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Sanofi setzt auf Forschung Die mühsame Aufholjagd eines Pharmariesen

Nach zahlreichen Rückschlägen setzt der Pharmariese Sanofi auf eine runderneuerte Forschungsstrategie. Zahlreiche neue Medikamente, etwa gegen Krebs, sollen das Geschäft ankurbeln. Die Börse ist noch nicht überzeugt.
14.12.2017 - 09:44 Uhr Kommentieren
In den nächsten 18 Monaten will das Unternehmen neun Zulassungsanträge einreichen. Quelle: Sanofi
Sanofi-Forscherin in Toronto

In den nächsten 18 Monaten will das Unternehmen neun Zulassungsanträge einreichen.

(Foto: Sanofi)

Frankfurt Krebs, Asthma, Übergewicht – auf diesen drei zentralen Therapiefeldern will der Pharmariese Sanofi in den kommenden Jahren mit neuen Medikamenten punkten und damit seine aktuelle Wachstumsschwächen überwinden. Firmenchef Olivier Brandicourt hat am Mittwoch auf einer Analystenkonferenz mindestens neun Zulassungsanträge für neue Medikamente in den kommenden 18 Monaten an. Für zehn weitere Produkte sollen im kommenden Jahr zulassungsrelevante klinische Studien anlaufen.

Der französische Konzern, derzeit die Nummer sechs der Branche, gehört neben Pfizer, Novartis, Merck & Co und den britischen Herstellern Glaxo Smithkline (GSK) und Astra Zeneca zu einer Reihe von Big-Pharma-Unternehmen, die sich seit Jahren bereits schwer tun, aus einer Flaute mit stagnierenden oder sogar rückläufigen Umsätzen herauszufinden. Bei Sanofi schwanken die Arzneimittelumsätze seit 2010 mehr oder weniger um die Marke von 30 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten 2017 verbuchte der Konzern bei verschreibungspflichtigen Medikamenten und Impfstoffen ein Plus von lediglich einem Prozent.

Mit einer umfassenden Präsentation seiner Forschungs-Pipeline bemühte sich das Topmanagement von Sanofi am Mittwoch Zuversicht für seine langfristigen Perspektiven zu verbreiten. Man habe erhebliche Fortschritte beim Umbau der Forschung gemacht, sagte Brandicourt.

Zugleich musste der Sanofi-Chef aber auch etliche Probleme einräumen, die in den letzten Monaten für Enttäuschung bei Investoren sorgten. Vor allem in drei Bereichen ist der Pharmariese zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben: Zum einen ist er im Diabetesgeschäft nach dem Patentablauf bei seinem Bestseller Lantus, einem modifizierten Insulin, stärker unter Druck geraten als ursprünglich erwartet. Zum anderen erzielt der neue Cholesterinsenker Praluent bisher wesentlich geringere Umsätze als erhofft, weil Versicherungen und Kostenträger mit der Erstattung für dieses Medikament zaudern.

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    Zudem musste der Konzern jüngst einen herben Rückschlag bei seinem Impfstoff gegen Dengue-Fieber verkraften. Hier stellte sich jüngst heraus, dass das Vakzin eigentlich nur Personen hilft, die schon einmal mit Dengue infiziert waren. Der potenzielle Nutzerkreis, und damit auch das Umsatzpotenzial, ist damit wesentlich kleiner als zunächst erwartet. Ferner wurde die Arbeit an einem Impfstoff gegen den Krankenhauskeim Clostridium Diffizile mangels Erfolgsaussichten eingestellt.

    Die Gewinnbringer der Pharmabranche
    Platz 10: Prevenar
    1 von 10

    Der Impfstoff schützt vor der Infektionskrankheit Pneumokokken, einer bakteriellen Lungenentzündung, die vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen lebensbedrohlich sein kann. Dem Pharma-Riesen Pfizer bringt der Impfstoff jährlich 5,7 Milliarden Dollar ein.

    (Foto: PR)
    Platz 9: Lantus
    2 von 10

    Den Insulin-Stift von Sanofi nutzen weltweit Millionen Diabetiker – und bescheren dem französischen Pharmakonzern jährlich Einnahmen von mehr als sechs Milliarden Dollar.

    (Foto: Imago)
    Platz 8: Herceptin
    3 von 10

    Unter dem Namen Herceptin vermarktete der Baseler Pharmakonzern Roche einen Antikörper, der zur Behandlung von einigen Brust- und Magenkrebsformen eingesetzt wird. Die Entwicklung der Arznei durch den Krebsforscher Dennis Slamon wurde 2008 unter dem Titel „Living Proof“ verfilmt. Bis heute hat auch Roche seine Freude an dem Medikament: Es generiert pro Jahr einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar. Damit trägt Herceptin allein mehr als zehn Prozent zum Jahresumsatz von Roche bei.

    (Foto: picture-alliance / medicalpictur)
    Platz 7: Avastin
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    Mit Avastin hat Roche ein weiteres profitables Krebsmedikament im Portfolio: Avastin ist beispielsweise für Darm-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Die Baseler verdienen pro Jahr 6,72 Milliarden Dollar mit dem Wirkstoff.

    (Foto: PR)
    Platz 6: Revlimid
    5 von 10

    Der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Celgene ist in Europa als „Orphan Drug“ zugelassen – also als Medikament für seltene Krankheiten. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen verschrieben wird, die Therapiekosten jedoch sehr hoch sind. Das Krebsmittel bringt Celgene im Jahr knapp 7 Milliarden Dollar.

    (Foto: PR)
    Platz 5: MabThera/Rituxan
    6 von 10

    Das wichtigste Krebsmittel von Roche generiert jährlich 7,23 Milliarden Dollar Umsatz. Der unter den Namen MabThera und Rituxan vermarktete Wirkstoff gilt als Vorreiter der sogenannten gezielten Krebstherapie, bei der die Antikörper mittels Gentechnik hergestellt werden.

    (Foto: PR)
    Platz 4: Remicade
    7 von 10

    Die Ampullen der US-Pharmariesen Johnson & Johnson sowie Merck & Co. helfen gegen zahlreiche Krankheiten: In Europa ist das Medikament als Therapie etwa für die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn oder die Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen. Der Allrounder bringt den beiden Konzernen jährliche Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar.

    (Foto: PR)

    Seine Prognose, dass man mit Neuentwicklungen der letzten Jahre mittelfristig 12 bis 14 Milliarden Euro Spitzenumsatz erzielen kann, hat Firmenchef Brandicourt indessen ungeachtet dieser Rückschläge bekräftigt. Allerdings komme es nun noch stärker auf den Erfolg der Neuentwicklungen im Bereich Immunologie an, räumt er ein. Hier konnte Sanofi den Wirkstoff Dupixent als Mittel gegen Dermatitis (Ekzeme, Neurodermitis) sehr erfolgreich auf den Markt bringen. Brandicourt geht davon aus, dass der Wirkstoff auch gegen Asthma und andere Atemwegserkrankungen eingesetzt werden kann.

    Zu den weiteren Hoffnungsträgern gehören zwei potenzielle neue Krebsmittel sowie ein neuer Diabetes-Wirkstoff, den Sanofi auch als neues Medikament gegen Übergewicht auf den Markt bringen will. Die entscheidende klinische Studie für dieses Produkt soll 2018 anlaufen, ebenso wie eine Reihe weiterer Studien im Onkologiebereich.

    Konkurrenten sind vorbeigezogen
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