Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Signify und Osram Mit UV-C gegen Corona: Wie Lichtkonzerne von der Pandemie profitieren wollen

UV-C-Strahlung kann das Virus wirkungsvoll bekämpfen. Weltmarktführer Signify hat die Kapazitäten verachtfacht. Auch Osram hofft auf ein großes Geschäft.
10.08.2020 - 11:43 Uhr Kommentieren
Die Lichtbranche kann Zusatzimpulse gut gebrauchen. Quelle: Signify
Luftdesinfektionssystem von Signify im Krankenhaus

Die Lichtbranche kann Zusatzimpulse gut gebrauchen.

(Foto: Signify)

München Alle paar Stunden geht derzeit ein Putzteam durch die Büros von Signify in Hamburg und reinigt und desinfiziert die Räume. Derzeit prüft das Management, ob es sich lohnt, stattdessen UV-C-Licht-Lösungen aus dem eigenen Haus im Kampf gegen die Coronaviren einzusetzen.

Diese Diskussionen werden aktuell in vielen Unternehmen geführt. „Es vergeht kein Tag, an dem sich nicht ein interessierter Kunde meldet“, sagt der neue Signify-Deutschland-Chef Roger Karner. Die Technologie gebe es im Grunde bereits seit 35 Jahren. „Doch nun erschließen sich ganz neue Märkte.“

Vor der Pandemie war die UV-C-Lichtdesinfektion vor allem etwas für Krankenhäuser und Labore. Heute sei sie auch für Büros, die Gastronomie, Schulen, Lager und Fabriken ein Thema, sagt Karner. „Überall dort, wo die Rückkehr zur Normalität geschafft werden muss.“

Signify gehörte früher zum Elektronikkonzern Philips und ist seit Mai 2016 ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen. Der Licht-Weltmarktführer wittert ein großes Geschäft. Die Kapazitäten für die UV-C-Technologie wurden zuletzt glatt verachtfacht. Auch Konkurrent Osram und Spezialisten wie Heraeus Noblelight engagieren sich auf dem Feld.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Lichtbranche kann die Zusatzimpulse gut gebrauchen. Zwar handelt es sich um einen Wachstumsmarkt, allein in Deutschland erzielen die Hersteller mit Lampen und Beleuchtung Jahresumsätze von 8,5 Milliarden Euro. Doch ist der Markt hart umkämpft. Früher teilten sich die drei großen Anbieter Osram, Philips und GE den lukrativen Glühbirnenmarkt. Im LED-Zeitalter gebe es zig Wettbewerber, sagt Karner. Der Preisdruck ist groß.

    Das Luftdesinfektionssystem kommt in Krankenhäusern ebenso zum Einsatz wie in Büros. Quelle: Signify
    UV-C-Technologie von Signify

    Das Luftdesinfektionssystem kommt in Krankenhäusern ebenso zum Einsatz wie in Büros.

    (Foto: Signify)

    Nun kam auch noch Corona hinzu. Auch die Lichtkonzerne bekommen die Krise zu spüren. Bei Signify sanken die Erlöse im zweiten Quartal um gut 22 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Damit schlugen sich die Niederländer aber zumindest besser als erwartet. Der Gewinn unter dem Strich stieg sogar von 50 auf 81 Millionen Euro. Doch sagt Karner mit Blick auf Deutschland: „Wir sind derzeit natürlich nicht auf dem Niveau von vor der Krise.“

    Keine Abwehrmechanismen bei Bakterien und Viren

    Umso wichtiger ist es, auch die Chancen der Krise zu nutzen. Da ist zum einen das Desinfektionsthema. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig es ist, Viren und Bakterien zu bekämpfen, sagt Karner. „Das Thema wird uns nicht mehr loslassen.“ Bei UV-C sei Signify in einer klaren Führungsposition.

    Die kurzwellige UV-C-Strahlung ist der energiereichste Teil der UV-Strahlung. Auf der Erdoberfläche kommt sie natürlich nicht vor, da sie fast komplett von der Ozonschicht absorbiert wird. Bakterien und Viren haben deshalb keine Abwehrmechanismen dagegen entwickelt.

    Der neue Deutschland-Chef von Signify sieht große Chancen in der Digitalisierung. Quelle: Signify
    Roger Karner

    Der neue Deutschland-Chef von Signify sieht große Chancen in der Digitalisierung.

    (Foto: Signify)

    Durch das ultraviolette Licht kann die Viren- und Bakterienlast nach Angaben der Hersteller so um mehr als 99,99 Prozent reduziert werden. Daher ist es im Einsatz zur Desinfektion effektiv. Die Universität Boston hat bestätigt, dass es auch gegen Corona effektiv ist.

    Die Einsatzmöglichkeiten sind groß. So haben verschiedene Start-ups wie InSystems Automation Desinfektionsroboter für Krankenhäuser entwickelt. Das Licht kann aber auch zur Luft- und Wasserentkeimung eingesetzt werden.

    Auch beim Signify-Konkurrenten Osram ist man von den Chancen der Technologie überzeugt. „Wir arbeiten intensiv daran, das Produktionsvolumen für unsere UV-C-Desinfektionssysteme zu vergrößern, weil sie einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen das Coronavirus leisten können“, sagt Wilhelm Nehring, Chef der Digital-Sparte von Osram. Der Einsatz in Krankenhäusern in Wuhan und Peking, China, habe die Wirksamkeit gegen das Coronavirus bestätigt.

    Osram hat seine „Air Zing Pro“-Modelle mit einer intelligenten Sensorik ausgerüstet. Der Infrarotsensor erkennt Personen im Raum und schaltet „Air Zing“ sofort aus, sobald jemand unerwartet das Zimmer betritt, um Verletzungen von Augen und Haut durch das UV-C-Licht zu vermeiden. Der „Air Zing Mini “ kann Viren und Bakterien aus der Luft in Autos entfernen.

    Der Technologiekonzern Heraeus Noblelight hat viele desinfizierende UV-Licht-Lösungen für die Industrie entwickelt. Sie kommen zum Beispiel in großen Flughäfen wie Singapur zum Einsatz, aber auch in Schlachtereien. Die keimbehaftete Luft wird durch Abluftkanäle geleitet, dort werden UV-Lampen verbaut.

    Das Licht kann so nicht in den Raum strahlen und ist daher für die Mitarbeiter gesundheitlich unbedenklich. Die Fleischindustrie in Deutschland war, vor allem Marktführer Tönnies, stark von Corona betroffen.

    Lösungen für das Homeoffice

    Signify hat zwölf neue UV-C-Produktfamilien auf den Markt gebracht. Die Palette reicht von einer Art Deckenstrahler zur Desinfektion der Luft bis zu Desinfektionskammern, in denen Gegenstände desinfiziert werden können.

    Es gibt noch eine weitere Folge von Corona, von der die Lichtkonzerne profitieren wollen. „Viele Kunden setzen künftig stärker auf Homeoffice und wollen die Büroflächen verringern“, sagt Karner. Helfen könnte da ein Lichtsystem, das die Anwesenheit erfasst. Auf so eine sensorbasierte Technologie setzt auch Enlighted, ein Start-up, das zu Siemens gehört. Die Lösung soll kombiniert mit einer App helfen, den Abstand im Büro zu wahren.

    Auch für Zuhause versprechen die Hersteller seit vielen Jahren das vernetzte Heim. In den Privathäusern sei die Vernetzung langsamer vorangekommen, als manche Experten erwartet hatten, räumt auch Kerner ein. „Der Kunde ist erwachsen und will nicht nur ein lustiges Gimmick. Doch der Markt wächst langsam, aber beständig.“ Viele Menschen hätten die Coronazeit genutzt, um ihr Haus technologisch mit vernetzten Lösungen aufzurüsten.

    Als Weltmarktführer habe Signify die Möglichkeit, Standards bei der Konnektivität zum Beispiel mit seiner Internet-der-Dinge-Plattform Interact und dem Steuerungssystem Hue zu setzen. „Wir haben den Anspruch, überall und in jedem Bereich Marktführer zu sein.“

    Mehr: Neuer Eigentümer AMS will Osram rasch unter Kontrolle bringen.

    Startseite
    Mehr zu: Signify und Osram - Mit UV-C gegen Corona: Wie Lichtkonzerne von der Pandemie profitieren wollen
    0 Kommentare zu "Signify und Osram: Mit UV-C gegen Corona: Wie Lichtkonzerne von der Pandemie profitieren wollen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%