Siechtum made in USA Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte

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Fehler 6: Unflexible Produktion

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Wenigstens in Rüsselsheim erinnert einiges daran, dass Opel einmal der größte Automobilhersteller Deutschlands war. Wer mit der Bahn ins hessische 60.000-Einwohner-Städtchen reist, wird bereits auf dem Bahnhofsvorplatz von einer überlebensgroßen Statue des Firmengründers Adam Opel begrüßt. Gleich daneben fordert das Plakat einer Bürgerinitiative den Erhalt des historischen Opelwerks. Es soll durch ein Shoppingcenter ersetzt werden.

Hier, zwischen der Opel-Vergangenheit und der Zukunft des Shoppingcenters, trifft sich zweimal am Tag ein bunt zusammen gewürfeltes Grüppchen zur Opel-Werkbesichtigung, um die Gegenwart in Augenschein zu nehmen.

Zunächst geht es ins werkseigene Kino, in dessen Vorraum ein silbergrauer Kapitän an alte Zeiten erinnert. In dem einführenden Film präsentiert sich der Konzern als hochinnovatives Vorzeigeunternehmen. Von Dynamik ist viel die Rede, von Kreativität und Qualität - und davon, dass die 2000 neu erbaute Fabrik am Firmenstammsitz Rüsselsheim eines der modernsten Automobilwerke der Welt ist.

Dann geht es weiter in die Werkshallen: Vor allem die jüngeren Teilnehmer bestaunen, wie Roboter mit riesigen Greifarmen vollautomatisch die Karosserie verschiedener Opel-Modelle zusammensetzen. Die Älteren schwärmen - von ihren Erinnerungen an die ersten Fahrten im Kapitän. Einer erzählt, wie er als Kind auf einem Fahrrad von Opel das Radeln gelernt hat.

Hier erinnert nichts daran, dass die Verkaufszahlen des Konzerns stetig sinken, alle paar Sekunden bekommt ein weiteres Fahrzeug seine Türen verpasst. Noch sind knapp 14 000 Menschen hier im Rüsselsheimer Werk beschäftigt - doch keiner weiß, wie lange noch.

Am Ende der Fertigungshalle prangt eine große Anzeigentafel. Hier werden die Soll- und die Ist-Zahlen des Werkes präsentiert. Eigentlich sollen in dieser Schicht 435 Autos gefertigt werden. Aktuell sind es nur 368.

Dass das Werk in Rüsselsheim noch Kapazitäten hat, weiß mittlerweile auch das Management von GM. Dabei hatte Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke im Juli 2011 noch erklärt, die harte Sanierung des Autobauers sei abgeschlossen, man liege nicht etwa "im Plan", sondern sogar darüber. Selten lag ein Automanager so sehr daneben.

Die Krise: Sie war wieder da. Und eigentlich war sie nie weg. Nicht in Rüsselsheim und noch weniger in Bochum.

Leerlauf in den Werken
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3 Kommentare zu "Siechtum made in USA: Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte"

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  • Opel müßte wieder einen Manta, oder Kadett C Coupe, bauen. Es fehlt an Produkten, die an das Opel Image aus guten Zeiten anknüpfen. Gerade der C-Kadett, bis heute erfolgreich im Renneinsatz bei Slalom oder Bergrennen, das ist für mich Opel. GM hat keine konsequente Markenstrategie und kannibalisiert Opel mit koreanischen Chevorlets. Warum soll man so vertrauen in die Marke Opel haben?

  • Das Opel schlechte Autos baut, tonnenschwere Säufer mit schlechter Raumökonomie, kann nicht nur den Amis angelastet werden.

    Das gab es reihenweise Entwicklungsleiter, die konsequent daneben lagen, angefangen beim - näheren Hinschauen - gar nicht so legendären Indra. Zuletzt ein deutsche Frau. Mit der habe ich mich mal 30 Minuten unterhalten, das war so gar nicht überzeugend im Quervergleich der Industrie.

  • Wenn ich mich recht entsinne, ohne den Artikel gelesen zu haben und somit möglicherweise den wiederholend, waren es folgende Punkte, die Opel dort hin brachten, wo sie sind:

    - 90er Jahre Qualitätsdesaster
    - Markt-Begrenzung durch GM
    - Ausnutzen der Technologie-Sparte durch GM
    - Subventionsverlust bei GM, dadurch Sparmassnahmen, die in den USA weniger Schaden anrichten
    - Marketing Begrenzung durch GM

    Heute baut Opel sehr gute Autos, die sich nicht verkaufen, weil sie sich Preislich nicht ganz mit der Konkurrenz messen können. Durch den Image Verlust (hier haben die ständigen schlechten, vor allem aber schlecht wiedergegebenen Nachrichten auch nachgeholfen, das Kaufinteresse zu senken) aber auch garnicht mehr auf einen grünen Zweig kommen können.

    Sehr schade.

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