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Sparmaßnahme Opel beantragt Kurzarbeit für Rüsselsheim

Der Autobauer will noch im Oktober wegen der schwachen Nachfrage an seinem Stammsitz kurzarbeiten lassen. Fast 2600 Mitarbeiter sind betroffen.
01.10.2019 Update: 01.10.2019 - 11:28 Uhr Kommentieren
Opel beantragt Kurzarbeit für Rüsselsheim Quelle: dpa
Opel-Werk in Rüsselsheim

Dem Stammsitz fehlt ein zweites Modell - nun droht Kurzarbeit.

(Foto: dpa)

München Eine Woche Autos montieren, die nächste zwangspausieren: Hunderte Opel-Beschäftigte müssen sich alsbald an diesen Rhythmus gewöhnen. Denn der traditionsreiche Fahrzeughersteller will den überwiegenden Teil seiner 2600 Mitarbeiter in seinem Stammwerk in Rüsselsheim monatelang kurzarbeiten lassen. Darauf haben sich Management und Betriebsrat grundsätzlich geeinigt, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Ein entsprechender Antrag für Kurzarbeit wurde bei der Bundesagentur für Arbeit eingereicht.

„Die Opel Automobile GmbH hat bei der zuständigen Agentur für Arbeit Kurzarbeit für das Werk Rüsselsheim angezeigt. Die Kurzarbeit soll in diesem Monat beginnen und sechs Monate andauern“, bestätigte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt. Opel will zu dem Instrument greifen, um der massiven Unterauslastung seiner hessischen Fabrik entgegenzuwirken. Die betroffenen Beschäftigten müssen sich auf Lohneinbußen einstellen. Der Autobauer plant im nächsten halben Jahr auf einen Einschichtbetrieb umzustellen, die Spätschicht soll vorübergehend entfallen.

Hintergrund der Maßnahme zur Reduzierung der Arbeitszeit ist die schwache Nachfrage der Kunden nach der Limousine Insignia. Das eigentliche Flaggschiff der Marke mit dem Blitz leidet unter einem massiven Absatzschwund. Verkaufte Opel im ersten Halbjahr 2018 noch rund 43.000 Einheiten des Mittelklasse-Pkw, waren es nach sechs Monaten in 2019 gerade einmal noch 29.500. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 31 Prozent.

„Sozialverträgliche Brückenlösung“

Wegen der schlechten Absatzzahlen gehen die Marktforscher von IHS davon aus, dass Opel die Jahresproduktion des Insignia 2019 beinahe halbieren wird – von vormals 95.000 auf nur noch 52.000 Einheiten. Damit Verkaufsdellen bei einzelnen Modellen nicht voll auf die Produktion durchschlagen, fertigen viele Fahrzeughersteller normalerweise zumindest zwei unterschiedliche Fabrikate in einem Werk. Auch Opel tat dies in Rüsselsheim jahrelang. Im Sommer lief allerdings die Produktion des Kastenwagens Zafira aus.

Erst 2021 soll mit dem neuen Astra wieder ein zweites Modell in Rüsselsheim vom Band laufen. Bis dahin will Opel mit Instrumenten wie Kurzarbeit betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Die nun beschlossene Kurzarbeit diene als „sozialverträgliche Brückenlösung“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Das alleine reicht aber längst nicht.

Bereits Ende Juni hat Opel beschlossen, 600 Monteure in seinem Stammwerk über Abfindungen, Altersteizeit und Vorruhestand in den nächsten Jahren abzubauen. Die Kapazität der Fabrik in Rüsselsheim soll zudem im Zuge des Anlaufs des neuen Astra schrumpfen. Statt wie bisher 60 Fahrzeuge sollen dann maximal nur noch 40 Wagen pro Stunde vom Band laufen können. Opel betont, dass die Zukunft des Werks in Rüsselsheim nicht gefährdet sei, sondern durch die Investition in den Astra langfristig gesichert werde.

Die aktuellen Sparmaßnahmen bei Opel treffen auch mehrere Zulieferer hart. So hat der Autobauer etwa die Aufträge für die Firma Lear derart drastisch zusammengestrichen, dass die Mitarbeiter des Sitzherstellers im Werk in Ginsheim-Gustavsburg um ihre berufliche Zukunft bangen, verlautete es aus Opel-Konzernkreisen. Beim Logistikdienstleister Rhenus SCR stehen ebenfalls Hunderte Jobs zur Disposition. „Als Zulieferer ist Rhenus SCR durch einen Abbau von Stellen betroffen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat wurde hierfür ein Sozialplan verabschiedet“, bestätigte die Firma.

Gegenwind für Opel-Chef Lohscheller

Bei einer Betriebsversammlung am vergangenen Freitag waren die Kürzungen in Rüsselsheim das zentrale Thema. Wie das Handelsblatt bereits im August berichtet hatte, scheint der nächste Mitarbeiterabbau im Stammwerk unausweichlich. In Getriebewerk, Schmiede, Werkzeugbau, Presswerk und Warenverteilzentrum summiert sich der Personalüberhang auf mehr als 600 Beschäftigte, heißt es in Konzernkreisen.

Seitdem Opel im Sommer 2017 von dem französischen Autohersteller PSA (Peugeot, Citroën, DS) übernommen wurde, hat das deutsche Traditionsunternehmen den Abbau von 6.800 Stellen besiegelt. Kritiker werfen Opel-Chef Michael Lohscheller vor, die Firma auf dem Rücken der Belegschaft zu sanieren. Der gelernte Controller sieht dagegen keine Alternative zu seinem Sparkurs. Schließlich hat die Marke mit dem Blitz fast 20 Jahre lang Verluste geschrieben.

Unter PSA und Lohscheller schreibt Opel nun wieder Gewinne. Im ersten Halbjahr erzielte Opel ein bereinigtes Betriebsergebnis von rund 700 Millionen Euro. Das ist ein Plus von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und Lohscheller will Opel weiter auf Effizienz trimmen.

Obwohl der baumlange Manager in den vergangenen Monaten bereits Dutzende Führungskräfte geschasst, Tausende Mitarbeiter hinauskomplimentiert und die Fahrzeugpalette zusammengestrichen hat, sieht er noch jede Menge Sanierungsbedarf. „Es geht kontinuierlich weiter. Wir können und werden noch viel mehr optimieren, denn wir sind längst noch nicht da, wo wir hin müssen“, betonte der Opel-Chef zuletzt im Juli.

Sein Problem: Opel steht derzeit wie wieder Rest der Autobranche enorm unter Druck. Der Absatz an Neuwagen ist rund um den Globus rückläufig. Alleine in diesem Jahr dürfte der Weltautomarkt um fünf Prozent schrumpfen. Besserung ist nicht in Sicht.

Mehr: Firmenchef Michael Lohscheller will die Moral der Opel-Truppe mit guten Zahlen beflügeln. Das geht schief. Das Vertrauen in Opel ist verloren.

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