Siechtum made in USA Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte

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Opel nur als Zwischenstation

"Für die GM-Manager war Opel immer nur eine Zwischenstation auf ihrem Karriereweg im Konzern", kritisiert Jürgen Pieper, Analyst des Bankhauses Metzler. "Einer, der drei Jahre da ist, denkt nicht in langfristigen Zeiträumen, weil das nur seinem Nachfolger nutzt." Insider nennen die steten Wechsel bis heute die "Detroiter Krankheit". Denn auch eine klare und obendrein langfristige Strategie ist mit durchreisenden Führungskräften nicht zu entwickeln und schon gar nicht durchzuhalten.

Stattdessen wurde bei Opel immer wieder an den Symptomen kuriert. Unbeirrt von den anhaltenden Marktanteilsverlusten schickte GM einen US-Manager nach dem anderen nach Rüsselsheim. Dort laborierten sie munter an dem Unternehmen herum, bis sie auf neue Posten im Konzern verschoben wurden. "So kann keine systematische, kontinuierliche Produktstrategie entstehen", urteilt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Für viele Branchenkenner fängt das Problem in der Ära des Finanzmanns Louis R. Hughes an. Er kam 1989 als Chef nach Rüsselsheim und wollte Opel als Renommiermarke des Konzerns etablieren. Zugleich aber verordnete er Opel ein äußerst rigides Sparprogramm. Für neue Modelle wurden die Mittel dramatisch zusammengestrichen, gleichzeitig quetschte der als Kostenkiller berüchtigte Spanier José Ignacio Lopez als Chefeinkäufer die Zulieferer aus wie nie zuvor.

Die Statue von Firmengründer Adam Opel. Er begann mit der Fertigung von Nähmaschinen. Quelle: Reuters

Die Statue von Firmengründer Adam Opel. Er begann mit der Fertigung von Nähmaschinen.

(Foto: Reuters)

Der "Würger von Rüsselsheim" war der brutalste Kostenkiller der Autoindustrie. Er zwang Zulieferer und eigene Werke, billiger zu produzieren. Mit verheerenden Folgen.

"Da haben wir uns in der Qualität so richtig in die Scheiße geritten", erinnerte sich der frühere Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz später. Rostschäden häuften sich bei den alten Kompaktmodellen Astra und dem Mittelklassewagen Omega - und folgerichtig stürzte die Marke in den Pannen- und Mängellisten von ADAC und TÜV ab. Ein Schlag, von dem sich die Marke bis heute nicht ganz erholt hat, obwohl sich inzwischen niemand mehr um die Qualität der Autos aus Rüsselsheim, Bochum und Eisenach sorgen muss. Insignia, Zafira & Co. gehören wieder zu den zuverlässigsten Fahrzeugen ihres Segments. Aber der Ruf ist hin.

Als Lopez dann von dem damaligen VW-Boss Ferdinand Piëch nach Wolfsburg geholt wurde und General Motors Volkswagen bei der Staatsanwaltschaft der Industriespionage bezichtigte, kam es zur offenen Konfrontation mit dem damals noch in einer Krise steckenden Rivalen aus Niedersachsen. Piëch sprach von einem "gnadenlosen Krieg", von "Siegern und Verlierern" und von einer "Schlammschlacht", in der man auch mit Schlamm zurückwerfen werde.

Das Chef-Karussell
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3 Kommentare zu "Siechtum made in USA: Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte"

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  • Opel müßte wieder einen Manta, oder Kadett C Coupe, bauen. Es fehlt an Produkten, die an das Opel Image aus guten Zeiten anknüpfen. Gerade der C-Kadett, bis heute erfolgreich im Renneinsatz bei Slalom oder Bergrennen, das ist für mich Opel. GM hat keine konsequente Markenstrategie und kannibalisiert Opel mit koreanischen Chevorlets. Warum soll man so vertrauen in die Marke Opel haben?

  • Das Opel schlechte Autos baut, tonnenschwere Säufer mit schlechter Raumökonomie, kann nicht nur den Amis angelastet werden.

    Das gab es reihenweise Entwicklungsleiter, die konsequent daneben lagen, angefangen beim - näheren Hinschauen - gar nicht so legendären Indra. Zuletzt ein deutsche Frau. Mit der habe ich mich mal 30 Minuten unterhalten, das war so gar nicht überzeugend im Quervergleich der Industrie.

  • Wenn ich mich recht entsinne, ohne den Artikel gelesen zu haben und somit möglicherweise den wiederholend, waren es folgende Punkte, die Opel dort hin brachten, wo sie sind:

    - 90er Jahre Qualitätsdesaster
    - Markt-Begrenzung durch GM
    - Ausnutzen der Technologie-Sparte durch GM
    - Subventionsverlust bei GM, dadurch Sparmassnahmen, die in den USA weniger Schaden anrichten
    - Marketing Begrenzung durch GM

    Heute baut Opel sehr gute Autos, die sich nicht verkaufen, weil sie sich Preislich nicht ganz mit der Konkurrenz messen können. Durch den Image Verlust (hier haben die ständigen schlechten, vor allem aber schlecht wiedergegebenen Nachrichten auch nachgeholfen, das Kaufinteresse zu senken) aber auch garnicht mehr auf einen grünen Zweig kommen können.

    Sehr schade.

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