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Siemens-Hauptversammlung Streit um politische Aussagen: Investoren stärken Joe Kaeser den Rücken

Der Siemens-Chef bezieht immer wieder kontrovers Position. Wichtige Investoren begrüßen Kaesers Engagement für einen „inklusiven Kapitalismus“.
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Unternehmen haben auch eine gesellschaftliche Aufgabe, davon ist der Siemens-Chef überzeugt. Quelle: dpa
Joe Kaeser

Unternehmen haben auch eine gesellschaftliche Aufgabe, davon ist der Siemens-Chef überzeugt.

(Foto: dpa)

MünchenZum Auftakt der Siemens-Hauptversammlung am Mittwochsprach Joe Kaeser wieder einmal Klartext. „Ist der Shareholder Value alles, was zählt? Wohl eher nicht“, sagte der Siemens-Chef.

Wenn man aber Werte für die Gesellschaft schaffen wolle, dann müsse man sich auch dem gesellschaftlichen Diskurs stellen und „klar und deutlich Stellung beziehen“, zum Beispiel für eine nachhaltige Umweltpolitik und gegen Ausländerhass, Rassismus und Intoleranz. Dafür gab es Applaus der Aktionäre.

Kaum ein deutscher Topmanager äußert sich so engagiert zu politischen Themen wie Siemens-Chef Kaeser. Mit einem AfD-kritischen Twitter-Beitrag sorgte er ebenso für Aufsehen wie mit der Forderung eines „inklusiven Kapitalismus“ im Gespräch mit dem Handelsblatt vor wenigen Tagen.

Zwei Kleinaktionäre, einer davon von der AfD, wollten dem Siemens-Chef auf der Hauptversammlung wegen seiner politischen Äußerungen die Entlastung verweigern. Doch von wichtigen Investoren gab es am Mittwoch Rückendeckung für den Manager und seine öffentlichen Debattenbeiträge.

„Dass Sie sich in gesellschaftspolitische Debatten einmischen, findet unsere vollste Unterstützung“, sagte Christoph Niesel, Fondsmanager bei Union Investment. Die Wirtschaft sei Teil der Gesellschaft, daher müsse es auch für Unternehmenslenker möglich sein, Stellung zu relevanten Fragen zu beziehen.

„Einen Maulkorb für kritische Stimmen darf es nicht geben, weder in der Gesellschaft noch bei Siemens selbst“, sagte Niesel. Sonst lande man „in einer Welt der Jasager und Leisetreter, wo Fehlentwicklungen nicht mehr verhindert werden und der Fortschritt zum Besseren blockiert wird.“

Nach einer verbalen Entgleisung der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel im Bundestag hatte Kaeser im vergangenen Jahr ungewöhnlich klar Stellung bezogen. „Lieber Kopftuch-Mädel als Bund Deutscher Mädel. Frau Weidel schadet mit ihrem Nationalismus dem Ansehen unseres Landes in der Welt. Da, wo die Hauptquelle des deutschen Wohlstands liegt“, schrieb er auf Twitter.

Von Siemens-Mitarbeitern hatte Kaeser viel Zustimmung bekommen, im Internet wurde er dagegen auch beschimpft und bedroht. In einem Gegenantrag zur Hauptversammlung sprach nun ein Aktionär von einem „inakzeptablen NS-Vergleich“, ein anderer nannte Kaeser „politisch instinktlos“.

Siemens soll der Gesellschaft dienen

Doch große Investoren sehen das anders. Es gehöre auch dazu, „zu wichtigen gesellschaftlichen Themen Position zu beziehen“, sagte Marcus Poppe von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger sprach von „zwei unanständigen Gegenanträgen“. Kaeser sei ein „Bürger als Vorstand“ und solle seine Meinung kundtun. „Wir alle sollten aus der Vergangenheit lernen und das auch umsetzen.“

Auch Blackrock-Chef Larry Fink, mit dem sich Kaeser regelmäßig austauscht, hatte deutsche Topmanager kürzlich in einem Brief aufgefordert, drängende soziale und wirtschaftliche Fragen anzugehen.

Unternehmen haben auch eine gesellschaftliche Aufgabe, ist der Siemens-Chef überzeugt. Siemens diene der Gesellschaft, indem es „produziere, was relevant für die Gesellschaft ist“, sagte er dem Handelsblatt. „Wenn ich das Investoren sage, heben die schon mal die Augenbraue.“ Aber es gehe „nicht alleine um den maximalen kurzfristigen, sogenannten Shareholde-Value“.

Im Gegenteil müssten Unternehmen auch einmal auf den letzten Punkt Rendite verzichten. „Es muss nicht ausschließlich um die Interessen der Eigentümer und Aktionäre gehen.“ Angesichts der Spaltung der Gesellschaft berge der reine Shareholder-Value-Ansatz sogar Gefahren, weil „er einseitig auf vermögende Kapitalgeber fokussiert ist und die Schwächeren aus dem Blick verliert“.

Das bedeutet aber nicht, dass dem Siemens-Chef die Rendite egal ist. „Ich muss in meiner Branche zu den Besten der Welt gehören – vorzugsweise der Beste sein.“ Wenn man dann Erfolg habe, könne und müsse man der Belegschaft und der Gesellschaft etwas geben. „Inklusiven Kapitalismus“ nennt Kaeser diesen Ansatz, den Begriff haben auch schon andere geprägt.

Doch das Thema stoße inzwischen auf mehr Resonanz, sagte Kaeser auf der Hauptversammlung. „Immer mehr globale Unternehmen erkennen die Wichtigkeit der Integration ihrer Geschäfte in die Gesellschaft – sogar zunehmend auch die vom Shareholder Value geprägten amerikanischen Firmen.“

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