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Seit sieben Generationen im Besitz der Familie Geballte Tradition im Ruhrgebiet

Am kommenden Freitag wird das kleine Ruhrgebietsstädtchen Witten zum Treffpunkt eines der exklusivsten Kreise der Unternehmenswelt.

HB WITTEN. Dann kommt bei dem dort ansässigen Unternehmen J. D. Neuhaus die Vereinigung der „Hénokiens“ zusammen – jener internationale Klub von rund 35 Familienunternehmen, die mindestens 200 Jahre alt sind, sich seit. Aus acht Ländern kommen die Vertreter der alteingesessenen Firmen nach Witten.

In Deutschland haben nur wenige Unternehmen eine solch ungebrochene Familientradition – eines davon ist J.D. Neuhaus. Eintragung Nummer 28 im „Sprockhövelschen Fabrickenbuch“ nennt 1745 den Handwerksmeister Johann Diederich Conrad Neuhaus als Lieferant von Schmiedeerzeugnissen. Der Gründer spezialisierte sich auf den Bau von Winden – Erzeugnisse, die das Unternehmen noch heute im Programm hat.

Am 9. September, dem Tag des 260-jährigen Bestehens, wird Neuhaus rund 50 Vertreter der Hénokiens-Familie empfangen. Im Kreis der 1981 in Bordeaux gegründeten Hénokiens – der Name leitet sich von dem Patriarchen Henoch aus dem Alten Testament ab – ist Neuhaus aber eher ein junges Unternehmen. Die japanische Hotelkette Hoshi entstand bereits 718, die italienische Waffenfabrik Beretta 1526, und auch die deutschen Mitglieder wie der Likörhersteller Friedr. Schwarze aus Oelde und die Glasmanufaktur von Poschinger aus Frauenau sind älter.

Doch auch Neuhaus ist schon seit sieben Generationen im Besitz der Familie, die auch immer die Geschäfte führte. „Eine echte Ausnahme“, kommentiert Unternehmensberater Dietrich Reinhardt von Kap 1 Consulting in Düsseldorf. „Oft sind Gesellschafter nur an den Vermögenswerten interessiert.“

Neuhaus produziert noch immer auf dem Gelände im Wittener Ortsteil Heven, auf dem es 1745 angefangen hat. Zunächst wurden nur Winden für Pferdefuhrwerke hergestellt, später brachten die Kohlegruben im Umkreis von Witten viele Aufträge für die Arbeit in den Stollen. 1925 beschäftigte Neuhaus 25 Personen. Die entscheidende Idee zur Weiterentwicklung hatte J. Diederich Neuhaus als Vertreter der sechsten Generation 1953. Er ersetzte den bisher üblichen Handantrieb der Hebezeuge durch einen Druckluftmotor – ideal für den Einsatz im Untertagebergbau, wo Elektromotoren wegen möglicher Explosionen zu gefährlich sind.

Ende der siebziger Jahre lag der Jahresumsatz des Unternehmen bei rund 50 Mill. DM. Neuhaus lieferte fast ausschließlich an die Ruhrkohle. Diese Bindung brachte dem Unternehmen aber die bisher schwerste Krise. Denn die Schließung der Kohlegruben ließ den Absatz schrumpfen, das Auslandsgeschäft befand sich noch im Aufbau.

Zudem hatte Neuhaus ein, wie Unternehmensberater Reinhardt sagt, typisches Problem vieler Familiengesellschaften: die Nachfolge. Die Vertreter der sechsten Generation, J. Diederich Neuhaus und sein Bruder, zerstritten sich in der Geschäftsführung. Der Bruder ließ sich auszahlen. „Dies ist die schlechteste Lösung für ein Familienunternehmen, es kann ausbluten“, sagt Reinhardt. Neuhaus brachte die Trennung erstmalig eine hohe Verschuldung.

Da J. Diederich Neuhaus keine Kinder hatte, ließ sich 1995 der Neffe Wilfried Neuhaus-Galladé in die Pflicht nehmen, obwohl er eigentlich als Unternehmensberater tätig war. „Von meinem Onkel ist eine Last abgefallen, als er den Stab übergeben hat“, sagt der heute 48-jährige Chef. „Es sind viele glückliche Umstände nötig, dass ein Nachfolger aus der Familie bereit und fähig ist, das Unternehmen weiter zu führen“, sagt Hans Bethge von der Hamburger Unternehmensberatung Angermann.

Der jovial auftretende Betriebswirt Neuhaus-Galladé baute das Auslandsgeschäft auf und modernisierte die Fabrik. Die Zahl der Beschäftigten sank von 230 auf 150, dafür liegt der Umsatz mit 25 Mill. Euro wieder auf der Höhe der siebziger Jahre. Heute trägt der Bergbau nur noch zu 20 Prozent zum Umsatz bei. „Wir sind wieder wirtschaftlich gesund“, sagt Neuhaus-Galladé. Er installierte moderne Bearbeitungszentren statt langer Montagestraßen und führte japanische Managementmethoden ein.

Wenn am Freitag die Vertreter der Hénokiens-Firmen Neuhaus besuchen, werden sie auch die drei Museen auf dem parkähnlichen Firmengelände besichtigen. Etwa die alte Schmiede, die zeigt, wie das Unternehmen 1745 als „Niggehussche Windenschmiede“ angefangen hat. Ein anderes Gebäude zeigt zwölf alte und voll funktionsfähige Maschinen, die über lederne Transmissionsriemen angetrieben werden und den Stand der Metallbearbeitung um 1900 demonstrieren. Als Beispiel für mittelalterliche Hebetechnik steht ein Nachbau eines Kaufhauskranes der Hansestadt Lüneburg aus dem Jahre 1336 neben der Halle. In einem anderen Gebäude ist die Geschichte der Hebel, Winden und Kräne von der Steinzeit bis heute dargestellt.

Bei der Versammlung stehen auch Symposien und der Erfahrungsaustausch im Vordergrund, es werden etwa Probleme des Generationenwechsels besprochen. Schließlich sei Hénokiens eine ideelle Vereinigung, sagt Neuhaus-Galladé. Nach dem Treffen am Freitag werden sich die Vertreter der rund 30 Familienunternehmen am nächsten Tag dem kulturellen Teil widmen: Es steht ein Besuch beim Bergbaumuseum in Bochum und der Zeche Zollverein in Essen an – Tradition verpflichtet.

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