Siemens Kaeser soll Löscher dauerhaft beerben

Der Finanzchef von Siemens, Joe Kaeser, ist im Konzern groß geworden. Er liebt Scheinwerferlicht und glänzt mit Detailwissen. Am Mittwoch will der Siemens-Aufsichtsrat ihn als Nachfolger von Peter Löscher bestimmen.
Update: 29.07.2013 - 08:21 Uhr 42 Kommentare

Showdown im Siemens-Aufsichtsrat

MünchenNeuer Siemens-Chef soll nach Informationen des Handelsblatts Joe Kaeser werden. Darauf hat sich der mächtige Präsidialausschuss verständigt. „In der momentanen Situation ist das die beste Lösung. Kaeser kennt den Laden wie kaum ein anderer“, sagte ein Siemens-Manager.

Kaeser soll auf Dauer Chef werden, nicht nur für eine Übergangszeit. Offiziell ist dem Vernehmen nach aber noch nicht mit Kaeser gesprochen worden, es gibt auch keine formale Zusage von ihm. Der Finanzvorstand erwarte einen fairen Umgang mit Löscher, hieß es in seinem Umfeld. Löscher dürfte die Vertragsauflösung etwa neun Millionen Euro einbringen.

In Siemens-Kreisen wird davon ausgegangen, dass es nur noch um Formalien geht. Kaeser werde den Chefposten übernehmen - aus Loyalität dem Unternehmen gegenüber, aber auch aus persönlichem Ehrgeiz. Niemand im Unternehmen bezweifelt, dass er sich den Posten zutraut.

Am späten Samstagabend hatte Siemens nach Marathon-Beratungen der Aufsichtsräte bekanntgegeben, dass ein Wechsel an der Vorstandsspitze anstehe und am Mittwoch beschlossen werden solle. Wie Reuters, „Süddeutsche.de“, „FAZ.net“ und Welt.de“ dann später übereinstimmend meldeten, hätten sich die Aufsichtsräte bei ihrer Sitzung bereits mehrheitlich auf den 56-Jährigen verständigt.

Der Finanzvorstand galt vielen Beobachtern schon länger als eigentlicher Siemens-Chef. Womöglich tritt er nun schon bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Donnerstag offiziell als die Nummer eins des Konzerns vor die Öffentlichkeit.

Kaeser liebt die große Bühne, der Siemens-Finanzchef läuft vor Publikum zur Hochform auf. In eleganten Anzügen brilliert er mit seinem Detailwissen und ließ den bisherigen Vorstandschef regelmäßig blass aussehen. Während sein scheidender Chef sich häufig in Phrasen und Allgemeinplätze aus dem Handbuch für Management-Sprech flüchtete, hatte Kaeser selbst die abseitigsten Zahlen im Kopf und für alle Fragen eine Antwort parat.

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42 Kommentare zu "Siemens: Kaeser soll Löscher dauerhaft beerben"

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  • Exakt. Auch mein Eindruck. Wieso soll er sich nicht ebenfalls für die Zielverfehlung, die man offiziell auch Löscher zum Vorwurf macht, verantworten? Was läuft da eigentlich ab, ich nehme an, bis in den Aufsichtsrat hinein? Wer ist wessen Protegé? Für den Aktionär ist kein Neuanfang nur Mist.

  • "Niemand im Unternehmen bezweifelt, dass er sich den Posten zutraut."
    Was ist das denn für ein lustiger Satz? Nur so hingeschlurt oder absichtlich so formuliert? Möchte uns da jemand mitteilen, dass Kaeser der einzige ist, der meint, er könne den Job?

  • "Insofern sich die Sätze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher, und insofern sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit. "

    " Mathematische Theorien über die Wirklichkeit sind immer ungesichert - wenn sie gesichert sind, handelt es sich nicht um die Wirklichkeit. "
    Albert Einstein
    er WUSSTE ES . WARUM DARAUS EIN VORWURF MACHEN ???
    IST NICHT der , der NICHT PRÜFT und IMMERWIEDER MAL , EIN IDIOT ?

  • Gibt es da etwa parallele Ereignisse ?

    Bayern, CSU, Stoiber, Flughafen, Bayrische Landesbank, Amigos usw.
    Läuft doch alles bestens. Warum sollte sich was bei Siemens ändern ?

  • Der Schwerpunkt eines sog. Managers liegt in so einem trägen unregierbaren Unternehmen eben beim Aktienkurs. DEm ist ALLES untergeordnet. Meist zu Lasten der Belegschaft. Abgesehen davon, ist der mitgeschleppte Wasserkopf bei Siemens wie bei "staatlichen" Unternehmen viel zu groß. Von den Posten und Pöstchen ganz zu schweigen. Da ist die Debatte um einen Nachfolger völlig belanglos und übertrieben.
    Die Beispiele Daimler oder VW zeigen, daß der Schwerpunkt der Bilanzschönrechnung, sorry Gewinnmaximierung mittlerweile bei Aktivitäten im Finanzmarkt liegt, aber nicht bei der eigentlichen Intention: nämllich Produkte entwickeln, herstellen und verkaufen.
    Man könnte sagen, viel heiße Luft auch auf Kosten der Steuerzahler.

  • Siemens - good by

  • bis dato unfalsifiziert im großen und ganzen.
    schaun mer mal.

  • Der entscheidende Fehler war die Infragestellung der Vertragsverlängerung von Klaus Kleinfeld und damit die sanfte Entlassung durch Cromme aus Bedenken wegen der Schmiergeldaffäre im Konzern, die definitiv ihre Wurzeln vor der Ära Kleinfeld hatte (2005-2007).
    Dass Kleinfeld dem Konzern weiterhin gutgetan hätte, sieht man an seinen Erfolgen bei Alcoa.

    Das ganze ist ein Lehrstück für falsch verstandene political correctness und ihre himmelschreiende Doppelmoral, die Intransparenz kleiner Hinterstübchen in Konzernen ohne persönlich haftende Gesellschafter und den anhaltenden Brain Drain aus Deutschland, über en niemand redet, weil es schicker und leichter verkäuflich ist, sich über Nieten im Nadelstreifenanzug und Reichensteuer (definiert ab 100.000 € Jahreseinkommen) zu erregen.
    Armes Deutschland und arme deutsche Presselandschaft, dass darüber so gut wie niemand redet.

    Noch einmal: der entscheidende Fehler war der sanfte Rauswurf von Kleinfeld.

  • Selbst Einstein wußte um sein Geschwätz, deswegen wird es ja auch überprüft bis heute.

  • Man sollte sich vor Augen führen was so einen Bürohengst treiben könnte: I want to have fun.

    Nun hat es das.

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