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Siemens und Alstom ICE und TGV jetzt unter einem Dach

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Stellenabbau ist nicht ganz vom Tisch

Die beiden Konzerne wollen jährliche Synergien von 470 Millionen Euro spätestens im vierten Jahr nach Vollzug der Fusion bergen. Aktuell kommt der geplante Konzern auf Proforma-Basis auf ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 1,2 Milliarden Euro. Dies entspricht einer operativen Umsatzrendite von acht Prozent.

Berlin soll Sitz der Sparte Mobilitätslösungen sein, die Züge werden aus Frankreich geführt. Siemens entsendet inklusive des Vorsitzenden sechs Mitglieder in den elfköpfigen Verwaltungsrat. Siemens soll seine Bahnaktivitäten als Sacheinlage bei Alstom einbringen, für die Alstom-Aktionäre gibt es noch zwei Sonderdividenden.

Damit aber ist die Fusion noch lange nicht durch. Die Alstom-Aktionäre müssen der Fusion auf einer Hauptversammlung zustimmen. Zudem sind da die Kartellfragen. Zwar ist auch Bombardier in Europa stark, doch wollen sich zwei zentrale Spieler zusammenschließen. „Gerade im Bereich der Hochgeschwindigkeitszüge können die Beteiligten auf Probleme treffen, wenn die Kartellbehörden eine räumlich enge Marktdefinition wählen“, sagte Kartell-Experte Martin Gramsch von der Kanzlei Simmons&Simmons dem Handelsblatt. Im Umfeld von Siemens und Alstom wird darauf verwiesen, dass der Zugmarkt heutzutage ein globaler sei. Daher könne man nicht allein den europäischen Markt zum Maßstab nehmen, wenn gleichzeitig der neue chinesische Branchenriese CRRC auf die Märkte dränge.

Fusion der Zug-Giganten: Siemens und Alstom planen „Airbus der Schienen“

Auch für die EU-Komission sei die Marktdefinition nicht auf Europa beschränkt, betonte Kartellexperte Gramsch. Entscheidend sei die Sicht der Kunden -  und die könnten Produkte auch von anderswo beziehen. „Insofern könnte der Bewertung auch ein weltweiter Markt zugrunde gelegt werden.“

Branchenkenner gehen aber davon aus, dass das Projekt, womöglich mit Auflagen, realisierbar ist. „Die europäische Fusion ist eine adäquate Antwort auf die Herausforderungen“, sagte ein Brancheninsider. Da sei zum einen der neuen chinesische Weltmarktführer. Zudem habe die ganze Branche ein „Kosten- und Kapazitätsproblem“. Im Umkehrschluss heißt dies aber auch: Bei allen Zusagen, die es an die Arbeitnehmervertreter gibt, könnte es am Ende im neuen Konzern an der einen oder anderen Stelle auch Stellenabbau geben. So gibt es viele Doppelfunktionen und freie Produktionskapazitäten. Zudem wird es auf Dauer wohl nicht sinnvoll sein, zum Beispiel mit dem TGV und dem ICE zwei verschiedene Hochgeschwindigkeitszüge weiterzuentwickeln.

Die Zugfusion ist der nächste große Schritt beim Umbau des Konzerns durch Siemens-Chef Joe Kaeser. Nach seinem Amtsantritt hatte er vor allem Siemens als integrierten Technologiekonzern herausgestellt. Er wollte mit der Nutzung von Synergien zwischen den Geschäften zeigen, dass das Konglomerat seinen Sinn ergibt.

Doch hat Kaeser einen Strategieschwenk vollzogen: Siemens bekommt stärker den Charakter einer Holding. Das Windgeschäft wurde mit dem Konkurrenten Gamesa zusammengelegt und firmiert nun als Siemens Gamesa mit Sitz in Spanien an der Börse. Auch die Medizintechnik soll als Healthineers im kommenden Jahr an die Börse. Die Motoren für Elektro-Autos brachte Siemens in ein 50:50-Gemeinschaftsunternehmen mit Valeo ein. Nach Informationen des Handelsblatts wurde eine Option vereinbart, dass die Franzosen in ein paar Jahren die Führung übernehmen und Siemens herauskaufen können.

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Börsianer jubeln, Kaeser ist optimistisch
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4 Kommentare zu "Siemens und Alstom: ICE und TGV jetzt unter einem Dach"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was die Chinesen oder Inder nicht kaufen, schenken wir Frankreich.
    Na, irgendwie muss man Deutschland doch kleinkriegen.
    In ein paar Jahren ist es geschafft.

    Genau wie Airbus wird dann Frankreich diktieren, was mit dem Konzern geschieht.
    Danke Frau Merkel. Vielleicht sollte man mal hier etwas in Deutschland behalten, als Ausgleich für Airbus.

    Aber nein, wir sind zu blöd, die Manger zu gierig um es zu erkennen.
    Wers noch nicht gemerkt hat, Frankreich hat noch nie etwas getan, was nicht zu seinem Vorteil wäre, im Gegensatz zu uns besitzen die Franzosen ein gesundes Nationalbewußtsein.
    Uns wurde das aberzogen, sollte einer doch so etwas entwickeln, hat man die Nazikeule rausgeholt.

  • Wir kennen das bereits von Airbus:

    Vernichtung der deutschen Luftfahrtindustrie. Nun also die Bahnindustrie.

  • "Ein Hund mit Flöhen." Es hat noch nie funktioniert wenn sich Deutsche und Franzosen einigen. Die Airbus Zentrale wurde auch in Toulouse gebaut und die Stellen in München abgebaut. ENBW ging an EdF ohne das der Strommarkt in Frankreich für Deutsche Versorger geöffnet wurde. Der TGV von SNCF brettet durch Deutschland während der ICE kaum Paris erreicht bei der Deutschen Bahn. Mit anderen Worten, viele Versprechen, viele Verluste auf unserer Seite und die deutsche Politik schaut zu, wie immer.

  • Hier gibt es wohl einen Schreibfehler:
    "Ohne Partner steht nun die kanadische Alstom da, mit der Siemens ebenfalls verhandelt hatte."
    Es muss doch Bombardier heißen!