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September-Zahlen Zahl der Pkw-Neuzulassungen sinkt wegen WLTP-Norm um 30 Prozent – vor allem bei VW und Audi

Der WLTP-Standard bringt den deutschen Automarkt durcheinander. Die Neuzulassungen brechen im September ein. VW muss sogar einen Rückgang von über 60 Prozent hinnehmen.
Update: 02.10.2018 - 14:03 Uhr 1 Kommentar
Insiderbericht: Pkw-Nachfrage in Deutschland sinkt um 30 Prozent Quelle: dpa
Pkw-Neuzulassungen

Nach der Einführung strengerer Abgasregeln hat der Pkw-Markt in Deutschland offenbar mit Verlusten zu kämpfen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer September ist für die Automobilindustrie zum erwarteten Katastrophenmonat geworden. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der in Deutschland neu zugelassenen Pkw um mehr als 30 Prozent auf 200.000 Fahrzeuge zurückgegangen.

Am schlimmsten trifft es Volkswagen und Audi. Die beiden Marken aus dem VW-Konzern müssen Rückgänge von knapp 62 Prozent (Volkswagen) und fast 78 Prozent (Audi) verkraften.

Auslöser ist die Umstellung auf die neuen Zulassungsstandards nach den WLTP-Normen. Etliche Hersteller, besonders der VW-Konzern, hatten im August Zehntausende Fahrzeuge in den Markt gedrückt, die die neuen WLTP-Standards noch nicht erfüllt haben.

Stichtag für die Einführung war der 1. September. Seitdem dürfen in Deutschland und in Europa nur noch Autos verkauft werden, die nach der WLTP-Norm für den Straßenverkehr getestet und zugelassen worden sind. Im September fehlten dann die vorzeitig verkauften Autos, deshalb sind die Zulassungszahlen so dramatisch gefallen.

Deutschland ist nur der Vorläufer der Entwicklung. In den kommenden Tagen werden ähnlich schlechte Zahlen für die meisten anderen europäischen Automärkte erwartet. Für Italien beispielsweise meldet die Branche ein Minus von 25 Prozent, in Spanien sind es 17 Prozent und in Frankreich immerhin noch 13 Prozent.

Im VW-Konzern schneiden nicht nur die Marken Volkswagen und Audi miserabel ab. Auch für die anderen Töchter ging es im September dramatisch bergab: Porsche minus 75 Prozent, Seat minus 55 Prozent und Skoda minus 44 Prozent.

Unter den anderen deutschen Marken ging es für Mercedes mit minus 21 Prozent nicht ganz so deutlich abwärts. Bei der Konzernschwester Smart beträgt das Minus immerhin noch 15 Prozent. Ford kommt auf minus 17 Prozent, Opel auf minus sieben. Die BMW-Tochter Mini bringt es auf minus elf Prozent. Nur die Hauptmarke BMW hat sich mit minus 1,2 Prozent vergleichsweise stabil gehalten.

Doch auch bei den ausländischen Herstellern ist es auf dem deutschen Markt im September massiv nach unten gegangen: Renault verbucht ein Minus von 44 Prozent, bei Alfa Romeo sind es 52 Prozent. Honda kommt auf minus 59 Prozent, bei Nissan sind es minus 32 Prozent. Tesla verbucht mit 47 Prozent ebenfalls ein deutliches Minus. Alle Hersteller mit solch großen Rückgängen dürften im August in großem Stil Autos ohne WLTP-Zulassung verkauft haben.

In Wolfsburg werden die Zulassungszahlen für September selbst bei Volkswagen als „desaströs“ bezeichnet. Das schlechte Verkaufsergebnis für den gerade abgeschlossenen Monat sorge insgesamt für eine „erhöhte Nervosität“.

Zugleich heißt es aber in Wolfsburg, dass das schlechte September-Ergebnis absehbar war. „Alles wie erwartet“, heißt es in Unternehmenskreisen. Aufgrund der vorgezogenen Zulassungen im August mussten die Verkaufsergebnisse im September dramatisch einbrechen.

Auch in der VW-Bilanz werden sich die WLTP-bedingten schlechten September-Verkaufszahlen ablesen lassen. Die Marke Volkswagen wird das dritte Quartal voraussichtlich mit einer operativen Marge von zwei Prozent abschließen, erwartet das Investmenthaus Evercore ISI.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2017 lag die Rendite der Marke bei 4,1 Prozent. Für den Volkswagen-Konzern lag die Marge im ersten Halbjahr bei 8,2 Prozent, im zweiten Halbjahr wird sie voraussichtlich auf 6,5 Prozent abrutschen. Ein VW-Sprecher wollte Marktgerüchte nicht bestätigen, wonach die Marke Volkswagen im August sogar rote Zahlen geschrieben haben könnte.

Zulassungspolitik im August sorgt für Kritik

Mit Großeinkäufen hatten vor allem Unternehmen im August den Neuwagenmarkt in Deutschland angekurbelt. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen war um 24,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 316.405 gestiegen, wie das Kraftfahrtbundesamt damals mitgeteilt hatte. Zwei Drittel davon waren gewerbliche Anmeldungen, ein außergewöhnlich hoher Wert. Normalerweise halten sich gewerbliche und private Pkw-Käufe in etwa die Waage.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erklärte das Zulassungsergebnis mit einem Sondereffekt: Vor Einführung der EU-Typgenehmigung nach dem neuen Abgas-Prüfstandard WLTP hätten sich viele Firmen noch einmal für ihre Flotten eingedeckt.

Der hohe Zulassungsanteil von Fahrzeugen für Firmenflotten ist auch am steigenden Dieselanteil zu erkennen. Ein Effekt, der im Übrigen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa erkennbar war. Firmen ordern im Unterschied zu privaten Kunden deutlich mehr Dieselmodelle.

Im August war der Dieselanteil bei Firmenkunden nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Jato um 13 Prozent gestiegen, bei Privatkunden um zehn Prozent gesunken. Der starke Flotteneffekt durch die Unternehmen führte dazu, dass der Dieselanteil in Europa erstmals wieder seit März 2017 wieder leicht gestiegen ist.

Jato-Analyst Felipe Munoz kritisierte die Autohersteller für ihre Zulassungspolitik im August. „Diese Zahlen zeigen, wie künstlich Zulassungsergebnisse ausfallen können“, sagte er. Die Zahlen unterstrichen zudem, wie schlecht die Automobilhersteller auf die WLTP-Einführung vorbereitet gewesen seien.

Die neuen, gründlicheren WLTP-Tests haben dazu geführt, dass noch nicht alle Modelle rechtzeitig die Genehmigung für eine Neuzulassung hatten. Dies spiegelte sich auch in der Inlandsproduktion im August wider. Sie lag nach VDA-Angaben bei 310.400 Fahrzeugen, 31 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Der VDA erwartete, dass sich die Entwicklung bei Neuzulassungen und Produktion innerhalb weniger Monate wieder normalisieren werde. Für das Gesamtjahr bleibe es bei der Prognose von 3,5 Millionen Neuzulassungen, was einem Plus von etwa einem Prozent entspräche.

Einige Autohersteller wie etwa Volkswagen hatten ihre Produktion mit Sonderschichten schon teilweise auf den Juli vorgezogen. Entsprechend sind im August und September Schichten vor allem im Wolfsburger VW-Stammwerk ausgefallen. In den Sommermonaten galt dort fast durchgehend eine Viertagewoche.

Im Oktober will Volkswagen wieder zu einer Normalauslastung seiner Produktion zurückkehren, weil immer mehr VW-Modelle eine Straßenzulassung nach den neuen WLTP-Standards bekommen.

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1 Kommentar zu "September-Zahlen: Zahl der Pkw-Neuzulassungen sinkt wegen WLTP-Norm um 30 Prozent – vor allem bei VW und Audi"

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  • Nur Deutschland ist so dumm und schneidet den Ast ab auf dem es sitzt, In der Automobilindustrie, mit den Zulieferern die größten privaten Arbeitgeber wird es bald bergab gehen und dann? Dank der unverantwortlichen Politik der GroKo und der Förderung der DUH einem Verein mit 274 Mitgliedern, der anscheinend Geld zum Klagen ohne Ende hat. Die Luft in Deutschland ist in den letzten 20 Jahren immer sauberer geworden und die Lebenserwartung gestiegen (wird auch vom Umweltbundesamt nicht dementiert).