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Schweizer Rohstoffkonzern Glencore-Chef Ivan Glasenberg – Der Kohlekönig räumt für den Nachfolger auf

Der Chef des Rohstoffriesen trennt sich von langjährigen Gefolgsleuten. Die Glencore-Spitze soll verjüngt werden – das trifft auch Glasenberg selbst.
04.12.2018 - 16:45 Uhr Kommentieren
Wer hat das Zeug zum Nachfolger? Quelle: picture alliance / Mikhail Metze
Ivan Glasenberg

Wer hat das Zeug zum Nachfolger?

(Foto: picture alliance / Mikhail Metze)

Zürich Bescheidenheit steht in der Rohstoffbranche nicht sonderlich hoch im Kurs. Auf die Frage, welche Qualitäten sein Nachfolger mitbringen soll, präsentierte Ivan Glasenberg eine eitle Antwort: „Er soll so sein wie ich.“ Natürlich war das als Scherz gemeint, aber ein Körnchen Wahrheit steckt darin. Der Neue soll die Branche kennen und erfahren sein, aber jünger.

Der 61-Jährige will aufhören, spätestens wenn er 65 wird. Vorher räumt Glasenberg aber auf und trennt sich von einem seiner langjährigen Weggefährten im Konzern, dem Kupferhändler Telis Mistakidis. Auch das Glencore-Urgestein Stuart Cutler tritt ab. Die Krönung des Umbaus soll in drei bis fünf Jahren mit dem Abgang von Glasenberg kommen. Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze des Konzerns sucht der „König der Kohle“ einen Nachfolger.

Keine leichte Aufgabe, denn der Umbruch erfolgt in einer schwierigen Zeit für den Konzern. Nicht nur die durchwachsenen Aussichten für den Welthandel setzen Glencore zu. Das amerikanische Justizministerium interessiert sich für Glencores Geschäfte mit einem umstrittenen israelischen Milliardär, und auch die Aktionäre zeigten sich angesichts der Untersuchung wenig begeistert.

Seit Jahresbeginn verloren die Papiere rund 22 Prozent an Wert. Selbst die Aussicht auf satte Gewinne vermag da nicht zu trösten. Denn Glencore ist eine Geldmaschine: Im vergangenen Jahr verdiente das Unternehmen aus dem Kanton Zug unterm Strich rund 5,8 Milliarden US-Dollar. Ob Kupfer, Öl oder Seltene Erden: Ohne die Materialen, die der Konzern verkauft, wäre die Industriegesellschaft aufgeschmissen. Heute gilt Glencore als größter Rohstoffhändler der Welt.

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    Den Grundstein für das Imperium legte der Rohstoffhändler Mark Rich. Er eröffnete Mitte der 1970er-Jahre ein Handelshaus im Kanton Zug – und erarbeitete sich den Ruf des skrupellosen Geschäftemachers. Rich handelte mit Despoten wie Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi, auch mit dem südafrikanischen Apartheidsregime machte er Geschäfte.

    Richs Öldeals mit dem Iran riefen in den 1980er-Jahren die amerikanischen Behörden auf den Plan, er landete auf der „Most Wanted“-Liste des FBI. Amerikanische Agenten versuchten gar erfolglos, ihn zu entführen. Später wurde er vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton höchstpersönlich begnadigt. Klingt nach Hollywood? In der Tat: Mark Richs Biografie wird derzeit verfilmt, Matt Damon spielt die Hauptrolle.

    Unter Glasenberg ging es bei Glencore weniger wild zu. Der gebürtige Südafrikaner hatte in Richs Imperium eine steile Karriere als Kohlehändler hingelegt. 2002 übernahm er den Chefposten. Der Börsengang im Jahr 2011 machte Manager wie Glasenberg und Kupferchef Mistakidis zu Milliardären – und Glencore transparenter.

    So legt der Konzern inzwischen etwa Zahlungen an viele Länder offen und stellt seine Anstrengungen für mehr Nachhaltigkeit ins Schaufenster. Nicht geändert hat sich, dass Glencore auch heute in politisch schwierigen Märkten agiert oder massiv in klimaschädlicher Kohle investiert– und dafür mitunter scharf kritisiert wird.

    Vor allem die umstrittenen Deals im bürgerkriegsgeplagten Kongo erweisen sich für die Schweizer als Hypothek. Um Zugang zu den lukrativen Kupferminen zu bekommen, hatte Glencore einen Pakt mit dem israelischen Milliardär Dan Gertler geschlossen.Er zählt zu den langjährigen Vertrauten des kongolesischen Machthabers Joseph Kabila – und landete wegen Korruptionsverdacht auf einer Sanktionsliste der US-Regierung.

    Dadurch geriet im Sommer auch Glencore in den Fokus einer Untersuchung des Justizministeriums. Ist der Abgang von Kupferchef Mistakidis ein Bauernopfer? Glasenberg wollte darauf am Montag nicht eingehen. Mistakidis habe den Schritt schon länger vorbereitet, sagte er.

    Jetzt bereitet Glasenberg seine eigene Nachfolge vor. „Es kommt eine Zeit, wenn die jüngere Generation übernehmen muss“, sagte Glasenberg am Montag. Die Namen der potenziellen Anwärter wollte er nicht nennen, aber: „Drei bis vier Kerle habe ich bereits im Auge.“ Frauen stünden nicht auf der Liste. „Aber das kann sich ja noch ändern.“

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