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Siemens Kaeser-Abschied rückt näher: „Ich schaffe mich eigentlich ab“

Im Sommer will der Siemens-Aufsichtsrat über die Nachfolge entscheiden. Dann könnte auch schnell der Wechsel zu Vize Roland Busch erfolgen.
29.01.2020 - 14:21 Uhr Kommentieren
Der Siemens-Chef war zuletzt wegen des Siemens-Auftrags im Rahmen des Adani-Minenprojekts in Australien in die Kritik geraten. Quelle: dpa
Joe Kaeser

Der Siemens-Chef war zuletzt wegen des Siemens-Auftrags im Rahmen des Adani-Minenprojekts in Australien in die Kritik geraten.

(Foto: dpa)

München Die Siemens-Hauptversammlung in der kommenden Woche könnte die letzte für Vorstandschef Joe Kaeser sein. Sein Vertrag läuft zwar noch ein Jahr bis zur Hauptversammlung Anfang 2021. Doch will der Aufsichtsrat im Sommer über die Nachfolge entscheiden – derzeit läuft alles auf seinen Vize und Technologievorstand Roland Busch zu.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Aufsichtsratskreisen ist es dann vorstellbar, dass der Wechsel „relativ zeitnah“ noch vor dem Aktionärstreffen 2021 vollzogen werden könnte. Noch seien aber keine Entscheidungen gefallen.

Zwischenzeitlich war spekuliert worden, dass Kaeser nochmals um zwei Jahre verlängern könnte – er selbst hatte dies für den Notfall nicht ausgeschlossen. Doch nun deutete auch er selbst ein mögliches Ende seiner Amtszeit an.

„Mit der Abspaltung und dem Börsengang der neuen Siemens Energy AG ist ein wesentlicher Meilenstein erreicht“, sagte Kaeser der Wochenzeitung „Die Zeit“ auf die Frage, ob er mit Ablauf seines Vertrages im Januar 2021 definitiv aufhören werde. „Das Siemens von heute wird es dann nicht mehr geben und damit auch nicht mehr den Arbeitsinhalt des heutigen Vorstandsvorsitzenden. (...) Deshalb schaffe ich diesen Job in seiner jetzigen Form, schaffe ich mich eigentlich ab.“

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    Das Handelsblatt hatte bereits vor einigen Monaten „Joe Kaeser schafft sich ab“ getitelt. Denn nach Einschätzung des Vorstandschefs und wichtiger Aufsichtsratskreise wird das Anforderungsprofil für den Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG nach der Aufspaltung in den kommenden Monaten ganz anders aussehen als bislang. Siemens trennt die Energiesparte mit 40 Prozent der Konzernumsätze ab und will sie an die Börse bringen.

    Die verbleibende Siemens AG wird dann deutlich kleiner sein – und ein anderes Profil haben. So wird künftig Siemens-Energy-Chef Michael Sen um die Welt reisen und versuchen, in Verhandlungen mit Regierungen und Energiekonzernen Kraftwerke und Windräder zu verkaufen. Bislang war hier Kaeser viel unterwegs.

    Dagegen ist an der Spitze der Siemens AG, die sich auf die Digitalen Industrien, die Intelligente Infrastruktur und das Bahntechnikgeschäft konzentriert laut Aufsichtsräten ein Ingenieur gefragt, der Innovationen vorantreibt und die verbliebenen Geschäfte zusammenhält. „Dafür ist Busch der richtige Mann. Er ist in den vergangenen Monaten in die Aufgabe hineingewachsen“, sagte ein Aufsichtsrat dem Handelsblatt.

    Viel Kritik an Kaeser

    Kaeser war zuletzt wegen des Siemens-Auftrags im Rahmen des Adani-Minenprojekts in Australien in die Kritik geraten. Die Münchener liefern für 18 Millionen Euro Signaltechnik für den Zug, der die Kohle zum Meer transportiert. Kaeser hatte der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer einen Aufsichtsratsposten angeboten, am Ende aber entschieden, aus Kunden- und Vertragstreue an dem Auftrag festzuhalten.

    Investoren kritisierten das Reputationsmanagement. „Die aktuelle Diskussion bestärkt uns darin, schnellstmöglich Klarheit in der Nachfolgeregelung zu fordern“, sagte Vera Diehl, Portfoliomanagerin bei Union Investment, dem Handelsblatt. Siemens brauche jetzt „klare Verhältnisse an der Spitze, damit sich das Unternehmen wieder aufs Geschäft konzentrieren kann, anstatt sich in Führungsdiskussionen zu verzetteln“.

    Auf der Hauptversammlung gibt es auch Gegenanträge von Kleinaktionären, die eine Entlastung Kaesers ablehnen. Öffentliche Kritik an dem Siemens-Chef gibt es von mehreren Seiten: Die einen waren über das Angebot an Neubauer empört, andere kritisierten, dass er an dem Auftrag festhielt.

    Kaeser stellte im Gespräch mit der „Zeit“ nochmals klar, dass er Neubauer kein Aufsichtsratsmandat, sondern einen Sitz im Nachhaltigkeitsausschuss anbieten wollte. Es habe ein Missverständnis gegeben. „Ich habe bewusst Aufsichtsgremium gesagt. (...) Tatsächlich war uns immer klar, dass ein Aufsichtsratsmandat nicht gehen würde. Dort wäre die Unabhängigkeit qua Funktion verloren.“

    Dass die Vertreterin der „Fridays for Future“-Bewegung ihm eine Absage erteilt habe, habe ihn nicht überrascht. „Denn damit hätte sie nicht mehr dieses deutsche Greta-Gesicht sein können.“ Klimaschützer sollten trotzdem einen Platz am Tisch bekommen, um Einblicke in komplexe Sachverhalte zu bekommen, sagte Kaeser. „Nur zu sagen 'Ich bin dagegen' bringt uns der Lösung nicht näher.“

    Wenn Kaeser wie geplant an Busch übergeben sollte, ist seine weitere Zukunft im Konzern noch offen. In Aufsichtsratskreisen geht man derzeit davon aus, dass Chefkontrolleur Jim Hagemann Snabe langfristig weitermachen will.

    Daher gilt es derzeit vor allem als möglich, dass Kaeser den Aufsichtsratsvorsitz der neuen Siemens Energy übernimmt. Hier müsste er rechtlich wohl auch keine zweijährige Abkühlphase einhalten. Doch auch das sei noch längst keine ausgemachte Sache, hieß es in Aufsichtsratskreisen.

    Mehr: Siemens-Chef Kaeser wirbt beim Treffen mit Trump dafür, den Klimawandel anzuerkennen. Den Dialog mit den Aktivisten will er trotz Kritik fortführen.

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