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Schaeffler und die neue Speichertechnologie So könnten die Mega-Batterien der Zukunft aussehen

Lignin ist ein Abfallprodukt der Papierproduktion. Die Firma CMBlu nutzt es, um Strom zu speichern – und will damit E-Autos schneller aufladen.
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So könnte eine Megabatterie aussehen: Die blauen Kästen sind auf Europaletten gestapelte Energiewandler. Im Hintergrund sind die Energietanks zu sehen. Quelle: PR
Blick in die Zukunft?

So könnte eine Megabatterie aussehen: Die blauen Kästen sind auf Europaletten gestapelte Energiewandler. Im Hintergrund sind die Energietanks zu sehen.

(Foto: PR)

DüsseldorfZwei große Tanks, eine Lagerhalle und darin Tausende Europaletten: So stellt sich Peter Geigle die Energiespeicher der Zukunft vor. Der promovierte Mediziner ist Vorstandschef des Forschungsunternehmens CMBlu – und auf Fachkonferenzen meistens ein Exot. Denn Geigle widmet sich nicht mehr der Medizin, sondern Batterien und einem entscheidenden Problem der Energiewende.

Der große Nachteil erneuerbarer Energien ist, dass sie nicht jederzeit in gleichem Maße verfügbar sind. Experten suchen deshalb schon lange nach Technologien, die den überschüssigen Wind- und Solarstrom über längere Zeit speichern können. Ansätze gibt es mehrere, doch die sind nicht flexibel, leistungsstark oder günstig genug. Geigle glaubt, dass er nun eine optimale Lösung gefunden hat: Die Speichertechnologie „Organic Flow“, die auf unbegrenzt nachwachsenden Ressourcen basiert.

Den Autozulieferer Schaeffler hat der Manager schon überzeugt. Schaeffler will die Technologie künftig gemeinsam mit CMBlu weiterentwickeln und für die Industrie einsatzbereit machen. Das haben das Unternehmen aus Alzenau und der Autozulieferer am Freitag bekanntgegeben.

Geigle will vor allem von der Erfahrung des Autozulieferers profitieren. Mit Schaeffler habe man einen „Partner mit einem exzellenten Knowhow“ für die Industrialisierung der Systeme gewonnen. Peter Gutzmer, stellvertretender Vorstandschef und Vorstand Technologie bei Schaeffler, sieht in der Technologie eine sinnvolle Ergänzung für das Portfolio. Das Unternehmen verspreche sich von der Zusammenarbeit „einen Durchbruch in der elektrischen Großspeichertechnologie der Zukunft.“

CMBlu-Chef Peter Geigle (links) und der stellvertretende Schaeffler-Vorstandsvorsitzende Peter Gutzmer: Das Unternehmen aus Alzenau und der Autozulieferer machen gemeinsame Sache. Quelle: PR
Kooperation vereinbart

CMBlu-Chef Peter Geigle (links) und der stellvertretende Schaeffler-Vorstandsvorsitzende Peter Gutzmer: Das Unternehmen aus Alzenau und der Autozulieferer machen gemeinsame Sache.

(Foto: PR)

Die Technologie von CMBlu basiert auf dem Prinzip von Flussbatterien. Die speichern Energie in flüssiger Form, um bei Bedarf Strom daraus zu erzeugen. Flussbatterien bestehen aus zwei Teilen: Dem Energiespeicher, also den Tanks mit den unterschiedlich geladenen Flüssigkeiten. Und dem Energiewandler, in dem durch einen chemischen Prozess elektrische Energie aus den Flüssigkeiten entsteht.

Das hat Vorteile: Flussbatterien können beliebig oft ge- und entladen werden, es gibt nahezu keinen Ermüdungseffekt. Das Prinzip verhindert außerdem, dass die Batterie sich mit der Zeit selbst entlädt. Am wichtigsten ist aber: Es können praktisch beliebig viele Speichertanks miteinander verbunden werden.

Ein Energiewandler von CMBlu passt auf eine Europalette. Jede Europalette leistet 100 Kilowatt. Zum Vergleich: Ein Tesla-Supercharger leistet maximal 145 Kilowatt. Nutzer können beliebig viele Energiewandler neben- oder übereinander kombinieren, um eine bestimmte Leistung beim Laden zu gewährleisten. Die Speicherkapazität der Wattstunden, also die Menge des speicherbaren Stroms, richtet sich nach der Tankgröße. 100 Kilowattstunden brauchen etwa drei Kubikmeter.

Neu ist dieses Prinzip nicht. Forscher tüfteln schon seit den 40er-Jahren an Flussbatterien. Doch bislang haben sie für die Speicherflüssigkeit Mixturen auf Basis von Metallen wie Lithium oder Vanadium verwendet. Das Problem: Diese Metalle sind entweder teuer, hochgiftig oder leicht entzündbar. CMBlu verspricht hier Abhilfe. Und das Zauberwort heißt: Lignin.

Lignin ist ein Stoff, der in jeder Pflanze mit Struktur vorkommt. Die harzartige Substanz fällt etwa als Abfallprodukt in der Papierproduktion an – weltweit etwa 50 Millionen Tonnen im Jahr. Alleine in Deutschland sind es etwa 800.000 Tonnen. Geigle schätzt, dass derzeit davon etwa 98 Prozent einfach verbrannt werden. Doch das will er ändern. „Alle Prognosen, die man derzeit in Studien in Bezug auf Speicherbedarf findet, könnte man damit theoretisch decken“, sagt der CMBlu-Chef.

Der Batteriehersteller hat eine Möglichkeit entwickelt, die Energiespeicher seiner Batterien mit einer Flüssigkeit auf Lignin-Basis zu füllen. Das hat mehrere Vorteile: Lignin ist eine natürlich nachwachsende Quelle, die jederzeit und überall verfügbar ist. CMBlu kann die Wertschöpfungskette der Batterien also lokal abdecken. Das Unternehmen ist nicht abhängig von anderen Ländern und spart sich den Einsatz von teuren Metallen, die giftig oder leicht entzündbar sind.

Wie organische Flussbatterien der E-Mobilität nutzen

CMBlu nennt drei potentielle Anwendungsfelder für die Technologie: die Zwischenspeicherung von erneuerbaren Energien, den Ausgleich von Lastspitzen in der Industrie – und die E-Mobilität.

Die organischen Flussbatterien seien zwar zu groß, um sie in ein Auto einzusetzen. Geigle glaubt aber, dass sie ein anderes Problem lösen können: die Ladezeit. „Wenn Sie heute mit einem 350 Kilowatt ladefähigem Porsche an eine Ladestation fahren, dann kriege ich diese 350 Kilowatt Leistung in der Regel nicht, weil es das Netz nur an wenigen Orten hergibt.“ Die organischen Flusszellen könnten als Pufferspeicher dazwischentreten und so „ein schnelleres Laden ermöglichen. Dafür ist unsere Technologie prädestiniert“, sagt Geigle.

Das sei etwas, für das sich die ganze Automobil- und Energieindustrie interessiere und das offenbar auch Schaeffler überzeugt hat. Schaeffler-Manager Gutzmer sieht in der Kooperation deshalb auch einen wichtigen Baustein für die Elektrozeitalter-Strategie des Konzerns: „Die geplanten Großspeicher passen perfekt in unsere Strategie, in der wir die gesamte Energiekette betrachten und Lösungen anbieten.“

Die zunehmende Nutzung der E-Mobilität erfordere Gutzmer zufolge zwischengeschaltete Speicherlösungen im großem Maßstab. Mit der Technologie von CMBlu im Produktportfolio werde Schaeffler zum Partner bei der finalen Nutzung von Strom in den E-Autos der Zukunft. Damit besetze das Unternehmen eine „Schlüsselposition in der elektrischen Energiekette der Zukunft“.

CMBlu plant, ab 2021 die ersten kommerziellen Systeme zu verkaufen. Bis dahin will das Unternehmen weitere Kooperationen mit Industriefirmen abschließen, um eine vollständige Lieferkette für alle wichtigen Batterieteile aufzubauen. „Wir selber wollen nichts produzieren. Wir sind ein Forschungsunternehmen, das die Technologie so weit entwickelt, dass man sie an Industrieunternehmen weitergeben kann“, sagt Geigle. Der CMBlu-Chef hat schon Verträge mit Kunden abgeschlossen, die in den nächsten zwei Jahren Pilotprojekte realisieren wollen – darunter auch Schaeffler.

Geigle hat 2011 damit begonnen, an Energiespeichern zu arbeiten. Heute beschäftigt er 70 Mitarbeiter. CMBlu ist dabei komplett privat finanziert. „Das hat einen ganz großen Vorteil: Sie können sich in Ruhe auf das konzentrieren, was Sie machen wollen“, sagt Geigle. Der Manager habe sich in den vergangenen Jahren stets gesagt, dass er erst an die Öffentlichkeit gehen würde, wenn er etwas vorweisen kann. Dieser Zeitpunkt ist nun offenbar gekommen.

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1 Kommentar zu "Schaeffler und die neue Speichertechnologie: So könnten die Mega-Batterien der Zukunft aussehen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • I HAVE A DREAM....
    Ich träume von einem GAS Hybrid Auto mit 50-100km elektrischer Reichweite!
    Gas könnte über Power to Gas also über Windkraft erzeugt werden.
    Die Batterie wird an der hauseigenen Solaranlage geladen.
    Ist nicht für alle möglich - aber vielleicht für 20 Prozent der Autos - und das wäre schon richtig toll. Es müssten nicht die extrem umweltschädlichen großen Batterien produziert werden und die den größten Energieverbrauch könnte ich über meine Solaranlage leisten!

    Daimler, BMW und VW kann´s - tut es! Bitte, bitte, bitte!

    Und dann noch eine CO2 Klimaanlage.... das steht auf meiner Wunschliste.... Weihnachten kommt ja bald!

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