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Samstagsreport Ist Glyphosat doch krebserregend? Das Bundesinstitut für Risikobewertung im Fokus

Lange hat die Behörde mit ihrem Präsidenten Andreas Hensel die wissenschaftliche Meinung zu Glyphosat geprägt. Richter in den USA sind nun anderer Meinung.
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Der BfR-Präsident sieht sich zu Unrecht im „Dauerfeuer“. Quelle: Marko Priske für Handelsblatt
Andreas Hensel

Der BfR-Präsident sieht sich zu Unrecht im „Dauerfeuer“.

(Foto: Marko Priske für Handelsblatt)

Berlin Bei der Küchenhygiene kennt Andreas Hensel keinen Spaß. Regelmäßig kippt er heißes Wasser in die Spüle, wegen der Keime. Im Kühlschrank lagern die gekochten Speisen oben, die rohen und womöglich „kontaminierten“ unten. Häufig wechselt der studierte Veterinärmediziner, Mikrobiologe und Hygieniker Schneidebretter und Messer.

Nie würde Hensel ein Hähnchenbein auf den Grill legen und mit denselben Fingern nach Würstchen greifen. Eine „Kreuzkontamination“ könne „Campylobacter-Bakterien übertragen“, mit unappetitlichen Folgen. „Eine Million Deutsche haben pro Jahr eine Lebensmittelvergiftung“, weiß der 58-Jährige.

Andreas Hensel kennt viele solche Statistiken, und er zitiert sie gern. Als Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) muss er schließlich wissen, was gefährlich ist für die Gesundheit der Bundesbürger. Allerdings, das ist für Hensel zentral, kommt es immer auch auf die Menge an. „Man kann ja nicht jede Bratwurst verbieten, nur weil übermäßiger Fleischkonsum schädlich ist.“

So ähnlich sieht Hensel auch die Sache mit Glyphosat. Für ihn ist das Unkrautvernichtungsmittel nicht krebserregend. Er lässt sich in einen roten Plüschsessel in einem Besprechungsraum am Standort Berlin-Marienfelde, einem alten Gutshof, fallen. Eigentlich nervt Hensel das Thema, schließlich bereiten ihm „manche unwissende Journalisten, einige voreingenommene Wissenschaftler, Ökos und Politiker, die es besser wissen, seit Jahren ein Dauerfeuer“.

Kaum ein Mittel ist so berüchtigt wie das Unkrautvernichtungsmittel, das seit der 63-Milliarden-Dollar-Übernahme von Monsanto vom Bayer-Konzern hergestellt wird. Österreich hat ein Verbot beschlossen, in Deutschland will die Bundesregierung bis September über einen Verzicht entscheiden.

Im Koalitionsvertrag ist der Ausstieg schon festgelegt. Dass Glyphosat in der EU überhaupt bis 2022 zugelassen ist, basiert in weiten Teilen auf der Bewertung des BfR. Kritiker wie der Berliner Toxikologe Peter Clausing werfen der Behörde aber grobes Fehlverhalten vor. „Es grenzt an wissenschaftlichen Betrug“, so Clausing.

Im Streit über Glyphosat geht es um einen globalen Milliardenmarkt, vor allem aber geht es um die Gesundheit von Menschen. Bayer drohen hohe Umsatzeinbußen. Ein Verbot in Europa könnte auch die lukrativen Märkte in Nord- und Südamerika bedrohen.

Die Klagen von Privatleuten, die ihre Krebserkrankung auf Glyphosat zurückführen, plagen den Dax-Konzern schon jetzt: Allein in den vergangenen drei Monaten gingen in den USA rund 5000 weitere Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken des glyphosathaltigen Monsanto-Herbizids Roundup ein, inzwischen soll Bayer den nun mehr als 18.000 Klägern bis zu acht Milliarden Dollar für einen Vergleich angeboten haben.

Und das, obwohl Bayer weiterhin auf wissenschaftliche Studien pocht, die Glyphosat bei richtiger Anwendung Sicherheit bescheinigen.

„Das Thema Glyphosat ist seit Jahren wissenschaftlich tot“

Das ist auch die Sicht des BfR und die feste Überzeugung seines Präsidenten Hensel. Der hat den Plüschsessel verlassen und führt nun, fünf Autominuten entfernt, durch ein Sonnenblumenfeld: Das „interaktive Pflanzenlabyrinth“ des BfR. Die Sorten sind farblich so angelegt, dass man aus der Luft einen riesigen Hühnerkopf in der Landschaft sieht. Hensel will Schülern damit Themen wie Hühnerhaltung und Eierproduktion spielerisch nahebringen.

Der Präsident hat die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, er redet und redet. Was in den USA oder Österreich passiere, habe mit Wissenschaft nichts zu tun, das sei Politik. „Denn eigentlich ist das Thema Glyphosat seit Jahren wissenschaftlich tot.“ Es gebe „keinen wissenschaftlichen Dissens darüber“, dass Glyphosat unbedenklich sei. Nur „ein paar Minoritätenmeinungen“, meist von NGO-finanzierten Kollegen, fügt Hensel hinzu.

Das BfR hat für seine Bewertung mehr als 1000 Studien ausgewertet. „Seriöse Wissenschaftler und die meisten Behörden weltweit folgen unserer Einschätzung, dass Glyphosat bei richtiger Anwendung unbedenklich ist, also keinen Krebs erregt“, sagt Hensel.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) etwa, die US-Umweltbehörde (EPA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA), dazu Behörden in Australien oder Neuseeland. „Man kann nicht nur auf die intrinsische Gefahr einer Substanz schauen, die Dosis ist wesentlich“, meint Hensel. Die „akute Toxizität“ von Glyphosat sei vergleichbar mit der von Kochsalz.

Für Wissenschaftler wie Clausing sind solche Aussagen Halbwahrheiten. Schließlich gehe es bei der Glyphosat-Bewertung nicht um Vergiftung durch hohe Dosierung, sondern um die Frage, ob der Wirkstoff Krebs verursacht. Der Vergleich mit Kochsalz sei schief, schließlich könnten Verbraucher selbst entscheiden, wie viel Salz sie verwenden. Glyphosat hingegen sei heute so flächendeckend im Einsatz, dass es auch in Brot, Bier und Muttermilch nachgewiesen wurde.

In einem offenen Brief hatten schon Ende 2015 rund 100 internationale Wissenschaftler die EU-Kommission eindringlich davor gewarnt, „den fehlerhaften Ergebnissen“ der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu folgen, die auf der Evaluierung des BfR beruhen. Man habe „ernsthafte Bedenken bezüglich der wissenschaftlichen Bewertung des BfR“.

Dem Protest ist die Bewertung der WHO-Agentur für Krebsforschung (IARC) im selben Jahr vorangegangen, die Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ einschätzt. Seither ist in der Debatte um Glyphosat ordentlich Feuer.

Kritiker werfen Bayer vor, die Gefahren von Glyphosat zu verharmlosen. Quelle: ddp/Alex Milan Tracy/Sipa USA
Demonstrant in Gasmaske

Kritiker werfen Bayer vor, die Gefahren von Glyphosat zu verharmlosen.

(Foto: ddp/Alex Milan Tracy/Sipa USA)

Auch weil das BfR anders als die IARC, die aus Transparenzgründen nur öffentlich zugängliche Studien analysiert hat, geheime Industriepapiere von Herstellern wie Monsanto in seine Bewertung miteinbezogen hat. Für das BfR sei es „üblich“, dass man „nach kritischer Prüfung auch Passagen aus eingereichten Dokumenten in Bewertungsberichte integriere“. Vor allem aber interpretiert das BfR Studien ganz unterschiedlich.

Toxikologe Clausing sitzt in einem Café in Berlin-Mitte und zerlegt vor Erregung seinen Kugelschreiber. Clausing hat mehrere wissenschaftlich begutachtete Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht, die sich mit „Widersprüchen, Missachtung von EU-Richtlinien und groben Fehlern des BfR“ auseinandersetzen. Doch Zustimmung hat der Mann, der vor der Rente für einen Pharmakonzern arbeitete, weder beim BfR noch bei einer Anhörung der europäischen Chemikalienagentur ECHA gefunden.

„Nicht nur IARC, auch das BfR erkennt eine signifikante Zunahme von Tumoren in insgesamt sieben Krebsstudien an“, so der Mann mit dem getrimmten Vollbart. Laut der EG-Verordnung (1272/2008) wäre ein Krebsrisiko erreicht, wenn in lediglich zwei oder mehr Versuchen signifikante Krebseffekte nachgewiesen würden.

Clausing, der als Experte für den gemeinnützigen und pestizidkritischen Verein „Pestizid-Aktions-Netzwerk“, tätig ist, habe außer niedrigen Honoraren für ein Gutachten und als Beobachter bei der ECHA nie Geld im Glyphosat-Kontext erhalten. Seine Rente reiche völlig. Ohnehin, so Clausing, sollten inhaltliche Argumente zählen.

Wann ist eine Substanz krebserregend?

Auf Clausings Kritik entgegnet das BfR, allein statistische Berechnungen reichten nicht aus, um zu klären, ob eine Substanz krebserregend sei. „Das stimmt“, sagt Clausing. Doch lasse das BfR dabei außer Acht, dass die IARC neben den statistisch signifikanten Befunden in Tierstudien zusätzlich noch „begrenzte“ Ursachenbefunde für Lymphdrüsenkrebs beim Menschen gefunden habe – sowie zwei klare „Wirkmechanismen“, also Wege, wie Glyphosat im menschlichen Körper Krebs auslöst.

„Begrenzt“ ist die zweithöchste von vier Evidenzstufen und heißt, dass es einen glaubwürdigen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs beim Menschen gibt. Nach eigener Aussage habe die IARC konservativ bewertet. Doch das BfR kann „im Ergebnis einer umfassenden Gesamtschau keine robusten Befunde“ für ein Krebsrisiko erkennen.

Auch der Epidemologe Eberhard Greiser von der Uni Bremen schließt sich den BfR-Kritikern an. Er war wie Hensel 2015 als Sachverständiger im Bundestag geladen – und kommt seither aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Hensel behauptet, Greiser zur Diskussion ins BfR eingeladen zu haben. Greiser lacht und sagt, „das stimmt nicht, ich wäre gern gekommen“. Das BfR vergrabe sich seit Jahren und verweigere sich der wissenschaftlichen Debatte mit dem Verweis, man finde Entgegnungen auf deren Homepage. „Scheinöffentlichkeit“, meint Greiser.

„Es ist davon auszugehen, dass Glyphosat extrem bösartigen Lymphdrüsenkrebs verursacht.“ Quelle: privat
Eberhard Greiser, Epidemologe

„Es ist davon auszugehen, dass Glyphosat extrem bösartigen Lymphdrüsenkrebs verursacht.“

(Foto: privat)

Was das BfR zu Glyphosat von sich gegeben habe, sei „wissenschaftlich unhaltbar“, so Greiser. Es es sei davon auszugehen, dass Glyphosat den extrem bösartigen Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom) verursache. „Trotz aggressiver Chemotherapie versterben innerhalb von fünf Jahren 35 bis 40 Prozent aller Patienten.“ Am meisten schockiert Greiser, „dass das BfR gefälschte epidemiologische Studien der Glyphosat-Industrie kommentarlos in seiner Studie übernommen hat“.

Etwa eine Studie aus dem Jahr 2002, die Autoren: Hardell, Eriksson und Nordström. Sie fanden nach „Glyphosatexposition“ ein um 204 Prozent erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. In der ersten BfR-Analyse aus dem Jahr 2013 findet sich zur Studie der Vermerk „nicht verlässlich“.

Sie wurde mit der Begründung verworfen, weder die „Exposition“ oder ihre „Konzentration“ noch die medizinische Vorgeschichte – etwa ob die Erkrankten Raucher waren – seien erhoben worden, was aber passiert sei. „Es ist glatt gelogen“, so Greiser.

Das BfR habe „die Fälschungen nicht selbst fabriziert“, sondern Papiere „der Glyphosat-Lobby übernommen, ohne diese zu korrigieren oder die Herkunft zu benennen“. In vergleichbarer Weise seien die Befunde oder Methoden nahezu aller epidemiologischer Studien gefälscht und dann gestrichen worden, sagt Greiser. „Ein wissenschaftspolitischer Skandal.“

Das BfR kontert, die Vorwürfe seien unwahr und wissenschaftlich nicht haltbar. „Das BfR hat alle zum jeweiligen Zeitpunkt vorliegenden epidemiologischen Studien zu Glyphosat in ihrer publizierten Version umfassend geprüft und in seine Bewertungen (...) übernommen.“ An der besagten Studie bemängelt das BfR allerdings die Methodik und eine „geringe Aussagekraft“.

Ivan Rusyn ist Professor für Integrative Biowissenschaften an der Texas A&M University, Doktor der Medizin und Toxikologie. Er spielte eine führende Rolle bei der Erstellung der IARC-Studie, auf deren Erkenntnisse sich die Roundup-Kläger in den USA stützen. Von Kritikern wie dem BfR wird bemängelt, die IARC-Befunde seien beliebig.

Schließlich fokussiere sich die IARC nur auf potenzielle Krebsgefahren, nicht auf die Bewertung des tatsächlichen Risikos auf Basis der Dosis. Neben Glyphosat schätzt die IARC auch den Friseurberuf oder rotes Fleisch als krebserregend ein. Es sei dennoch „absolut falsch zu glauben, die IARC würde schnell so ein Label vergeben“, sagt Rusyn. Es gebe für alle drei Beispiele starke Belege.

Rusyn sagt, er habe selten erlebt, wie valide wissenschaftliche Befunde einfach so weggewischt wurden. „Das BfR hat sich sehr angestrengt, Wege zu finden, um positive Befunde zu diskreditieren und negative stärker zu gewichten.“

Da der Einsatz von Glyphosat exponentiell gestiegen sei, nachdem die meisten Behörden keine Bedenken sahen, fehlten Untersuchungen, wie stark Menschen Glyphosat heute ausgesetzt seien. „Ohne zu wissen, wie viel Glyphosat etwa Landwirte abbekommen, wird geschlussfolgert, dass es ungefährlich sei.

Das BfR argumentiert, dass „auf Basis umfassender Untersuchungen“, etwa an Anwendern, eingeschätzt werde, wie stark Menschen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt seien. Zusätzlich sei durch Urin-Messungen ermittelt worden, wie viel Glyphosat Landwirte aufwiesen, um „noch sicherer schlussfolgern zu können, dass das Herbizid bei sachgerechter Anwendung ungefährlich ist“.

Das BfR darf keine Fehler machen

Hensel sitzt in einer schwarzen BMW-Limousine und zerkaut ein Bonbon. Der Fahrer steuert den Wagen zum zweiten BfR-Standort in Berlin-Charlottenburg. Die Luft im Auto wird dicker, weil Hensel die Fragen zur BfR-Bewertung stören. Lieber, so scheint es, will er Prestigeprojekte zeigen.

Die neue Sequenziermaschine etwa, ein mannshohes Gerät, das die „gesamte Infektionslehre“ revolutioniert, wie Hensel sagt. Ein Mitarbeiter erfasst damit Krankheitserreger in Lebensmitteln. Oder das Team, das Mikroplastik in menschlichen Zellen untersucht, die Laborküche, in der Speisen nachgekocht werden, um noch besser zu verstehen, ab wann Lebensmittel die Gesundheit gefährden.

Hensel meint in Bezug auf Glyphosat-Kritiker, die Sozialwissenschaften zeigten, dass man gern bei der eigenen Meinung bleibe, selbst wenn das Gegenteil bewiesen sei. „Man muss nur fest an die eigene Sicht glauben, dann wird sie Realität.“ Er verweist darauf, dass BfR-Bewertungen „gemäß ISO 9001 qualitätsgesichert“ seien. Sie verliefen nach einem Mehraugenprinzip, bei dem jeder EU-Staat die Aussagen von seinen Toxikologen untersuchen lassen konnte. Da wären Fehler garantiert aufgefallen.

Macht die Dosis das Gift? Quelle: Reuters
Bayer-Produkt „Roundup“

Macht die Dosis das Gift?

(Foto: Reuters)

Clausing legt den zerstörten Kugelschreiber zur Seite. Quantität ist für ihn noch lang kein wissenschaftlicher Beweis. „Es war auch mal Mehrheitsmeinung, dass die Erde flach ist.“ Andere unterstreichen, dass Monsanto nachweislich Wissenschaftler gekauft und Studienergebnisse manipuliert hat. Laut dem „Guardian“ verhinderte Jess Rowland, ein EPA-Direktor, 2015 eine Glyphosat-Untersuchung in den USA und sagte zu einem Monsanto-Mitarbeiter: „Wenn ich das verhindern kann, steht mir eine Medaille zu.“

Die EFSA soll er beeinflusst haben, eine Mäusestudie als unbrauchbar zu verwerfen. Clausing schrieb Jose Tarazona, dem Leiter der EFSA-Pestizideinheit, er fürchte, Rowlands voreingenommene Meinung werde von Tarazonas Behörde übernommen. Tarazona antwortete darauf nicht.

Regulierungsbehörden sind bürokratisch, einer verlässt sich auf den anderen, „wer will schon der einsame Held sein?“, erklärt Rusyn die ähnliche Haltung der Behörden zu Glyphosat. Zum Gruppenzwang geselle sich fehlende Kompetenz für ein komplexes Thema, Druck von Firmen wie Monsanto, sagen andere. Hinzu komme die chronische Unterfinanzierung von Universitäten, die von Drittmitteln und damit von Industriegeldern abhingen, sagen weitere Wissenschaftler. Man verstumme lieber.

„Zudem“, meint Greiser: „Setzen Sie sich mal gegen eine Bundesbehörde durch, die seit Gründung 2002 dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist“ – überwiegend von CSU-Ministern geführt, die der mächtigen Bauern-Lobby nicht ihr wirksamstes Herbizid hatten verbieten wollen.

Doch auch das ändert sich. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erwartet, dass es ab 2022 keine Mehrheit für die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung in der EU geben werde. Dem Ministerium geht es laut einer Sprecherin in erster Linie um Auswirkungen auf die Artenvielfalt.

BfR-Chef Hensel hat schon Morddrohungen erhalten. Er ärgert sich, wenn man „als letztes Mittel versucht, die Glaubwürdigkeit des BfR als demokratisch legitimierte wissenschaftliche Einrichtung zu untergraben“.

Bevor er in seine schwarze Limousine steigen und sich in den Feierabend chauffieren lassen wird, sagt er noch: „Unsere Leute, das sind selbst alles Väter und Mütter“, die sich ihrer Verantwortung bewusst seien. „Wir wissen: wenn wir einen Fehler machen, dann hat das für viele Menschen sehr ernste Folgen.“

Mitarbeit: Bert Fröndhoff

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