Saatgutgeschäft Wertberichtigung in Agrarsparte bringt Dow Dupont in Bedrängnis – und Bayer

Schwächere Geschäfte in Nord- und Südamerika belasten die weltweite Nummer zwei der Saatgut-Branche. Investoren schicken die Aktien von Dow Dupont in den Keller.
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Die Aktien von Dow Dupont rutschen ins Minus, nachdem der Konzern eine Wertberichtigung veröffentlichte. Quelle: AP
Investoren ziehen sich zurück

Die Aktien von Dow Dupont rutschen ins Minus, nachdem der Konzern eine Wertberichtigung veröffentlichte.

(Foto: AP)

FrankfurtDie Zeichen in der Agrochemie standen bislang nach Einschätzung der meisten Experten eigentlich auf Erholung. Nach vierjähriger Flaute, so die Erwartung, würde das wichtige und hochprofitable Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut nach und nach wieder an Fahrt gewinnen und auf den alten Wachstumskurs zurückkehren. Doch dieser Zuversicht hat jetzt ausgerechnet der US-Chemieriese Dow Dupont einen Dämpfer versetzt.

In einem am Donnerstagabend bei der US-Börsenaufsicht SEC vorgelegten Filing für die Abspaltung seiner Agrochemie-Sparte Corteva offenbarte die weltweite Nummer zwei im Agrochemiegeschäft überraschend 4,6 Milliarden Dollar Wertberichtigungen auf Goodwill und andere Assets in dem Geschäft.

Dow Dupont begründet das mit einer reduzierten Langfristprognose für die Entwicklung von Umsatz und Profitabilität im früheren Dupont-Agrogeschäft. Entsprechend verringert der Konzern seine „Cashflow-Projektion“.

Das Unternehmen verweist dabei vor allem auf ein schwächeres Umsatzwachstum in Nord- und Südamerika, eine Verlagerung von Mais in Richtung Soja in Südamerika sowie auf die Abwertung des brasilianischen Reals. Zudem sorgten niedrige Getreidepreise für Druck auf die Einkommen der Landwirte, deren Nachfrage sich daher wohl verstärkt auf preisgünstigere Agrochemieprodukte konzentriere.

Zwar versicherte Dow Dupont in einer Pressemeldung hinterher, dass die bisherige Guidance für 2018 von diesen Wertkorrekturen nicht berührt sei. Dennoch reagierten Investoren verunsichert. Die Dow-Dupont-Aktie, die im Jahresverlauf bereits fast ein Fünftel an Wert eingebüßt hat, gab am Donnerstagabend nachbörslich um gut fünf Prozent nach.

Das wirkte sich auch auf die Bewertung des Bayer-Konzerns aus, wenn auch in deutlich abgeschwächter Form. Die Aktie des Leverkusener Konzerns lag am Freitag mit knapp einem Prozent im Minus. Er ist durch die Übernahme von Monsanto vor wenigen Monaten zum weltweit führenden Pflanzenschutz- und Saatgutproduzenten aufgestiegen.

Die Bayer-Aktie befand sich in den vergangenen Tagen auf einem deutlichen Erholungskurs, nachdem sie in den Wochen zuvor aufgrund der Schadensersatzklagen im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat rund ein Viertel an Wert verloren hatte. Dieser Erholungskurs wurde jetzt unterbrochen.

Dabei ist vorerst unklar, inwieweit die Neubewertung des Geschäfts bei Corteva als Indikator für die Branche geeignet ist. Markus Mayer, Chemieexperte bei der Baaderbank, hält die Probleme bei Dupont nur für bedingt übertragbar auf das Bayer-Geschäft. Er geht davon aus, dass Dupont seine Agrosparte in der Vergangenheit zu optimistisch beurteilt hat und nun vor der Ausgliederung reinen Tisch machen will. Dass in Südamerika eine Verlagerung von Mais auf Soja stattfindet, sei letztlich schon seit Längerem zu beobachten.

Hintergrund ist unter anderem die Hoffnung der südamerikanischen Landwirtschaft, dass sie im Falle eines verschärften Handelsstreits zwischen den USA und China mit höheren Sojalieferungen nach Fernost punkten kann.

Dow Dupont ist aus dem Zusammenschluss der beiden großen US-Chemiekonzerne Dow Chemical und Dupont entstanden. Der neue Chemieriese will sich 2019 wieder in drei Einzelunternehmen aufspalten. Dazu soll im kommenden Frühjahr zunächst das Kunststoff-Geschäft unter dem Namen Dow verselbständigt werden, und anschließend das kombinierte Agrogeschäft unter dem Namen Corteva. Die verbleibenden Spezialchemie-Aktivitäten sollen dann unter dem Namen Dupont weitergeführt werden.

Dafür, dass Dow Dupont im Agrobereich aktuell mit gewissen Sonderproblemen kämpft, sprechen auch die vergangenen Halbjahreszahlen aus der Branche. Während der US-Konzern für die beiden ersten Quartale 2018 einen währungsbereinigten Umsatzrückgang um ein Prozent meldete, verbuchten die Konkurrenten Bayer, Syngenta und BASF jeweils rund drei Prozent Umsatzplus.

Bayer hatte bereits 2017 mit einer Gewinnwarnung auf die Probleme in Brasilien reagiert und anschließend damit begonnen die Lagerbestände in der Handelskette zu reduzieren. Das half dem Konzern, in wieder deutlich besserer Verfassung in das neue Jahr zu starten. Da man ab Juni zudem Monsanto mit einbeziehen konnte, stieg der Bayer-Agro-Umsatz im ersten Halbjahr um elf Prozent auf 5,9 Milliarden Euro.

Bereinigt und auf Proforma-Basis errechnet sich nach Angaben des Leverkusener Konzerns ein Plus von 3,2 Prozent. Für den Gesamtmarkt unterstellt er in seiner Prognose für das laufende Jahr ein Wachstum von zwei bis drei Prozent gegenüber nur einem Prozent im Vorjahr.

Auch die Erläuterungen anderer Akteure in der Branche deuten zuletzt überwiegend auf einen zaghaften Erholungstrend im Agrogeschäft, trotz Gegenwind in einigen Regionen. Es werde zwar keine Revolution im Markt stattfinden, sagte etwa BASF-Chef Martin Brudermüller bei Vorlage der Halbjahreszahlen. „Aber wir erwarten schon eine gewisse Trendwende.“

Ähnlich äußerte sich Matthias Zachert, der Chef des Kölner Lanxess-Konzerns, der zwar selbst keine Pflanzenschutzmittel produziert, mit seiner Sparte Saltigo aber ein wichtiger Zulieferer für die Agrochemie-Produzenten ist. Die Agroindustrie, so Zachert in einem Analysten-Call, werde sich 2019 wohl moderat besser entwickeln als 2018.

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