RWE-Aktionäre rebellieren Großmann wird zum Buhmann

RWE-Chef Jürgen Großmann hat sich offensiv wie kaum ein anderer in der Branche gegen die Atomwende der Bundesregierung gestellt. Nun machen seine eigenen Aktionäre gegen ihn Front und verlangen eine neue Strategie.
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Jürgen Großmann, Chef des Energieversorgers RWE. Quelle: Reuters

Jürgen Großmann, Chef des Energieversorgers RWE.

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Jürgen Großmann kann es nicht lassen. Unbeirrt von der herrschenden Anti-Atomkraft-Stimmung wirbt der RWE-Chef für längere Restlaufzeiten der deutschen Kernkraftwerke. „Es wäre doch eine abstruse Vorstellung, wenn wir hier Kernkraftwerke abschalten, die EU-Standards erfüllen“, sagte der Unternehmer der Deutschen Presse-Agentur. Großmann betonte, Kernkraft mache heute weniger als zehn Prozent des Portfolios von RWE aus. Er sei kein „Kreuzritter der Kernenergie.“ Aber: „Wir brauchen auch das Geld aus der Kernenergie für den Umbau der Energiewirtschaft“.

Mit diesen klaren Bekenntnissen schafft er sich Feinde. Auf der Hauptversammlung des Versorgers am Mittwoch kommender Woche in Essen dürfte es deswegen zum Schlagabtausch kommen. Auf dem Aktionärstreffen fordern Anleger in Gegenanträgen RWE auf, die Klage gegen die vorübergehende Stilllegung des Meilers Biblis zurückzunehmen. „Zum jetzigen Zeitpunkt Klage zu erheben, ist kurzfristig ökonomisch vermutlich sinnvoll. Auf langfristige Sicht schadet ein derartiges Handeln gegen die öffentliche Meinung aber massiv dem Image des Konzerns“, kritisiert Aktionär Simon Breuker in seinem Gegenantrag. RWE verpasse nicht nur die Energiewende und gefährde die Sicherheit und das Klima, sondern setze mit seiner Strategie auch den langfristigen Wert des Unternehmens aufs Spiel, heißt es in einem Gegenantrag des Dachverbands der Kritischen Aktionäre.

Seit Studienzeiten wird Großmann von seinen Freunden „Dino“ gerufen, die Kurzform von Dinosaurier. Doch nie passte der Kosename für den gleichermaßen durchsetzungsstarken wie sturen Manager besser als heute. Der Vorstandschef von RWE blieb auch nach der Atomkatastrophe in Japan auf Pro-Atomkurs.

Vehement verteidigt der 59-jährige Manager die friedliche Nutzung der Kernenergie – und stößt damit im Kreise seiner Aktionäre jetzt auf Widerstand. Denn RWE gehört zwar zu rund 70 Prozent freien Aktionären. Die kommunalen Aktionäre mit ihren Regionalverbänden aber halten rund 25 Prozent der Anteile – und besitzen damit eine Sperrminorität. Unverhohlen haben vor allem die SPD-dominierten Städte in NRW Großmann den Kampf angesagt.

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14 Kommentare zu "RWE-Aktionäre rebellieren: Großmann wird zum Buhmann"

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  • Enorme Kosten auf den Steuerzahler abzuwälzen war vor 30 Jahren genau so falsch wie es heute ist. Und darum ist es nnun an der Zeit, zumindest einen Teil dieser Beträge von den Atomkonzernen bezahlen zu lassen.

  • Und es ist das gute Recht des Steuerzahlers, es nicht zu akzeptieren, wenn eine Industrie, die immer wieder mit bemerkenswerter Dreistigkeit enorme Kosten auf den Steuerzahler abgewälzt hat und damit jährliche Milliardengewinne macht, die Frechheit besitzt, den Steuerzahler auch noch auf Schadenersatz zu verklagen.

    Glücklicherweise sitzt die Politik am längeren Hebel. Eine Anpassung der Brennelementesteuer (etwa eine Verdreifachung), ist jederzeit möglich und angesichts der Kosten der steuerfinanzierten Sanierung von Asse und Morsleben auch dringend erforderlich.

    Wer angesichts der Kräfteverhältnisse von Politik und Atomkonzernen in dieser Situation auf Konfrontationskurs geht, ist also nicht nur frech, sondern auch dumm.

  • Und es ist das gute Recht des Steuerzahlers, es nicht zu akzeptieren, wenn eine Industrie, die immer wieder mit bemerkenswerter Dreistigkeit enorme Kosten auf den Steuerzahler abgewälzt hat und damit jährliche Milliardengewinne macht, die Frechheit besitzt, den Steuerzahler auch noch auf Schadenersatz zu verklagen.

    Glücklicherweise sitzt die Politik am längeren Hebel. Eine Anpassung der Brennelementesteuer (etwa eine Verdreifachung), ist jederzeit möglich und angesichts der Kosten der steuerfinanzierten Sanierung von Asse und Morsleben auch dringend erforderlich.

    Wer angesichts der Kräfteverhältnisse von Politik und Atomkonzernen in dieser Situation auf Konfrontationskurs geht, ist also nicht nur frech, sondern auch dumm.

  • Ist bei Ihnen der Strom immer nur aus der Steckdose geflossen, oder wird die Erzeugung nur verteufelt. Was ist mit der CO² Belastung? Ohne Atomkraftwerke wäre die Belastung in den letzten Jahrzehnten noch viel höher gewesen. Technologie ist eine Frage der Entwicklung und verläuft in Phasen. Heute ist es immer leicht zu sagen was vor 30 Jahren falsch gemacht wurde.

  • Es ist doch wohl das gute Recht der Betreiber, das Sie die geforderte Stilllegung auch verbrieft bekommen. Immerhin gibt es verstehende Verträge welche einseitig gekündigt werden. Um den deren Folgen (Vertagsstrafen) auch unsetzten zu können ist so ein Verhalten erforderlich. Wenn die Politik aus eigenen Antrieb oder auf Druck der Bevölkerung Entscheidungen fällt, müßen auch die rechtlichen Folgen abgesichert sein. So unschön das auch für einige leute sein mag.
    Immerhin gibt es auch Aktionäre die betroffen werden.

  • Es ist doch wohl das Recht des Betreibers die geforderte Stilllegung auch in verbriefter Form zu erhalten um späteren Vetragsstrafen wegen vorzeitiger Vertragkündigung durchsetzen zu können. Oder denkt jemand das dder Ausstieg ohne Kosten verbunden ist? Diese Ksoten sind von dem Entscheider zu tragen und wenn das unsere Politik ist hat Sie die Rechnung zu zahlen. Ob Sie das auf die Bevölkerung umlegt ist eine ganz andere Sache.

  • @test4rbz Bitte lesen doch einfach, statt die Klappe aufzureissen. Die Atomindustrie zahlt weder für die Sanierung von Asse noch für die Sanierung von Morsleben. Ob die Rückstellungen von 28 Milliarden Euro für den Rückbau der Kraftwerke und die Endlagerung in einem noch zu bauenden Endlager ausreichen werden, darf bezweifelt werden, solange sich die Atomindustrie weigert, auch nur zu verraten, welcher Teil der Beträge für welches Kraftwerk verwendet werden soll und welcher Betrag für die Endlagerung (deren Kosten heute niemand kennt). Und wenn die Rückstellungen am Ende nicht reichen (wovon man wohl ausgehen muss), raten Sie mal, was passiert?

    Wenn Ihre Fantasie zur Beantwortung dieser Frage nicht ausreicht, dann schauen Sie sich doch einfach mal an, wie die Kosten für die Entsorgung von Hamm-Uentrop auf wundersame Weise immer weiter auf den Steuerzahler verschoben wurden.

    Und wenn ein Atomkraftwerk in die Luft fliegt, weite Landstriche in Deutschland kontaminiert werden und der Betreiber in der Folge insolvent wird, sind die Rückstellungen natürlich dahin. Die Haftpflichtversicherung des Betreiber von lächerlichen 0,25 Milliarden Euro wird für die Begleichung der Schäden auch nicht viel helfen. Ist das nicht nett? Erst lassen wir uns verstrahlen, dann zahlen wir für die Katastrophe, und am Ende zahlen wir dann auch noch die Kosten der Endlagerung.

    Nur gut, dass die Konzerne, die die Atomkraftwerke betreiben, im letzten Jahr zehn Milliarden Euro Gewinn gemacht haben. Sonst gäbe es bei diesem "Spiel" ja gar keinen Gewinner.

  • Der Mann ist kein Unternehmer sondern ein Manager. Der unternimmt nichts, hat keine Visionen oder gar langfristige Zukunftspläne. Der verwaltet nur und hat als einziges Interesse auf Basis kurzfristiger Entscheidungen viel Geld für sein Unternehmen und für die Aktionäre rauszuholen. Unternehmer sind Leute wie ein Herr Fischer (der mit den Dübeln), ein Herr Grupp (Trigema). Menschen die etwas riskieren, dabei auch gegen den Strom schwimmen oder allgemein was neues erschaffen und zu diesem Zwecke in der Entwicklung finanzielle Wagnisse eingehen.

    Bei Bankern, Versicherungsbossen und Energieversorgern fällt es mir daher sehr schwer diese als Unternehmer anzusehen.

  • Bitte behaupten Sie nicht einfach irgendetwas, wenn es ein leichtes ist Sie der Lüge zu überführen.
    Die Kosten für die Abfälle trägt die Wirtschaft selbst.
    http://www.bmu.de/atomenergie_ver_und_entsorgung/endlagerung_/allgemeines/doc/2738.php

  • "Wir brauchen auch das Geld aus der Kernenergie für den Umbau der Energiewirtschaft."

    Bevor man so tut, als könne die Atomindustrie zum Umbau der Energiewirtschaft beitragen, sollte man die Beseitigung des eigenen Mülls bezahlen.

    Bisher zahlt die Atomindustrie noch nicht einmal für ihren eigenen Dreck. Wir brauchen daher eine Verdreifachung der Brennelementesteuer, damit die Kosten der Atomsauereien in Asse und Morsleben nicht am Steuerzahler hängen bleiben.

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