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Siemens Vorbereitungen für die Machtübernahme bei Siemens: Roland Busch klärt Top-Personalien

Cedrik Neike soll die Schlüsselposition des Industrievorstands übernehmen. Sein Nachfolger soll Matthias Rebellius werden. Auch eine Personalchefin ist gefunden.
12.07.2020 - 14:00 Uhr Kommentieren
Der Konzernvize wird spätestens Anfang Februar Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. Quelle: Thomas Dashuber für Handelsblatt
Roland Busch

Der Konzernvize wird spätestens Anfang Februar Vorstandsvorsitzender der Siemens AG.

(Foto: Thomas Dashuber für Handelsblatt)

München In seinem Büro bei Siemens hat Roland Busch neuerdings eine Gitarre stehen. Früher spielte er sogar einmal in einer Band. Doch bislang hat er nur einmal spät abends nach der Arbeit Zeit gefunden , ein wenig darauf zu spielen. Es ist einfach zu viel zu tun. Der 55-Jährige ist Konzernvize, Technologievorstand, Arbeitsdirektor sowie im Vorstand für die Start-up-Einheit Next47 und die künftigen Kerngeschäfte zuständig. Spätestens Anfang 2021 übernimmt er den Vorstandsvorsitz von Joe Kaeser.

Die Vorbereitungen für die Machtübernahme bei dem Münchener Dax-Konzern laufen auf Hochtouren. Gemeinsam mit Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe baut sich Busch derzeit sein Führungsteam zusammen. Die Gelegenheit ist günstig, denn zwei Schlüsselpositionen müssen neu besetzt werden. Seit dem Abgang von Janina Kugel gibt es eine Vakanz auf dem Posten der Personalchefin, zudem geht kommenden März Industrievorstand Klaus Helmrich in den Ruhestand. Er erreicht dann die übliche Altersgrenze von 63 Jahren.

Nach Informationen des Handelsblatts aus dem Umfeld des Unternehmens sind die Weichen für die wichtigen Vorstandspositionen gestellt. Schon in der kommenden Woche wird laut Industriekreisen die neue Personalchefin präsentiert, eine Deutsche, die derzeit bei einem anderen Unternehmen im Ausland arbeitet.

Auch bei der operativ wichtigsten Aufgabe zeichnet sich eine Lösung ab: Die Verantwortung für die Digitalen Industrien soll Cedrik Neike von Helmrich übernehmen. Neike ist seit April 2017 Mitglied im Siemens-Vorstand und führt derzeit die Einheit Smart Infrastructure mit der Gebäudetechnik und den Energiesystemen.

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    Damit rückt der 47-Jährige auf eine Schlüsselposition. Das Geschäft mit der Automatisierung der Industrie und mit Industriesoftware ist die Vorzeigesparte der neuen Siemens AG, wenn Siemens Energy abgespalten ist. Vor allem auf diesem Feld wird sich entscheiden, ob die Aufteilung des Konzerns ein Erfolg wird.

    Der jüngste Siemens-Vorstand soll eine Schlüsselrolle übernehmen. Quelle: Siemens
    Cedrik Neike

    Der jüngste Siemens-Vorstand soll eine Schlüsselrolle übernehmen.

    (Foto: Siemens)

    Siemens wollte die Informationen nicht kommentieren. Noch sind die finalen Entscheidungen nicht gefällt. In den Vorstand aufrücken soll Matthias Rebellius, der bereits als Chief Operating Officer die operativen Geschäfte von Smart Infrastructure führt und CEO von Siemens in der Schweiz ist. Der 55-Jährige gilt als Vertrauter von Busch. Als dieser den damaligen Infrastruktursektor führte, schickte er Rebellius eine Zeit lang in die USA, der Kontakt blieb immer eng.

    Für Busch sei der Vorstandsumbau die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen, sagt ein Insider. „Er muss sich ein Stück weit von Kaeser emanzipieren.“ Kaesers Strategie habe der künftige Chef ja immer mitgetragen, da werde er die Strukturen nach der offiziellen Amtsübernahme nicht radikal umbauen. Da sei es wichtig, personell sein eigenes Team aufzustellen.

    „Die gegenwärtige Situation sorgt dafür, dass sich Busch rasch eine Hausmacht aufbauen kann“, ist auch Andreas Föller, Gründer der Personalberatung Comites, überzeugt: Dies gelte umso mehr, da er ohnehin intern sehr viele Unterstützer habe. Der Wechsel stehe in gewisser Hinsicht auch für Diversität, denn: „In vielerlei Hinsicht sind Busch und Kaeser hochkomplementär, und genau deshalb wird Siemens von diesem Wechsel profitieren.“

    Denn viele im Unternehmen sehnen sich danach, dass wieder einmal ein Techniker die Führung übernimmt. Der Diplom-Physiker Busch ist bekannt dafür, dass er sich inhaltlich sehr tief in die Themen einarbeitet, gerade wenn es irgendwo Probleme gibt. Zudem steht er stark für das Thema Innovationen – und damit für Wachstum und nicht primär für Portfoliomanagement und Restrukturierungsprogramme.

    Neike ist ein Valley-Kenner mit Siemens-Wurzeln

    Kaeser baute den Konzern stark um – er nennt es lieber eine Weiterentwicklung. Ende September kommt die Energietechniksparte mit den Kraftwerken und den Erneuerbaren Energien an die Börse. Damit trennt sich Siemens von knapp 40 Prozent der Umsätze und konzentriert sich voll auf die Digitalgeschäfte. Die außerordentliche Hauptversammlung stimmte den Plänen in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit zu.

    Für Busch gilt es, die neue, kleinere Siemens AG wenn möglich zu alter Größe zurückzuführen. Handlungsbedarf gibt es bei der neuen Siemens AG insbesondere bei Smart Infrastructure.

    Zwar hat das „operative Unternehmen“, wie Siemens die Einheiten nennt, mit zuletzt gut 15 Milliarden Euro Umsatz unter Neikes Führung einige Fortschritte gemacht. Allerdings ist das Geschäft, zu dem zum Beispiel auch der Verkauf von Feuermeldern gehört, noch immer sehr kleinteilig. Damit es für einen Infrastrukturkonzern wie Siemens interessant wird, muss es um die digitale Steuerung und Vernetzung von Gebäuden und Städten gehen. „Der Software-Anteil muss deutlich erhöht werden“, sagt ein Insider. Auch im Bereich der Niederspannungsprodukte muss Siemens die Position verbessern.

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    Neike hatte nach einem MBA an der Insead Business School seine Karriere 1997 bei Siemens begonnen. Vier Jahre später wechselte er zum Cisco-Konzern, für den er in Deutschland und den USA arbeitete, ehe er 2017 als Vorstand zu Siemens zurückkehrte. Ein Digitalisierungsexperte mit Siemens-Wurzeln, der auch das Silicon Valley kennt, das schien vielen als Idealbesetzung. „Neike hat sich gut wieder bei Siemens eingelebt“, sagt ein Kenner des Unternehmens, „mit seiner offenen, aber verbindlichen Art kommt er gut an.“

    Allerdings galt es intern manchen als Nachteil, dass Neike Smart Infrastructure vor allem aus Berlin heraus verantwortet. Das Herz der Einheit schlägt in Zug in der Schweiz, wo die Gebäudetechnik sitzt – und wo Rebellius die Geschäfte führt.

    Im Podcast Handelsblatt Disrupt betonte Neike kürzlich seine Leidenschaft für das Infrastrukturgeschäft. 90 Prozent seines Lebens verbringe man in Gebäuden, zudem würden 40 Prozent der weltweiten Energie in Gebäuden verschwendet. „Da bewegt mich schon die Idee, wie ich Gebäude und Energienetze effizienter optimieren kann.“

    Siemens hat ein Problem mit mangelnder Diversität

    Dennoch dürfte die Führung der Digitalen Industrien für ihn ein Stück weit attraktiver sein. Weniger, weil die Einheit mit 16,1 Milliarden Euro einen Tick größer ist. Die Bedeutung für den Konzern ist noch einmal deutlich größer. Siemens ist Weltmarktführer bei Industriesoftware und -automatisierung. Die operative Umsatzrendite lag im vergangenen Geschäftsjahr bei stolzen 18 Prozent.

    Zudem ist die Bedeutung von Siemens bei der Industrie 4.0 für Deutschland und Europa groß. Noch ist nicht entschieden, wer das Feld dominieren wird: Die US-IT-Konzerne, Plattformbetreiber aus China oder die europäischen Anbieter, die auch stark in der Hardware, etwa dem Maschinenbau verankert sind. Siemens habe die Chance, „die Verbindung zwischen digitaler und realer Welt von vorn mitzugestalten“, sagte Neike. Beim Thema Industrie 4.0 schaue die Welt auf Deutschland.

    Die Fußstapfen der Vorgänger sind groß. Siegfried Russwurm, der kommende BDI-Präsident, war der große Industrie-4.0-Erklärer. Nachfolger Helmrich ist zwar kommunikativ deutlich zurückhaltender, gilt aber als exzellenter Fachmann. Unter Neike dürften die Themen Digitalisierung und Software nochmals an Bedeutung gewinnen.

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    Die operativen Führungspositionen werden bei Siemens also wieder mit Männern besetzt. Dabei hat der Konzern ein Problem mit mangelnder Diversität. Lange war bei Siemens der Frauenanteil in der Führungsspitze höher als bei anderen Unternehmen, zudem waren auch ausländische Führungskräfte im Vorstand.

    Mit dem Abgang von Personalchefin Janina Kugel, die ihren Vertrag nach einer Amtszeit nicht verlängerte, und von Lisa Davis, die für die Energie zuständig war, hat sich das geändert. Zuletzt verkündete mit Mobility-Chefin Sabrina Soussan eine weitere Topmanagerin ihren Abgang bei Siemens.

    Neue Personalchefin soll in Kürze präsentiert werden

    Dabei hatte der Aufsichtsrat 2018 ein Diversitätskonzept beschlossen. Darin heißt es: „Ziel ist es, eine möglichst vielfältige, sich gegenseitig ergänzende Zusammensetzung eines führungsstarken Vorstands sicherzustellen.“ Zielgröße für den Sommer 2022 sei ein Frauenanteil von 25 Prozent im Vorstand.

    Auch deshalb war es im Aufsichtsrat Konsens, dass das Personalressort wieder mit einer Frau besetzt wird. Beim Posten des Arbeitsdirektors hat dabei die bei Siemens mächtige IG Metall ein gehöriges Wort mitzureden. Als sich einst Personalchefin Brigitte Ederer mit den Arbeitnehmervertretern überwarf, musste sie ihren Posten abgeben.

    Die Suche nach der idealen Besetzung war daher nicht einfach. Siemens ist aber fündig geworden. Die Managerin wird voraussichtlich in den kommenden Tagen der Öffentlichkeit präsentiert.

    Siemens-Vize Busch kommt damit bei der Konsolidierung seiner Macht einen großen Schritt voran. Auf sein Team dürfte er sich verlassen können. Im Handelsblatt Disrupt-Podcast sagte Neike: „Ich werde alles tun und wir werden alles tun, damit Roland ein fantastischer CEO wird.“

    Mehr: Joe Kaeser über die Welt nach Corona und seinen Abschied als Siemens-Chef.

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