschen öffentlich attackieren und gegen dessen Aufnahme in den Aufsichtsrat stimmen.

    Ärger um fragwürdige Darlehen

    So versuchten die Anwälte der CDE, Heeschen durch Fragen in der Hauptversammlung zu diskreditieren. CDE-Anwalt Sebastian Ens stellte eine ganze Liste von Fragen zu der Zeit, als Heeschen in der Geschäftsführung des Waffenspezialisten war. „Wie hoch war die Verschuldung 2002 und wie hoch, als Heeschen 2015 aus dem Aufsichtsrat ausschied?“, fragte Ens.

    Vorstandschef Jens Bodo Koch antwortete nüchtern: „Von 2002 bis 2015 stieg die Verschuldung von 2,5 auf 295 Millionen Euro.“ Weitere Fragen drehten sich um verspätet veröffentlichte Bilanzen, fragwürdige Darlehen an Heeschen oder an verbundene Unternehmen sowie um die Frage, ob das Geld aus dem Unternehmen gezogen wurde, um etwa Flugzeuge zu finanzieren.

    Die Vorwürfe stehen seit Jahren im Raum. Das Unternehmen bestätigte, dass Heeschen alle Darlehen, die er selbst erhalten habe, wieder an das Unternehmen zurückgezahlt habe. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Heeschen hatte über die Beteiligungs AG von Heckler & Koch in verschiedene Unternehmen investiert, darunter den Gartengerätehersteller Wolf, einen Flugzeugvermieter und einen Schiffsbauer. Alles Fehlinvestitionen.

    Die Darlehen für diese Beteiligungen musste Heckler abschreiben. Vorstandschef Koch bestätigte, dass dies einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet habe. Damit kamen Details aus der Vergangenheit zutage, die ein schlechtes Licht auf die unternehmerische Leistung von Heeschen werfen. Ganz im Sinne der CDE.

    Normalerweise werden solche Auseinandersetzungen nicht öffentlich ausgetragen. Aber CDE will offensichtlich einen harten Schnitt zu Heeschen. Die Fronten könnten kaum verhärteter sein.

    Zudem forderte CDE die Abberufung des bisherigen Aufsichtsratschefs Harald Kujat. Der 77-jährige frühere Generalinspekteur der Bundeswehr war erst im Sommer auf Wunsch von Heeschen in das Kontrollgremium berufen worden.

    Die CDE begründet ihre Haltung zu Kujat unter anderem mit dessen Mangel an wirtschaftlichen Kenntnissen – für den langjährigen General ist das Mandat sein erstes Wirken in einem Aufsichtsrat. Die Versammlungsführung im Badhaus übergab der Ex-Militär dem Wirtschaftsprüfer Martin Sorg. Auch ihn wollte die CDE abberufen.

    Hohe Schulden belasten

    Klar war schon zuvor, dass die Anträge nicht durchkommen. Für die Abberufung Kujats gab es nur 9,5 Prozent Zustimmung. Noch hat der bisherige Mehrheitsaktionär Heeschen die Mehrheit der Stimmen, an diesem Tag über 90 Prozent der anwesenden Aktien. Sollte Berlin grünes Licht geben und die Transaktion vollzogen werden, würde Heeschens Einfluss aber bald schwinden.

    Die 900-Mitarbeiter-Firma Heckler & Koch aus Oberndorf ist seit Jahren unter Druck, die Schuldenlast ist aktuell bei 236 Millionen Euro hoch, wie das Management auf Nachfrage sagte. Zuletzt war H&K auch im operativen Geschäft nicht profitabel. Allerdings könnte das Unternehmen ohne die hohen Zinslasten leichter in die Erfolgsspur zurückfinden.

    Auch deshalb würde das Management eine Eigenkapitalspritze begrüßen. „Eine stabile und kräftige Struktur als Eigentümer, mit der sich das Unternehmen kraftvoll entwickeln kann, würden wir begrüßen“, sagte Vorstandschef Koch. Damit lässt er durchblicken, dass dem Management CDE als Eigentümer nicht ungelegen käme. Es gibt auch schon persönliche Verbindungen. Ein CDE-Manager sitzt seit Jahren im Aufsichtsrat.

    Nach der Abstimmung meldete sich Andreas Heeschen. „Ich will helfen, Situationen zu korrigieren, die das Unternehmen belasten“, sagte er in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz. Er habe sich auch deshalb dazu entschieden, weil er nicht genug Informationen vom Unternehmen bekomme.

    Durch das lange Genehmigungsverfahren im Wirtschaftsministerium nehme die Unsicherheit wieder zu. Er suche das Gespräch mit der CDE. Diese ihrerseits legte direkt Berufung gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung ein. Fortsetzung folgt.

    Mehr: Während ein Verkauf von H&K ausgelotet wird, will sich Mehrheitsaktionär Andreas Heeschen in den Aufsichtsrat wählen lassen. Doch es gibt Widerstand.

    Startseite
    Mehr zu: Rüstungsindustrie - Bei Heckler & Koch tobt ein Zweikampf um die Macht
    1 Kommentar zu "Rüstungsindustrie: Bei Heckler & Koch tobt ein Zweikampf um die Macht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn die Parteien sich weiter streiten werden sie den Auftrag für das neue Sturmgewehr wohl nicht bekommen.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%