Rüstungsprojekt EADS leistet Offenbarungseid für A400M

Das wichtigste Rüstungsprojekt Europas steht vor einem Neustart. Die A400M, der geplante europäische Militärtransporter, wird noch einmal zwei Jahre später als bislang versprochen ausgeliefert werden. Zudem will der Airbus-Mutterkonzern EADS die Verträge mit den Hauptabnehmern Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien ändern.
Fotogen, aber nicht flugfähig. Im Herbst 2008 präsentierte Airbus den neuen Militärtransporter A 400M in Sevilla. Bis er abhebt, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Foto: dpa Quelle: dpa

Fotogen, aber nicht flugfähig. Im Herbst 2008 präsentierte Airbus den neuen Militärtransporter A 400M in Sevilla. Bis er abhebt, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Foto: dpa

(Foto: dpa)

MÜNCHEN. Die deutsche Luftwaffe ist mit 60 bestellten Maschinen im Gesamtwert von 8,3 Mrd. Euro der wichtigste Kunde des Projekts.

EADS gab am Freitagabend bekannt, dass die erste Maschine frühestens drei Jahre nach dem Erstflug ausgeliefert werden könne. Doch der Jungfernflug kann aufgrund technischer Probleme nicht vor dem zweiten Halbjahr 2009 beginnen. Vor allem die mächtigen Turboproptriebwerke der A400M machen den Technikern zu schaffen. Derzeit werden die Aggregate an einem sogenannten „flying testbed“ geprüft. Dazu fliegt eine C-130 Hercules des Konkurrenten Lockheed Martin mit dem neuen Antrieb. Solange diese Testreihe läuft, wird die bereits einmal unterbrochene Serienproduktion der Komponenten in sämtlichen europäischen Werken ruhen.

Über die Höhe der Mehrbelastungen, die aus möglichen Schadenersatzforderungen und Strafzahlungen entstehen können, wollte sich ein EADS-Sprecher am Wochenende nicht äußern. Bislang hat EADS über die vergangenen Quartale Mehrbelastungen von 1,7 Mrd. für das Projekt ausgewiesen. Anders als bei anderen militärischen Beschaffungen haben die Regierungen einen Fixpreis mit EADS ausgehandelt. Vor allem die deutsche Regierung pochte in den vergangenen Monaten mehrfach auf Vertragstreue.

Seit Jahren kämpft EADS mit dem Mammutprojekt A 400M, das die Vorherrschaft von Amerikanern und Russen im Bau militärischer Transportflugzeuge brechen soll. 2003 unterzeichneten mehrere europäische Regierungen den Vertrag zum Bau der A400M. Die Maschine sollte deutlich leistungsfähiger als sämtliche Konkurrenten sein. Die Militärs wünschten sich vor allem einen neuen Lastesel für Auslandseinsätze. Extreme Tiefflugeigenschaften und die Fähigkeit auf unbefestigten Graspisten landen zu können hatte oberste Priorität in der Entwicklung. Das traf einen Nerv: Mit Exportaufträgen auch aus der Türkei und Südafrika stehen jetzt 196 fest bestellte Maschinen in den Büchern, das Auftragsvolumen liegt bei 20 Mrd. Euro. 2009 sollte die erste Maschine an Frankreich gehen.

Doch neben militärischen Anforderungen sollte die A 400M auch industriepolitische Wünsche erfüllen. Nicht Airbus, sondern Airbus Military unter Führung der spanischen EADS Casa beanspruchte die Federführung. Argwöhnisch wachten die Spanier über die Entwicklungshoheit, obwohl sie mit dem Bau schwerer Transportmaschinen genauso wenig Erfahrung hatten wie die größeren Partner Deutschland und Frankreich. Damit ist jetzt Schluss: Mitte Dezember unterstellte EADS-Chef Louis Gallois Airbus Military der Zivilsparte in Toulouse. Seitdem ist Airbus-Chef Tom Enders nun auch für die A400M zuständig. Gleichzeitig muss er den verspäteten Riesenairbus A380 in die Spur bringen.

Noch fataler gilt in EADS-Kreisen die Entscheidung, die riesigen Turboproptriebwerke von einem europäischen Konsortium bauen zu lassen, statt die Motoren einfach in Amerika zuzukaufen. So fanden sich die sonst erbittert konkurrierenden Rivalen Rolls-Royce, Spaniens ITP, die französische Snecma und die Münchener MTU in einem Konsortium wieder, dass nur auf Druck der europäischen Regierungen entstand. Das gegenseitige Misstrauen und die enormen technischen Herausforderungen verzögerten die Entwicklung mehrfach.Die Triebwerkshersteller wiederum bezichtigen die EADS von eigenen Versäumnissen ablenken zu wollen. Als Generalunternehmer bleibt aber EADS in der Pflicht.

Wie lange sich die Verhandlungen mit den Beschaffungsnationen hinziehen werden ist offen. So drängt EADS offenbar darauf, die Ausstattungen für die einzelnen Nationen stärker zu harmonisieren. Denn trotz der gemeinsamen Beschaffung beharren Deutsche, Franzosen, Briten und Spanier immer noch auf Extrawünschen.

Airbus-Baustellen

A 380

Noch immer ist jede Auslieferung des Riesenjets ein Abenteuer. Erst 2010 wird eine stabile Serienproduktion möglich.

A400M

Der Militärtransporter wurde zu Fixpreisen angeboten. Nur Konzessionen der europäischen Regierungen können ein finanzielles Desaster verhindern.

A350 XWB

Das neue Langstreckenflugzeug soll 2012 fliegen. Technische Herausforderungen und ein sehr ambitionierter Zeitplan setzen die Entwickler unter Druck.

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