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Solarbranche Conergy setzt noch mehr auf Asien

Vom Sanierungsfall zum Wunschpartner: Der Solarkonzern Conergy hat sich erholt, gleich mehrere asiatische Unternehmen wollen mit ihm kooperieren. Sie erhoffen sich einen Zugang zum deutschen Markt.
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Solarmodulproduktion in Brandenburg. Quelle: dapd

Solarmodulproduktion in Brandenburg.

(Foto: dapd)

HamburgDeutschland hat sich vom Eldorado der Solarbranche in ein Death Valley gewandelt. Eine Firma nach der nächsten bleibt auf der Strecke. Ein Kandidat galt schon vor allen anderen als Todeskandidat: die Hamburger Conergy AG. Nach einem beispiellosen Aufstieg stürzte der einst größte Solarkonzern der Welt im Jahr 2007 ab. Über eine Milliarde Euro hat das Unternehmen seitdem an Verlusten angehäuft, vier Kapitalerhöhungen wurden durchgeführt und eine Reihe von Vorständen durch seine Korridore geschleust.

Heute sind nach einer weiteren Notoperation, bei der Schulden in existenzgefährdender Höhe in Aktien umgewandelt wurden, Hedge-Fonds die neuen Herren im Haus. Eine Gruppe um den Investor York Capital und die Deutsche Bank hält rund die Hälfte der Anteile. Mit den Investoren kam Philip Comberg, ein Ex-Deutsch-Banker, der seit Januar Vorstandschef ist. An ihm liegt es, eine tragfähige Zukunft für den Konzern zu finden.

Der Wandel am Rande des Abgrundes hat ein Gutes: Conergy hat die Einschnitte hinter sich - und das zu einer Zeit, als Banken und Kunden gnädig gegenüber der Branche waren. So sieht das auch Comberg. "Aus dem Aufsichtsrat bin ich gebeten, worden den Vorstandsvorsitz zu übernehmen." Hauptargument für den 44-Jährigen: Er kennt sich gut in Asien aus, spricht fließend Chinesisch und saß im Verwaltungsrat der chinesischen Solarfun. Er soll nun Partner für Conergy in Asien finden.

Den Posten hat er in schlechten Zeiten übernommen. Schon 2011 ächzte die Industrie unter enormen Überkapazitäten und einem harten Preiskampf, der von chinesischen Herstellern forciert wurde und wird. Kaum ein Unternehmen kann Gewinn ausweisen. Verschärft wird die Lage durch die geplanten Einschnitte bei der Solarförderung. Dem Wettbewerb konnten viele nicht mehr standhalten und gingen pleite, prominenteste Opfer sind Q-Cells und Solon.

Asiaten produzieren billiger

Auch bei Conergy drohen noch Einschnitte. "Die Häutung geht nun weiter", sagte Comberg dem Handelsblatt. Er dampft die Produktion in Frankfurt ein - mit seinen Verlusten ist das Werk das größte Problem von Conergy, wie es in der Branche heißt. Jetzt werden dort nur noch Solarmodule produziert. Die Produktion von Vorprodukten wurde eingestellt. Conergy bedient sich nun bei Solarzellen bei kostengünstigen Lieferanten aus Asien. Die Kooperation will Comberg vertiefen. "Wir verhandeln intensiv mit verschiedenen Unternehmen über eine umfassende Zusammenarbeit." Diese soll über eine reine Lieferbeziehung hinausgehen. "Wir könnten beispielsweise zusammen Solarprojekte entwickeln."

Gerade die Anbieter aus Asien haben enorme Vorteile gegenüber der westlichen Konkurrenz: Sie produzieren billiger und haben einen besseren Zugang zu Krediten. Mit diesen könnte Conergy seinen Kunden bei der Finanzierung von Solarprojekten helfen, gegenüber Konkurrenten wie Solarworld wäre dies ein großer Vorteil. Denn Banken halten sich mit Krediten inzwischen zurück.

Die Partnerschaft soll aber keine Einbahnstraße werden. Conergy hat einen Zugang zum Kunden, der den Chinesen fehlt. "Wir haben einen starken Markennamen, ein engmaschiges Vertriebsnetz und eine gute Stellung am Markt", sagte Comberg. Den Asiaten ist die Lücke bewusst. LDK Solar hat daher die Mehrheit an Sunways aus Konstanz übernommen. Yingli, Trina und andere Firmen suchen noch nach einem besseren Marktzugang. Bisher werden sie als Billiganbieter wahrgenommen.

Conergy bietet sich als Partner an: "Unsere Kernkompetenz ist der Zugang zum Kunden." Nach dem Stopp der Zellproduktion konkurriert Conergy zudem nicht mit möglichen Partnern. In der Branche herrscht wenig Zweifel, dass Conergy eines Tages übernommen wird. "Das ist aber eher mittelfristig denkbar", heißt es in Finanzkreisen. Entsprechende Sondierungsgespräche gebe es bereits. Comberg schweigt sich darüber aus. Er sagt nur soviel: "Strategisch müssen wir uns für eine unabhängige Zukunft aufstellen."

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