„Siemensstadt 2.0“

Siemens will in Spandau bis zum Jahr 2030 einen Technologiepark und Inkubator mit Wohnmöglichkeiten schaffen

(Foto: Siemens Pressebild)

„Siemensstadt 2.0“ Darum investiert Siemens 600 Millionen Euro in Berlin

Berlin schlägt Singapur: Lange hat Siemens um den Standort für seinen Technologiepark gerungen. Nun schafft der Konzern in der Hauptstadt ein Versuchslabor für eine „neue Arbeits- und Lebenswelt“.
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MünchenEs ist die größte Einzelinvestition, die je ein Unternehmen in Berlin getätigt hat: Siemens will für 600 Millionen Euro auf dem historischen Siemens-Gelände einen Technologie-Campus in der Hauptstadt errichten. Nach der Absage von Google vor wenigen Wochen gibt es damit nun eine positive Nachricht für den Wirtschaftsstandort Berlin.

„Es stört mich, dass alle, die über Innovation reden, ein Ticket kaufen und nach San Francisco fliegen. Hier in Berlin gab es schon Start-ups, da gab es im Silicon Valley noch nicht mal Garagen“, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser bei der Präsentation des Projekts in Berlin.

Siemens will in Spandau bis zum Jahr 2030 einen Technologiepark und Inkubator mit Wohnmöglichkeiten schaffen. Das Projekt steht unter dem Namen „Siemensstadt 2.0“. Der Konzern kehrt damit zu seinen Wurzeln zurück. Das Traditionsunternehmen war 1847 von Werner von Siemens in einem Berliner Hinterhof gegründet worden. Heute gibt es zwar noch unter anderem ein Turbinenwerk in der Hauptstadt, die Zentrale aber zog nach dem zweiten Weltkrieg nach München um.

„Das Gründungskonzept der Siemensstadt 1897 bestand darin, Arbeiten, Forschung und Wohnen zu vereinen und damit eine intakte Symbiose für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen“, sagte Kaeser. Auch heute müsse man „die Zukunft der Arbeit neu denken“.

Siemens wolle die Industrie 4.0 – also die Idee der durchgehenden Digitalisierung der Produktion – „auch im sozioökonomischen Umfeld führend gestalten“. Dazu gehöre ein vernetztes Ökosystem „mit flexiblen Arbeitsbedingungen, gesellschaftlicher Integration und bezahlbarem Wohnraum“. All das soll in der Siemensstadt 2.0 realisiert werden.

Das Projekt erstreckt sich über eine Fläche von 70 Hektar. Siemens will nach eigenen Angaben eine „neue Arbeits- und Lebenswelt“ schaffen. Ziel sei es außerdem, im Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft ausgewählte Schlüsseltechnologien und Innovationsfelder zu stärken“. Dazu sollten auf dem Gelände auch Forschungs- und Gründungszentren sowie außeruniversitäre und wissenschaftliche Einrichtungen und deren Partnerunternehmen angesiedelt werden.

Das Engagement von Siemens in Berlin beinhaltet auch die Schaffung von 50.000 bis 60.000 Quadratmetern mietpreisgebundenen Wohnens, so Vorstandschef Kaeser. Wirtschaftliche, ökologische und soziale Interessen kämen hier zusammen.

Mit der Entscheidung für Berlin gibt Siemens ein Bekenntnis zum Heimatstandort ab. Um den Innovationscampus war lange gerungen worden. Siemens hatte auch eine internationale Ausschreibung erwogen und zum Beispiel Singapur als möglichen Standort geprüft.

„Berlin wird mehr und mehr zur Smart City“

Die Verhandlungen mit der Stadt waren komplex. So gab es unter anderem Fragen des Denkmalschutzes und der Anbindung des Campus an die digitale Infrastruktur zu klären. Siemens forderte, dass der Standort lückenlos mit schnellem Breitband-Internet ausgestattet wird.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz: „Wir werden das Thema Digital und Sozial auch mit Hilfe dieser größten Einzelinvestition in Berlin weiterverfolgen, denn die zunehmende Digitalisierung verändert nicht nur die Arbeitswelt, sondern das Leben vieler Menschen, so wie dies in der industriellen Revolution schon einmal passiert ist.“

Das Bekenntnis zu Berlin werde „Impulse für die nächsten 20 Jahre setzen.“ Es entstünden Arbeitsplätze, der Wissenschaftsstandort werde profitieren und die Infrastruktur entwickelt. „Berlin wird mehr und mehr zur Smart City.“

Dem Vernehmen nach hatte Siemens-Vorstand Cedrik Neike bei seinen Kollegen für den Standort geworben. „Als gebürtiger Berliner freue ich mich ganz persönlich über diese Vereinbarung“, sagte er nun. Siemens schaffe „ein für alle offenes Ökosystem, um Arbeiten, Forschen, Wohnen und Lernen auf einem Areal zusammen zu bringen.“

Themen in dem Technologiepark sind unter anderem dezentrale Energiesysteme, Elektromobilität, Industrie 4.0 und maschinelles Lernen. In Abstimmung mit dem Senat will Siemens einen städtebaulichen Wettbewerb durchführen.

Siemens entschied sich damit nun anders als zuletzt Google. Der US-Konzern wollte in Kreuzberg einen Google-Campus errichten, und hatte dafür 3000 Quadratmeter in einem Umspannwerk gemietet. Im Viertel gab es jedoch auch Widerstand gegen eine angeblich durch Google drohende weitere Gentrifizierung, die sich zum Beispiel in Form von steigenden Mieten zeigen könnte.

Der Siemens-Chef bekennt sich zu Berlin. Quelle: Reuters
Joe Kaeser

Der Siemens-Chef bekennt sich zu Berlin.

(Foto: Reuters)
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