Software, Chips, Solarenergie: Die autonome Bewegung: Diess verordnet VW nach der E-Mobilität schon die nächste Revolution
Der VW-Chef will dem Vorbild von Tesla und Apple folgen.
Foto: Thomas Kuhlenbeck
- Vorstandschef Herbert Diess verordnet VW nach der Elektromobilität gleich die nächste Revolution: Mit eigenen Prozessoren will er das vollvernetzte und selbstlenkende Fahrzeug erschaffen.
- Die Strategie 2030, die der VW-Chef derzeit ausarbeitet, soll den Konzern auf Augenhöhe mit Tesla und Apple heben. Aber findet darüber das lukrative Kerngeschäft noch genug Beachtung? Daran zweifeln viele im Unternehmen.
- Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt VW-Chef Herbert Diess, warum Autobauer Software und Hardware verstehen müssen – und warum die Digitalisierung ein größerer Umbruch ist als die Elektrifizierung.
- Vorbei die Zeiten, in denen nur die Tesla-Aktie stieg: Bei Anlegern stehen plötzlich auch etablierte Autohersteller im Fokus. Vier Tesla-Jäger mit Kurspotenzial.
Immer diese Videokonferenzen! Einmal im Monat lädt VW-Chef Herbert Diess seine Topführungskräfte zu einer Zusammenkunft ein. Er will sie auf Spur halten – oder bringen. Viele beklagen sich über die Dichte der Videoschalten parallel zum Tagesgeschäft. Was aber Diess am Mittwoch vor gut zwei Wochen via Skype seinen Leuten sagte, überraschte und fesselte die rund 200 zugeschalteten Manager.
Angesprochen auf die jüngsten Lieferengpässe bei Computerchips, holt Diess weit aus. Volkswagen werde in die Entwicklung eigener Chips einsteigen, kündigte der Vorstandschef an. Nicht in die Fertigung von Massenware, sondern in das Design von Hochleistungsprozessoren. Anders werde man gegen die erstarkende Konkurrenz langfristig nicht bestehen können. Apple, Tesla und einige der neuen Herausforderer aus China könnten bereits ihre eigenen Prozessoren bauen, „wir sind heute dazu nicht in der Lage“.
Manche Zuhörer rollten bei diesen Worten mit den Augen, wie Teilnehmer erzählen. „Nicht schon wieder Tesla“, sagte ein Manager hinterher leicht genervt. Seit Monaten hält Diess den stolzen Automanagern den US-Elektropionier immer und immer wieder als Vorbild vor. Dabei galt Tesla-Chef Elon Musk in Wolfsburg noch vor drei Jahren als eine Mischung aus einem Clown und einem Scharlatan, und seine Autos als Rumpelkarren für Ökofreaks.