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Sparkurs beim E-Autopionier Tesla-Chef Elon Musk entdeckt die Realität

Lange zählten bei Tesla die Träume. Jetzt trimmt Musk das Unternehmen auf Gewinne. Das muss der CEO auch, wenn er in Zukunft neues Investorengeld haben möchte.
20.06.2018 - 11:46 Uhr 2 Kommentare
Tesla-Chef Elon Musk entdeckt die Realität Quelle: AFP
Elon Musk

Damit die Investoren ihm wohlgesonnen bleiben, bemüht sich der Tesla-Chef nun, positive Fakten zu schaffen.

(Foto: AFP)

New York, San Francisco Irgendwann ist auch für Elon Musk eine Grenze erreicht. Jahrelang konnte der CEO und Chairman des Elektroauto-Herstellers Tesla Beobachter und Investoren mit Zukunftsversprechen bei der Stange halten. Jetzt will er Gewinne schreiben. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das auch dringend nötig ist– weil er vielleicht schon bald wieder Geld einsammeln muss.

Zuletzt hat Elon Musk vor allem mit seinen Ausfällen gegen Analysten, seinen Tweets gegen kritische Journalisten und mit seinen Sabotage-Vorwürfen gegen Mitarbeiter von sich reden gemacht. Aber seine jüngsten Management-Entscheidungen zeigen vor allem eins: Musk ist durchaus auf die Zahlen konzentriert. Er will Kosten sparen und endlich Geld verdienen. Vergangene Woche hat er neun Prozent der Mitarbeiter entlassen. Außerdem drückt er beim Model 3 aufs Tempo.

„Elon Musk hat verstanden, dass er finanzielle Ergebnisse liefern muss oder die Möglichkeit verlieren wird, von der Wall Street neues Geld zu bekommen“, urteilt Mike Ramsey vom Marktforscher Gartner. „Die Sorge über die Menge an Geld, die Tesla verbrennt, steigt und hat zu einer neuen Skepsis an der Wall Street geführt.“

Tesla war lange eine Ausnahme-Story in der Autowelt: Obwohl das Unternehmen im vergangenen Jahr weniger als zwölf Milliarden Dollar umgesetzt hat, war es diese Woche an der Börse mit mehr als 60 Milliarden Dollar erneut mehr wert als General Motors – der mit Abstand größte amerikanische Autokonzern. Die Anleger investieren in die Story, nicht in das aktuelle Geschäft.

Zuletzt aber war die Kritik an dem eigenwilligen Vorstandsvorsitzenden immer lauter geworden. Grund dafür sind die Verspätungen beim neuen Model 3, der hohe Schuldenberg von mehr als zehn Milliarden Dollar und die rasante Geldverbrennung. Wenn Tesla weiter so schnell Geld verbraucht wie bisher, könnte das Unternehmen schon Ende des Jahres wieder neues brauchen, fürchten einige Beobachter.

Damit die Investoren ihm wohlgesonnen bleiben, bemüht sich der Tesla-Chef nun, positive Fakten zu schaffen. Vergangene Woche kündigte Musk an, im Juni 5000 Stück des neuen Model 3 produzieren zu können. Im dritten Quartal will er außerdem einen positiven Cashflow ausweisen. Das heißt, dass er endlich mehr einnehmen als ausgeben will.

Um die Ausgaben zu senken, reduziert Musk auch die Zahl der Mitarbeiter. Neun Prozent der Angestellten sollen gehen, das sind mehr als 4000 der rund 46.000 Mitarbeiter bei Tesla. Der Schritt sei „schwierig, aber notwendig“, teilte der 46-Jährige in einem Tweet mit.

Er wolle die Managementstruktur verschlanken und „Bürokratie eliminieren“. Die Entlassungen beträfen jedoch nicht die Produktion des Model 3, versicherte der Tesla-Chef. Hier will der Unternehmer nicht sparen.

„Tesla steht an einem sehr kritischen Punkt seiner Geschichte“, sagt Gartner-Analyst Ramsey. „Das Model 3 in hoher Stückzahl zu liefern wird entscheidend für Teslas Zukunft sein.“

Tesla fängt Feuer – Elon Musk sieht Feinde in den eigenen Reihen

Der Mitteklassewagen soll die Luxusmarke in einen Massenhersteller verwandeln. Doch beim Anlauf der Serienfertigung haperte es bisher. Tesla hat die Produktionsziele mehrfach verfehlt oder verschoben. Die Produktion stand wiederholt still, zuletzt Ende Mai. Auch am Sonntag hat ein Feuer die Fertigung für einige Stunden lahmgelegt.

Das Interesse der Kunden ist jedoch groß. Bislang liegen rund eine halbe Million Vorbestellungen für das Model 3 vor – gesichert mit einer Anzahlung von 1000 Dollar. Doch Tesla kann die Nachfrage bisher nicht bedienen. Einige Käufer könnten nun ihre Anzahlungen zurückfordern. 

Ursprünglich hatte Tesla das Model 3 mit einem im Basismodell für 35.000 Dollar angeboten. Ende Mai erklärte Musk jedoch, dass die Firma „Geld verlieren und sterben“ würde, wenn es diese günstige Version vertreibt. Tesla will stattdessen eine Version für 78.000 Dollar bauen, die ab Juli mit Allradantrieb und dualem Motor vom Band rollen soll.

Die Strategie, ein Modell in einer Grundausstattung anzubieten, ergänzt durch Extras, die den Preis nach oben treiben, ist branchenüblich. Doch mit einem Preis von 78.000 Dollar pro Modell liegt das Model 3 deutlich über den gängigen Preisen im Massenmarkt. 

Mehr als zehn Milliarden Dollar Schulden

Zu den Problemen mit dem Model 3 kommt die finanzielle Lage des Unternehmens: Tesla hat über die Jahre Schulden von mehr als zehn Milliarden Dollar angehäuft. Rund ein Drittel davon gehen auf den Kauf des Unternehmens Solar City zurück, das Wohnhäuser mit Solardächern ausstattet. Den Rest teilt sich in Tesla-Anleihen und Tesla-Wandelanleihen auf, die zu einem späteren Zeitpunkt in Aktien gewandelt werden können.

Aber es sind nicht nur die hohen Schulden, die den Beobachtern Sorgen machen. Es sind auch die liquiden Mittel, die immer weniger werden. Die Geschwindigkeit, mit der das Unternehmen Kapital verbrennt, ist erstaunlich. 

Im Gesamtjahr 2017 lag der Abfluss freier Mittel bei 3,48 Milliarden Dollar. Sollte Tesla in diesem Jahr erneut so viel Cash verbrennen, könnten die Reserven schon Ende des Jahres aufgebraucht sein. 

Im ersten Quartal hat das Unternehmen bisher 745 Millionen Dollar liquide Mittel verbraucht, deutlich mehr als die 112 Millionen Dollar vor einem Jahr. Bei einem Umsatz von 3,4 Milliarden Dollar stand als Ergebnis ein Minus von 785 Millionen Dollar unterm Strich. 

Eine weitere Kennzahl, die sich die Investoren genau anschauen, ist die Bruttorendite, speziell für den Automobilbereich – auf Englisch Automotive Gross Margin. Die lag im vierten Quartal des vergangenen Jahres gerade einmal bei 13,2 Prozent und im ersten Quartal diesen Jahres bei 18,8 Prozent. 

Elon Musk selbst hatte in der Vergangenheit 25 Prozent als Ziel für diese Marge für das Model 3 genannt. Deutsche-Bank-Analyst Rod Lache kritisiert in seinem jüngsten Bericht, dass Tesla dieses Ziel nun auf 2019 verschoben hat.

Der RBC-Capital-Markets-Analyst Joseph Spark, dessen Fragen Musk bei einer Analystenkonferenz als langweilig bezeichnet hatte, hatte sich jüngst mit einem Brief an Musk zu Wort gemeldet: „Lieber Elon“, schrieb er dort, „einige dieser Fragen mögen trocken, langweilig oder kurzfristig fokussiert erscheinen. Aber ich hoffe, Du weißt zu schätzen, dass jemand, der in Teslas Zukunft investieren will, sich erst einmal mit der Gegenwart wohlfühlen muss.“

Bis zum Jahresende werde sich zeigen, ob die Strategie von Musk aufgehe, meint Gartner-Analyst Ramsey. Bisher steht noch nicht fest, ob und wann Tesla wieder Geld an der Wall Street einsammeln wird. Bisher hat Musk alle Kapitalerhöhungen locker stemmen können.

Teslas neue Kostendisziplin kommt an der Wall Street jedenfalls gut an. „Der Umfang, in dem Tesla umorganisiert, ist ein klares Zeichen dafür, dass es Musk Ernst damit ist, profitabel zu werden“, urteilt Gene Munster von der Investmentfirma Loup Ventures.

Zumal ein Untergang der Marke keinesfalls zu befürchten ist, wie Gartner-Analyst Ramsey argumentiert. „Ich glaube nicht daran, dass Tesla verschwinden wird. Musk besitzt eine starke Marke; wenn Tesla das Geld ausgeht, wird jemand die Firma retten.“ Denkbar wäre seiner Meinung nach, dass Alphabet, Apple oder der japanische Elektronikkonzern Softbank die Firma übernähmen.  

Das weitere Schicksal seiner Firma hat der Tesla-Chef dabei selbst in der Hand. Er besitzt um die 22 Prozent der Anteile. Den Antrag von Aktionären auf Teslas letzter Hauptversammlung, ihm das Amt des Chairman abzunehmen, damit er sich auf den Posten als Tesla-Chef und die schwierige Ausweitung der Produktion des Model 3 konzentrieren kann, schmetterte Musk ab.  

Der Tesla-CEO bleibt siegessicher wie immer. Er ist überzeugt, dass er die Produktion in den Griff bekommt und dass die Aktie schon bald wieder abhebt. Zum Thema Shortseller, die auf den Absturz der Aktie wetten, twitterte Musk am Sonntag: „Sie haben rund drei Wochen, bis ihre Positionen explodieren.“

Der bekannte Investor Tim Draper, der seit vielen Jahren bei Tesla investiert ist, sieht das ähnlich. Er sagte dem Handelsblatt: „Elon Musk ist großartig, und ich würde jederzeit auf ihn wetten.“

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2 Kommentare zu "Sparkurs beim E-Autopionier: Tesla-Chef Elon Musk entdeckt die Realität"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Dree, die Anleger investieren nicht in die Realitaet sondern in eine gewuenschte Zukunft. Ein Unternehmen stabil zu machen indem man die Preise des wichtigsten
    Produkts von USD 35.000 auf 78.000 also um mehr als 100 % anhebt ist wohl machbar
    sofern die Kunden das mitmachen. Schaumermal.

  • Netter Artikel - sehr viel TraLaLa zusammengetragen mit wenig Sachkompetenz.
    Die Anleger investieren sehr bewusst in die Realität, genau aus diesem Grund ist Tesla heute soviel Wert wie GM oder etwas BMW - das konzertierte Medien-Getralle ist für Anleger und Analysten völlig belanglos - und langweilt mittelerweile auch die Leserschaft.

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