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Ruhrkonzern Thyssen-Krupp macht die Aufzugsparte fit für die Börse

Thyssen-Krupp will seine Aufzugssparte verkaufen oder an die Börse bringen. Und das Geschäft soll in Zukunft noch profitabler und schlanker werden.
11.12.2019 Update: 11.12.2019 - 16:52 Uhr Kommentieren
Experten haben den Wert von Thyssen-Krupp Elevator auf über 15 Milliarden Euro geschätzt. Quelle: Reuters
Thyssen-Krupp

Experten haben den Wert von Thyssen-Krupp Elevator auf über 15 Milliarden Euro geschätzt.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Vor den Investoren gibt sich Peter Walker, Vorstandschef der Aufzugsparte von Thyssen-Krupp, selbstkritisch. „Wir haben in den vergangenen Jahren viele Potenziale liegen lassen, die unsere Wettbewerber genutzt haben“, erklärte der Manager beim Kapitalmarkttag des Konzerns am Mittwoch. Was dann folgt, ist ein Versprechen: „Wir wollen Komplexität reduzieren und das margenstarke Service-Geschäft stärken.“

Innerhalb von nur zwei Jahren, so Walkers Versprechen, soll die Marge von derzeit elf auf bis zu 13 Prozent gesteigert werden. „Alle Maßnahmen, die nötig sind, haben wir in der eigenen Hand.“

Walker muss die anwesenden Analysten davon überzeugen, dass sich ein Investment in Thyssen-Krupp Elevator auszahlt. Denn der Mutterkonzern Thyssen-Krupp will seine profitabelste Tochter verkaufen. Bis zum Ende des Jahres sollen die Vorbereitungen für einen Börsengang abgeschlossen sein. Gleichzeitig buhlen Wettbewerber und Finanzinvestoren wie Advent, Blackstone und Cinven um eine teilweise oder vollständige Übernahme der Sparte.

Noch ist offen, für welche Variante sich der Vorstand am Ende entscheidet. Erst im ersten Quartal 2020 will Konzernchefin Martina Merz einen genauen Plan vorlegen. Doch klar ist schon jetzt: Thyssen-Krupp braucht Geld. Mit einem Komplettverkauf könnte der Ruhrkonzern auf einen Schlag nach Schätzungen bis zu 15 Milliarden Euro erlösen.

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    Doch dabei gibt es viele Hürden: Einerseits müssen die übrigen Geschäfte so aufgestellt werden, dass sie ohne die regelmäßigen Zuwendungen aus dem Aufzuggeschäft überleben. Andererseits droht ein aufwendiges Genehmigungsverfahren vor der EU-Kommission, sollte der Zuschlag an einen Konkurrenten gehen. „Am Ende werden wir uns für die Option entscheiden, die für den Konzern, seine Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter, aber auch für das Aufzuggeschäft das Beste ist“, sagte am Mittwoch Thyssen-Krupps Finanzchef Johannes Dietsch.

    Stark in Amerika

    Einer der wichtigsten Interessenten ist dabei der finnische Aufzughersteller Kone. Schon seit Jahrzehnten führen die Finnen mal mehr, mal weniger aussichtsreiche Gespräche über eine Fusion mit Thyssen-Krupp. Lange wurde dabei darum gerungen, wer dabei am Ende den Ton angibt. Sollte Vorstandschefin Merz sich dafür entscheiden, das Geschäft komplett an Kone abzugeben, wäre zumindest diese Frage geklärt. Im Verbund wären beide das mit Abstand größte Aufzugunternehmen der Welt.

    Doch wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, ist Kone nicht der einzige Stratege, der für Elevator bieten will. Auch der japanische Mischkonzern Hitachi, nach Mitsubishi die Nummer sechs im Weltmarkt, soll demnach ein eigenes Angebot vorbereiten.

    Dabei dürften sowohl Hitachi als auch Kone ein starkes Interesse vor allem am Amerika-Geschäft der Essener haben: Hier ist Thyssen-Krupp als Nummer zwei deutlich stärker als die meisten Wettbewerber und erzielt überdurchschnittliche Margen von mehr als 15 Prozent.

    Alle Maßnahmen, die für die Weiterentwicklung nötig sind, haben wir in unserer Hand. Peter Walker, CEO von TK Elevator

    Entsprechend viel Zeit verwandte daher Spartenchef Walker darauf, die Erfolge des US-Geschäfts vor den Analysten zu loben. „Wir haben in den USA eine Führungsebene herausgenommen und die Zahl der Fertigungsstandorte von fünf auf einen reduziert“, so der Manager. Mittlerweile trägt das Amerika-Geschäft mehr als die Hälfte zum Spartengewinn von zuletzt rund 790 Millionen Euro bei. Über alle Standorte hinweg lag die Ebit-Marge von Elevator im vergangenen Geschäftsjahr bei 11,3 Prozent – und damit teils deutlich unter jenen von Wettbewerbern wie Kone, die zuletzt Margen von mehr als 13 Prozent erzielten.

    Um aufzuschließen, will Walker die Komplexität des Produktportfolios verringern und verstärkt auf konzernweite Fertigungsplattformen für unterschiedliche Gebäudehöhen setzen. Die Verwaltung soll verschlankt und in den jeweiligen Märkten zentralisiert werden. Vorbild dafür ist das Geschäft in den USA: Hier wurde das Backoffice von vormals acht auf einen Standort reduziert, was zu einer Einsparung von jährlich rund drei Millionen Euro geführt hat.

    Die größten Schwierigkeiten sieht der gebürtige Australier in den deutschen Werken, die zusammen rund 5000 der weltweit 53.000 Mitarbeiter der Aufzugsparte beschäftigen. Hier will Walker die Kosten senken – und die bislang stark auf individuelle Kundenwünsche fokussierte Fertigung stärker auf standardisierte Produkte‧ ausrichten. „Wir befinden uns hierzu bereits in Gesprächen mit dem Betriebsrat“, sagte Walker. Betroffen wäre vor allem das Werk in Hamburg – während das Werk in Neuhausen künftig sowohl individualisierte als auch standardisierte Aufzüge und Fahrtreppen fertigen soll.

    Börsengang oder Verkauf?

    Doch was tatsächlich am Ende mit den beiden Standorten passiert, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich der Vorstand entscheidet. Sollte Elevator an einen Konkurrenten wie Kone oder Hitachi gehen, der bereits eigene Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt, rechnet die IG Metall mit einem massiven Stellenabbau.

    Die Gewerkschaft favorisiert deshalb einen Börsengang, bei dem Thyssen-Krupp mit einer Mehrheit an den Aufzügen beteiligt bleibt. Investoren wie der schwedische Fonds Cevian drängen hingegen auf einen Komplettverkauf, um so einen möglichst hohen Betrag zu erlösen.
    Auch die Mitglieder des Konzernvorstands sind sich uneins, wie die beste Lösung für Thyssen-Krupp aussieht. So wolle Unternehmenskreisen zufolge etwa Finanzchef Dietsch die Aufzugsparte wie geplant im kommenden Jahr an die Börse bringen.

    Andere Vorstandsmitglieder hingegen sollen den Angaben zufolge einen Komplettverkauf bevorzugen – darunter Vorstandschefin Merz. Damit setzt sich der Konflikt, der im September zur Abberufung von Merz’ Vorgänger Guido Kerkhoff führte, im Konzernvorstand fort.
    Die IG Metall hat sich für jeden möglichen Ausgang gewappnet: Egal, wer die Tochter am Ende übernehmen will – bevor es zu einem Verkauf kommt, muss der potenzielle Erwerber mit der IG Metall und dem Betriebsrat über ein Zukunftskonzept für die Sparte verhandeln. Als rote Linie gelten für die Arbeitnehmer betriebsbedingte Kündigungen. Das gilt vor allem für die Standorte in Hamburg und Neuhausen.

    Mehr: Die IG Metall sieht erste Erfolge in den Verhandlungen mit Thyssen-Krupp über die Absicherung der Beschäftigten der Aufzugssparte.

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