Siemens Gamesa Siemens Windtochter im Krisenmodus

Umsatzschwund und rote Zahlen: Die spanische Windkrafttochter des Dax-Konzerns Siemens ist wegen hoher Kosten für den Konzernumbau in die Verlustzone gerutscht. Einzig die Auftragslage gibt Anlass zur Hoffnung.
Update: 30.01.2018 - 13:43 Uhr 1 Kommentar
Die spanische Windkraft-Tochter von Siemens ist in die roten Zahlen gerutscht. Quelle: Reuters
Siemens Gamesa

Die spanische Windkraft-Tochter von Siemens ist in die roten Zahlen gerutscht.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf/MadridEs sind Botschaften, die so gar nicht zusammenpassen wollen. Die „Integration der zwei Unternehmen schreitet gut voran“, jubelt Siemens Gamesa. Im ersten Quartal verzeichnete der spanische Windkraftkonzern, an dem Siemens eine Mehrheit von 59 Prozent hält, laut eigener Darstellung eine „starke Geschäftsentwicklung“. Gleichzeitig meldet das Unternehmen aber für das erste Quartal einen Verlust von 35 Millionen Euro. Der Hauptgrund: „Restrukturierungs- und Integrationskosten“.

Als der Münchner Dax-Konzern Siemens sein Windkraftgeschäft im April 2017 mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa zusammenschloss, waren die Erwartungen groß. Damals hieß es, die beiden Unternehmen würden sich nahezu ideal ergänzen. Denn während Siemens vorwiegend hochpreisige Anlagen für westliche Märkte entwickelt, baut Gamesa günstige Windmühlen für Schwellenländer. Gemeinsam, so der Tenor, decke man alle Märkte und Kundenbedürfnisse ab.

Tatsächlich ist mit der Fusion zwischen der Siemens Windsparte und Gamesa der weltgrößte Hersteller von Turbinen- und Rotorblättern entstanden, den wichtigsten Komponenten eines jeden Windrads. Doch es wird immer deutlicher, dass der Status des Branchenprimus teuer erkauft wurde. Im vergangenen Jahr schockierte der Konzern seine Aktionäre bereits mit zwei Gewinnwarnungen, dem Austausch von zwei Vorständen und roten Zahlen im Schlussquartal. Und auch ins neue Jahr startet Siemens Gamesa mit kräftigem Gegenwind.

Das sind die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
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Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. XEMC profitiert zwar von diesem Boom, hat aber durch einen etwas schwächeren Windmarkt an Bedeutung verloren. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2017 auf fast tausend verkaufte Turbinen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent.

Marktanteil 1,8 Prozent.  

Platz 13: Sewind (China)
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Im vergangenen Jahr fand sich auf diesem Platz noch der chinesische Staatskonzern Dongfang, im Ranking 2017 wird er von seinem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Sewind zwei Plätze nach hinten verwiesen. Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 2,1 Prozent.  

Platz 12: CSIC Haizhuang (China)
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Unter den 15 führenden Windkraftkonzernen der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2017 mehr als 45 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 2,3 Prozent.

Platz 11: United Power (China)
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Der chinesische Windkraft-Konzern, United Power, bekommt die gedämpfte Entwicklung auf dem Heimatmarkt stark zu spüren. Vom siebten geht es auf den elften Platz und der Marktanteil schrumpft um ganze 1,2 Prozent. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 10: Suzion (Indien)
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Dank eines Boom-Jahres auf dem heimischen Markt, hat der indische Windturbinenhersteller Suzion es in die Top 15 geschafft. Das ist allerdings auch der Markt, auf den fast 40 Prozent des Geschäfts von Suzion entfallen. Im laufenden Jahr wird aufgrund von der Umstellung auf offene Ausschreibungen erst einmal mit einem Einbruch des indischen Marktes gerechnet, dann muss auch der Windradbauer zunächst mit einem Auftragseinbruch rechnen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 9: Senvion (Deutschland)
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Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion hat es auch global wieder unter die Top 10 geschafft. Ganze drei Plätze brachte ihn ein Rekordjahr auf dem deutschen Markt nach vorne. In der Bundesrepublik wurde noch nie soviel Windkraftleistung installiert wie im vergangenen Jahr: Ganze 6,5 Megawatt. Im nächsten Jahr könnte das aber wieder ganz anders aussehen. Die Hamburger kämpfen mit schwindenden Subventionen, massiven Preiskampf und sinkenden Umsätzen.

Marktanteil: 3,7 Prozent.

Platz 8: Mingyang (China)
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Chinas drittgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Windkonzernen, konnte Mingyang seinen Marktanteil 2017 sogar vergrößern.

Marktanteil: 4,7 Prozent.

Im ersten Quartal, das bei den Spaniern schon im Oktober des Vorjahres beginnt, brach der Umsatz um fast ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr ein. Erwirtschaftete Siemens Gamesa zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember 2016 noch einen Erlös von rund 2,8 Milliarden Euro, waren es im gleichen Zeitraum 2017 nur mehr 2,1 Milliarden Euro. Schlimmer noch: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) schmierte um beinahe 90 Prozent ab – auf lediglich 35 Millionen Euro. Unter dem Strich ergibt sich dadurch sogar ein Minus von 35 Millionen Euro.

„Siemens Gamesa kämpft wie alle Turbinen- und Rotorblatthersteller mit den Folgen des Preisdrucks in der Branche“, sagte Dirk Briese, Geschäftsführer von Windresearch, dem Handelsblatt. Rund um den Globus werden die Förderungen für Ökostrom gekappt. Die erfolgsverwöhnten Anbieter müssen sich auf einmal im Wettbewerb um die Höhe der Vergütungen streiten. Die Umstellung von staatlich garantierten Einspeisesystemen auf Auktionen, in denen nur noch derjenige den Zuschlag bekommt, der den geringsten Preis bietet, setzt der gesamten Industrie enorm zu.

„Es ging nicht um Strategie, sondern nur um die besten Posten“
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  • Bei diesem Wetter auch kein Wunder, dauernd dieser wechselnde Wind.

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