Siemens-Tochter vor Mega-Börsengang Healthineers umgarnt die Investoren

Top-Manager auf Roadshow: Siemens-Vorstand Michael Sen und Healthineers-Chef Bernd Montag werben bei Investoren für den Börsengang der Siemens-Gesundheitssparte. Der Industriekonzern braucht dringend einen Erfolg.
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Der IPO der Siemens-Sparte könnte der größte Börsengang in Deutschland seit dem der Deutschen Telekom werden. Quelle: Reuters
Healthineers-Produktion in Forchheim

Der IPO der Siemens-Sparte könnte der größte Börsengang in Deutschland seit dem der Deutschen Telekom werden.

(Foto: Reuters)

LondonDer womöglich größte Börsengang in Deutschland seit mehr als 20 Jahren geht in die heiße Phase. Auf einem Kapitalmarkttag in London warben Siemens-Vorstand Michael Sen und Healthineers-Chef Bernd Montag am Dienstag vor potenziellen Investoren für den Börsengang der Siemens-Medizintechnik.

Die Analysten von Morgan Stanley schätzen den Wert der Healthineers auf 31 bis 44 Milliarden Euro. Siemens will zwar nur eine Minderheitsbeteiligung abgeben. Doch könnte es mit einem Emissionsvolumen von sechs bis zehn Milliarden Euro der größte Börsengang seit dem der Telekom 1996 werden.

Um diese Bewertung zu rechtfertigen, setzten Sen und Montag auf harte Zahlen: Mittelfristig sollen Healthineers organisch um vier bis sechs Prozent wachsen – und damit stärker als in den vergangenen Jahren, als die Zuwachsraten zwischen 2,0 und 4,8 Prozent lagen.

Zudem stellten die beiden Top-Manager bereinigte Profitmargen von 20 bis 22 Prozent für die Geschäftsbereiche Bildgebung und Advanced Therapies, sowie von 16 bis 19 Prozent für die Diagnostiksparte an. An die Börse kommt ein wachstumsstarkes, hochprofitables Unternehmen, lautet also die Botschaft. Der Börsengang könnte noch vor Ostern über die Bühne gehen.

Michael Sen trat als Erster vor die Kapitalmarktspezialisten. „Hochattraktiv“ seien die Märkte, in denen sich Healthineers bewege, sagte er. Die Abspaltung werde den Wandel in der Gesundheitsindustrie gestalten und „dabei beschleunigtes profitables Wachstum und Rendite im Blick behalten“.

Sen ist im Siemens-Vorstand für die Healthineers verantwortlich. Damit hat ihm Konzernchef Joe Kaeser sein derzeit wichtigstes Projekt anvertraut. Kaeser will statt des schwerfälligen Tankers Siemens einen agilen Flottenverband schaffen. Der neue Windkraftriese Siemens Gamesa war eher schwach mit zwei Gewinnwarnungen und einem Absturz des Börsenkurses gestartet. Bei der Medizintechnik – deutlich wichtiger für die Bewertung des Gesamtkonzerns – muss nun alles klappen.

Das weiß auch Montag. „Wir wollen als Healthineers mittelfristig deutlich stärker wachsen als zurzeit und haben dafür jetzt die Grundlage geschaffen“, versprach er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Im Geschäftsjahr 2017 waren die Erlöse um zwei Prozent auf 13,8 Milliarden Euro gestiegen. Für das Geschäftsjahr 2018 wurden in London drei bis vier Prozent Wachstum in Aussicht gestellt.

Was mal alles Siemens war
Siemens will sechs Milliarden Euro sparen
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Siemens Hausgeräte

Die bekannten Waschmaschinen, Kaffeeautomaten oder Staubsauger mit dem Siemens-Logo stammen in der Regel vom Gemeinschaftsunternehmen Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), das bereits seit 1967 existiert. Im Jahr 2013 stieg der BSH-Umsatz um 7 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich Siemens aus dem Geschäft ganz zurückgezogen und die Anteile für drei Milliarden Euro an den Partner Bosch verkauft.

Siemens Gamesa
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Das Geschäft mit Windturbinen hat Siemens im Jahr 2016 mit der spanischen Firma Gamesa zusammengelegt zu „Siemens Gamesa“. An der neuen Gemeinschaftsfirma hält Siemens 59 Prozent.

Im November 2017 besuchte die britische Königin Elizabeth ein Werk des Unternehmens in Kingston upon Hull (Bild).

Siemens Hörgeräte
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Die Hörgerätetochter wollte Siemens ursprünglich an die Börse bringen. Nun verkauft der Konzern sie für 2,15 Milliarden Euro. Die neuen Eigentümer sind der schwedische Finanzinvestor EQT und die Hexal-Gründerfamilie Strüngmann. Sollte sich das Geschäft gut entwickeln, bekommen die Münchner über einen Besserungsschein noch einen Nachschlag. Siemens bleibt mit 200 Millionen Euro Vorzugskapital an der traditionsreichen Tochter beteiligt.

Osram
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Osram

„Licht ist Osram“, lautet der Werbespruch von Osram. Von 1978 bis 2013 gehörte der Hersteller zu Siemens, dann brachte der Mutterkonzern die Tochter an die Börse. Die Siemens-Aktionäre wurden beteiligt. Der Markt ist jedoch im Umbruch, die Preise für LED-Leuchten sind wegen der großen Konkurrenz unter Druck. Der Hersteller fährt deswegen einen Sparkurs und streicht Stellen.

Gigaset bilanziert zweites Quartal
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Gigaset

Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen hat Siemens im Jahr 2008 an den Finanzinvestor Arques verkauft, der seit 2011 als Gigaset AG firmiert. Ein Streit über den Verkaufspreis zog sich bis weit in das Jahr 2010 hin, Siemens verzichtet schließlich wohl auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

huGO-BildID: 8061727 ** ARCHIV ** Ein Stopschild ist am 28. Sept. 2006 in Kamp-Lintfort an einer Produktionshalle des Handy-Herstellers BenQ zu sehe
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Siemens Mobile

Der Verkauf der Handy-Sparte an den taiwanischen Elektronikkonzern 2005 war für Siemens ein unrühmliches Kapitel. Das Rennen mit Branchengrößen wie Nokia konnte Siemens nicht mithalten, doch auch unter den neuen Besitzer hatte das Unternehmen keine Zukunft. Die Firma mit etwa 7000 Mitarbeitern stellte Ende 2006 die Produktion ein.

huGO-BildID: 31796967 FILES - A general view of Nokia Siemens Networks in Espoo on November 23, 2011. Finnish telecom equipment maker Nokia is buying
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Siemens Networks

Das Geschäft mit der Ausrüstung für Telefonnetze brachte Siemens im Jahr 2007 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia ein. Nokia Siemens Networks machte danach etliche Sparrunden durch. Anfang Juli kündigte Siemens den Verkauf seines 50-Prozent-Anteil für 1,7 Milliarden Euro an Nokia an.
Siemens hatte bereits seit langem den Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen gesucht. Mit dem Verkauf des NSN-Anteils treibe das Unternehmen die „Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter konsequent voran“, teilte Joe Kaeser, damals Siemens-Finanzvorstand, mit.

Erwartungen an Mega-Übernahmen nach dem Börsengang dämpfte Montag. „Wir wollen nicht als Abenteurer angesehen werden, die erst mal eine Riesenakquisition tätigen“, sagte er dem Handelsblatt. Vor die Kapitalmarktexperten in London trat der hochgewachsene Manager nach Sen auf die Bühne. Es seien „aufregende Zeiten“, sagte er. Das ganze Team sei bereit, das Unternehmen auf ein neues Level zu heben.

Montag sprach betont langsam, ein wenig war ihm die Aufregung anzumerken. Natürlich warb er mit Superlativen für sein Unternehmen. Dieses habe eine einzigartige Ausgangsposition. 70 Prozent aller klinischen Entscheidungen würden heute mit Technologien getroffen, die Siemens im Portfolio habe.

Im Markt für Bildgebung wie Röntgen und Computertomographie ist Siemens Weltmarktführer. Der Gerätemarkt ist laut Siemens-Schätzungen etwa 17 Milliarden Euro groß und wächst um etwa drei Prozent im Jahr. Im zweitgrößten Geschäftsfeld, der Labordiagnostik, sieht sich Siemens weltweit als Nummer zwei. Der Markt dürfte etwa 30 Milliarden Euro groß sein und um rund fünf Prozent im Jahr wachsen.

Zumindest der erste Eindruck stieß auf Wohlwollen an den Finanzmärkten. In einem freundlichen Umfeld legte die Siemens-Aktie am Mittag um gut ein Prozent auf 123,50 Euro zu. Doch erst die Roadshow in den nächsten Wochen wird zeigen, ob Siemens an den Finanzmärkten Begeisterung für die Healthineers auslösen kann.

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