Russischer Lobbyist EnBW zahlte 200 Millionen für Scheinverträge

Nach Angaben eines russischen Lobbyisten hat der Stromkonzern EnBW 200 Millionen für Scheinverträge gezahlt. Laut EnBW war das Geld für Brennstoffe vorgesehen. Aber ein interner Bericht lässt Zweifel aufkommen.
Update: 12.06.2012 - 08:15 Uhr 14 Kommentare
EnBW soll 200 Millionen Euro an einen russischen Lobbyisten gezahlt haben. Quelle: dpa

EnBW soll 200 Millionen Euro an einen russischen Lobbyisten gezahlt haben.

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Moskau/DüsseldorfDem Stromkonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) stehen schwere Zeiten bevor: Gleich drei Vorstandsvorsitzende des Unternehmens - Gerhard Goll, Utz Claassen und der amtierende Hans-Peter Villis - werden beschuldigt, dass in ihrer Amtszeit über ein System von Scheinverträgen Konzerngelder in Höhe von rund 200 Millionen Euro nach Russland geschleust worden seien.

Davon wurden 84 Kirchen, 30 Denkmäler, 60 Schachschulen, eine Oper und drei Orchester finanziert, darüber hinaus Kindergärten und Krankenhäuser. Das Geld habe der politischen Landschaftspflege gedient. Der Mann, der die Anschuldigungen im Handelsblatt-Interview erhebt, ist ein enger Geschäftspartner von EnBW.

Sein Name: Andrey Bykov. Sein Job: Lobbyist mit Zugang zu Wladimir Putin und Russlands Energiefirmen Gazprom und Rosneft. "Ein Viertel der Summe wurde zu Zeiten von Herrn Goll bezahlt, drei Viertel in der Zeit der Herren Claassen und Villis", so der 50-jährige Lobbyist.

Bykov sagt, er habe selbst das Geld von EnBW entgegengenommen und in Russland verteilt. Die Hälfte der 200 Millionen Euro sei an ihn als Honorar geflossen. Um die Lobbyarbeit gegenüber EnBW-Großaktionär Electricité de France abzuschirmen, habe der Verwendungszweck nicht mit den schriftlich fixierten Verträgen über Nukleargeschäfte übereingestimmt. Erst aus Zusatzprotokollen sei der wahre Verwendungszweck hervorgegangen. "Mit dem Geld habe ich dann die Klimapflege für die Gasgeschäfte betrieben", so Bykov.

2004 bereits erste Zweifel
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14 Kommentare zu "Russischer Lobbyist: EnBW zahlte 200 Millionen für Scheinverträge"

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  • In diesem Zusammenhang will ich noch auf eine ausgezeichnete Dokumentation über den "Umgang" mit den erneuerbaren Energien und dem Verhalten der Stromriesen generell,hinweisen:"Leben mit der Energiewende-Sonnenfänger und ihre Widersacher"
    Zu sehen im ZDF Livestream im Netz.Lief auch schon im TV,aber wann er das nächste Mal gesendet wird weiß ich nicht.
    Wen nach diesem Bericht nicht der unbändige Drang überkommt zumindest seinen Stromanbieter zu wechseln,falls dieser zu den Big 4 gehört,dem ist alles zu verkaufen.






  • So funktioniert nunmal das Geschäft in Russland und anderswo (zB China). Ohne Lobbying, sprich Schmieren, winken keine Abschlüsse. Mich würde es nicht wundern, wen Kickbacks an Claassen & Co. geflossen sind. Allerdings muss man das den Herren erst beweisen. Und da sie wissen wie man es richtig anstellt, werden Staatsanwälte hier kaum punkten können.

  • Dass einem Menschen wie dem Utz nicht schlecht wird vom eigenen Spiegelbild - nun denn, war doch damals schon klar, als er sich die Taschen vollgestopft hat, was das für Einer ist.

    Jedoch in den Kreisen, in jenen er sich bewegt, wird das als Mittel zum Zweck, als Kavaliersdelikt oder als zum guten Ton gehörend betrachtet. Gibt bestimmt genügend Günstlinge, die diesen Herrschaften auch speicheltreifend die Schuhe lecken.

    Jeder EnBW-Kunde kann aber drüber nachdenken, ob er den Anbieter wechselt - siehe Ergo-Versicherte.

  • Ach und der aaglatte Angeber Utz Claasen ist auch dabei?
    Der hat sich doch immer so genre als der Saubermann in den Medien dargestellt
    Wo wird eigentlich in Deutschland noch anständig gearbeitet in den Chefetagen?
    Deutschland ist moralisch und ethisch verfault bis in die tiefsten Wurzeln und so etwas endet immer in einer totalen Katastrophe.
    Es wird Zeit, dass wir Bürger endlich die verfaulten Wurzeln ziehen

  • Denkmäler, Kirchen und Schachschulen?

    Das Geld floss direkt in die Taschen von Putin und Co.
    Utz Claassen ist für mich einer der schmierigsten korruptesten und unsympathischesten Manager überhaupt, mit exzellenten Kontakten nach Russland über das sehr "vernetzte" Hannover.

  • Mein Auto, mein Haus, meine Yacht; aber auch: MEIN GELD!
    Vielleicht sollte man den Gazprom-Bediensteten Gerhard Schröder über ähnliche Verschwendungen befragen. Die Befruiageung könnte gar in deutscher Sprache erfolgen!

  • Wo ist das Problem? Stört es jemanden, wenn bei uns in Deutschland ein Unternehmen einer Gemeindekindergarten Spenden zukommen lässt, damit Windräder gebaut werden können? Das sind ganz normale Kosten der Akquisition.

  • Geht das in Deutschland so einfach 200 Millionen in andere Kanäle zu leiten? Gibt es da nicht ein Geldwäschegesetz, dass von der BAFin "streng" beaufsichtigt wird?

    Wann wird einmal die Arbeitsweise der BAFin hinterfragt?

  • ..wie gxxl: irgendwie erinnern mich die Saubermann-Statements der beiden Ex-Vorstände an die Hochphase des Dopingalltags im Radsport: Keiner weiß was, weil es jeder macht - und keiner war es und im Zweifel war es ein verunreingtes Kalbsschnitzel oder die Zahnpasta ;-)

    Und genau deshalb wird auch die jüngst gestartete "Initiative zur Rohstoffsicherung" (weitestgehend) wirkungslos bleiben, sofern diese sich an die in Deutschland geltenden Complicance Regeln hält.

    Schon ziemlicher böser Witz der Zeitgeschichte, dass diese verflixten Rohstoffe meist nur in igendewelchen Ländern und Regionen lagern, in denen es nicht ganz so demokratisch zugeht und die Geschäftsgepflogenheiten nun einmal um 180 Grad zu den rechtlichen und moralischen Anforderungen hier bei uns stehen...

    Immerhin wurden die 200 Mios für kulturelle Zwecke verwendet (was noch zu prüfen wäre) und nicht für Waffen oder zur Finanzierung von extremen Parteien oder Schlägertrupps...ups, aber jetzt geht doch meine Phantasie mit mir durch!

    Da ist das Chinesische Geschäftsmodell doch wirklich besser: Du geben mir Schürfrechte für die nächsten 30 Jahre (dann ist das Vorkommen eh ausgebeutet), ich baue Dir Infrastruktur, Stadion und Schulen (natürlich mit Firmen aus meinem Land und mit meinen eigenen Leuten). Doppelte Win-Win-Situation (für China) und absolut Compliance konform - ok, Cash zur Erleichtung der Entscheidungsfindung bei der Vergabe der Schürfrechte gibt's natürlich noch on top...

  • Fragwürdige Geschäfte auch sonst: Wir speisen PV-Strom in unser EIGENES Netz ein. Das wird auch ordnungsgemäß bezahlt.
    Dann aber wird von diesem Strom Durchleitungsgebühren + Abrechnungsleistungen berechnet, obwohl die EnBW diese gar nicht leistet. - Die Photovoltaik wird schlecht gerechnet und gleichzeitig mit NICHT-Leistung Geld gemacht.

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