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Schwere Vorwürfe von Kleinaktionärsvertretern Schrempp setzt Frist für Maut-Lösung

Der Autokonzern Daimler-Chrysler hat seinen Anteil an Toll Collect 2003 vollständig abgeschrieben und zudem 100 Millionen Euro zurückgestellt. Experten gehen davon aus, dass damit mindestens 500 Millionen Euro verbrannt sind. Und das Ende der Fahnenstange ist möglicherweise noch nicht erreicht. Wohl auch deshalb setzt Konzernchef Schrempp weiter auf eine Einigung mit dem Bund.
Jürgen Schrempp sieht noch erhebliche Risiken für den Konzern. Foto: dpa

Jürgen Schrempp sieht noch erhebliche Risiken für den Konzern. Foto: dpa

HB SINDELFINGEN. „Im Rahmen der At-Equity-Bewertung wurde das Investment vollständig abgeschrieben“, hieß es in dem am Donnerstag in Sindelfingen veröffentlichten Geschäftsbericht des Konzerns. Finanzvorstand Manfred Gentz wollte den Abschreibungsbetrag auf Anfrage zunächst nicht beziffern. Toll Collect sei per Ende 2003 mit rund 1,1 Mrd. € verschuldet gewesen, davon 500 Mill. € Finanzverbindlichkeiten. Für zusätzliche Garantien aus dem Vertrag seien rund 100 Mill. € Rückstellungen gebildet worden. Das maximale Verlustrisiko aus dem vor wenigen Tagen vorerst gekündigten Vertrag mit dem Bund könne aber darüber hinausgehen. Eine Vertragskündigung würde die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns erheblich negativ beeinflussen. Eine genaue Zahl für das Maut-Risiko nannte Daimler-Chrysler nicht.

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp signalisierte im Streit mit dem Bund angesichts der drohenden finanziellen Folgen des Maut-Debakels weitere Kompromissbereitschaft auf Seiten von Toll Collect. Er sehe noch Chancen für eine Einigung mit dem Bund. „Ich habe den Eindruck, die Meinungsunterschiede sind überbrückbar“, sagte er. Binnen zehn Tagen könne eine Lösung auf dem Tisch liegen. Die Schadenersatzforderungen des Bundes seien aber unberechtigt. Trotz der Verzögerungen sei die Maut-Technik von Toll Collect „das beste System, was es derzeit in der Welt“ gebe. Die Kritik am Maut-Konsortium sei jedoch berechtigt, räumte Schrempp ein.

Der Daimler-Partner bei Toll Collect, die Deutsche Telekom, begrüßte die Äußerungen Schrempps und betonte das Unternehmen stehe weiterhin fest zum Betreiberkonsortium. „Wir stehen zu dem Projekt und arbeiten daran“, sagte ein Konzernsprecher in Bonn.

Sorgen vor einer Toll-Collect-Pleite macht man sich dagegen bei Daimler-Chrysler nicht. „Es gibt kein Insolvenzrisiko“, sagte Finanzvorstand Gentz. Die Gesellschafter Daimler-Chrysler und Telekom hätten eine „Nachschusspflicht“, um das Eigenkapital von Toll Collect zu sichern. Die beiden Konsortialführer hafteten mit jeweils 45 %. Dieser Anteil könne auf jeweils 50 % steigen, da die Haftung des französischen Autobahnbetreibers Cofiroute vertraglich begrenzt sei.

Für die Geschäftsjahre 2003 und 2004 werde Daimler-Chrysler durch Toll Collect mit voraussichtlich insgesamt rund 250 Mill. € belastet, sagte Gentz. Darin enthalten seien laufende Verluste, die vertraglichen Strafzahlungen und Abschreibungen auf den Buchwert von Toll Collect. Schadenersatzforderungen seien jedoch unberechtigt, Rückstellungen in der Konzernbilanz nicht notwendig, sagte der Finanzvorstand.

Experten halten diese Schätzung für sehr niedrig gegriffen. „Eine sehr konservative Schätzung wird davon ausgehen müssen, dass da zumindestens ein dreistelliger Millionenbetrag, etwa 500 Mill. €, auf jeden Fall verbrannt sind durch die Totalabschreibung auf Toll Collect“, sagte der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), Lars Labryga, im ZDF. Der Aktionärsschützer erhob zudem Vorwürfe gegen die Chefs der am Konsortium beteiligten Konzerne Daimler-Chrysler und Deutsche Telekom. „Hier haben sich Schrempp wie auch Ricke (...) hinter dem Unternehmen Toll Collect versteckt, sind aber natürlich in der Verantwortung.“ Beide hätten der deutschen Wirtschaft und dem Ansehen ihrer Unternehmen schweren Schaden zugefügt.

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) will Toll Collect wegen der Einnahmeausfälle der Maut von rund 10 Mrd. € haftbar machen. Das System sollte eigentlich bereits im August 2003 starten, war wegen technischer Schwierigkeiten aber mehrmals verschoben worden. Den Vorschlag des Konsortiums für einen Mautstart Ende 2005 in einer abgespeckten Version hatte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) am Dienstag zurückgewiesen.

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