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Sparprogramm Audi will weltweit Tausende Jobs streichen

Das Sparprogramm bei Audi trifft auch die Belegschaft. In den kommenden fünf Jahren soll jede siebte Stelle in der Verwaltung der VW-Premiumtochter wegfallen.
Update: 14.03.2019 - 17:32 Uhr 3 Kommentare
VW-Premiumtochter Audi will 15 Prozent der Stellen streichen Quelle: AFP
Audi-Chef Bram Schot

Die VW-Premiumtochter soll profitabler werden und darum Stellen abbauen.

(Foto: AFP)

IngolstadtDie VW-Tochter Audi steht vor einer tiefen Zäsur. Nach einem kräftigen Gewinneinbruch um 25 Prozent im vergangenen Jahr will Audi-Chef Bram Schot die Kosten kräftig senken. „Wir sind nicht zufrieden mit diesen Zahlen“, sagte Schot auf der Jahrespressekonferenz in Ingolstadt. „Wir wollen gemeinsam mit dem Betriebsrat das Unternehmen konsequent verändern.“

Eine konkrete Strategie will Schot auf der Hauptversammlung des Unternehmens Ende Mai präsentieren.

Dennoch sickern immer mehr Details des Sanierungsplans durch. 15 Milliarden Euro will Audi bis 2022 „freispielen“. Ein Drittel der Summe wollen die Ingolstädter mit neuen Modellen und höheren Preisen einnehmen. Den Rest sollen Einsparungen einbringen, bei Material, in der Entwicklung und beim Personal. Der Abbau soll nach den Worten von Personalvorstand Wendelin Göbel „entlang der demografischen Entwicklung“ erfolgen.

Konkret heißt das: Audi will in den kommenden fünf Jahren bis zu 15 Prozent seiner weltweit rund 20.000 Stellen in der Verwaltung abbauen. Entsprechende Pläne werden Unternehmenskreisen zufolge zwischen Management und Betriebsrat verhandelt.

Damit meint Audi das Nicht-Nachbesetzen offener Stellen sowie Regelungen zu Altersteilzeit und Vorruhestand. Das macht laut Unternehmenskreisen pro Jahr rund drei Prozent der Belegschaft aus.

Betriebsbedingte Kündigungen sind bei dem Abbauprogramm ausgeschlossen. Zwar sind die Beschäftigten der deutschen Standorte Ingolstadt und Neckarsulm bis 2025 über eine Jobgarantie geschützt. Doch auch sie müssen sich auf Einschnitte gefasst machen. So verhandelt Audi mit der Belegschaft über das Streichen der gut bezahlten Nachtschichten.

Der Umbruch bei Audi ist überfällig. Nachdem das Unternehmen über ein Jahrzehnt lang stürmisch gewachsen war, stürzte die Marke mit den vier Ringen 2015 mit dem millionenfachen Dieselbetrug in eine tiefe Krise. Die Aufarbeitung der Affäre endete im Juni 2018 mit der Verhaftung des damaligen Vorstandschefs Rupert Stadler in einem Desaster.

Aber auch operativ lief einiges aus dem Ruder. Anders als den meisten Wettbewerbern gelang es Audi nicht, seine Modellpalette auf den neuen Abgasstandard WLTP umzustellen. Die Folge sind herbe Absatz- und Gewinneinbrüche bei der VW-Edeltochter. „Wir hatten die Pipeline voll mit hochattraktiven Produkten, doch die Kunden konnten sie nicht kaufen“, klagte Finanzvorstand Alexander Seitz.

Das Millionenziel China

„So etwas wie die Dieselkrise wird es bei Audi nie wieder geben“, verspricht Schot, der seit Stadlers Verhaftung den neu formierten Vorstand führt. Der Niederländer hat mehrfach angekündigt, das Unternehmen kräftig umkrempeln zu wollen und Audi noch schneller als bislang geplant in die Elektromobilität zu führen.

Anders als früher, als Audi stets auf seine Eigenständigkeit im Konzern pochte, sucht Schot nun den Schulterschluss mit den Schwestermarken. So werden die kleineren Elektroautos künftig auf der VW-Plattform MEB (Modularer Elektrobaukasten) entwickelt.

Die großen Modelle stellt Audi künftig gemeinsam mit Porsche auf die PPE (Premium Platform Electric). Allein diese Synergien sollen Milliarden sparen und ‧Audi gegenüber Mercedes und BMW einen Startvorteil verschaffen.

Tatsächlich hat es Audi trotz der Dieselkrise geschafft, mit dem e-tron schneller als die Konkurrenten BMW und Mercedes ein elektrisches SUV auf die Straße zu bringen. Dem großen Stromer sollen bis Ende kommenden Jahres vier weitere Modelle folgen.

Bis 2025 will Audi 30 elektrifizierte Modelle auf der Straße haben, also Plug-in-Hybride und rein elektrisch angetriebene Autos. Der Anteil der Stromautos soll dann bei einem Drittel des Absatzes liegen – also bei rund 600 000 Autos pro Jahr.

Finanziert werden soll der Kraftakt unter anderem durch ein kräftiges Wachstum in China. Audi hatte 2017 nach einer Neuordnung seiner Joint-Venture-Partner einen herben Absatzeinbruch verkraften müssen. Doch nun wächst die Marke wieder schneller als die Rivalen BMW und Mercedes und ist wieder die Nummer eins im weltweit größten Markt für Premiumautos.

Bereits im vergangenen Jahr legten die Umsätze in Fernost um rund zehn Prozent zu und retteten Audi halbwegs über die Runden. Trotz der abkühlenden Konjunktur in China setzen die Audi-Manager weiter voll auf Wachstum. Schon heute liegt der Audi-Absatz in China mit 670 000 Autos doppelt so hoch wie in Deutschland. Bis 2022 sollen die Verkäufe in Fernost auf eine Million Stück erhöht werden, sagte Finanzchef Seitz.

Zudem sollen immer mehr Entwicklungen in China für chinesische Kunden erfolgen. Ob Audi ein eigenes Vorstandsressort für China einrichtet, ließ Vorstandschef Schot offen.

Mehr Rendite angepeilt

2019 werde ein Übergangsjahr, betonten die Audi-Manager. Wie steinig der Weg ist, zeigen die Absatzzahlen der ersten beiden Monate. So liegt Audi per Ende Februar 5,5 Prozent unter Vorjahr. Nach wie vor hat es Audi nicht geschafft, alle Modelle WLTP-konform zu zertifizieren. Bis auf China sind alle großen Märkte im Minus.

Für das Gesamtjahr verspricht Schot dennoch ein leichtes Absatzwachstum gegenüber 2018, also etwas mehr als 1,8 Millionen Autos. Sondereinflüsse wie ein harter Brexit oder die von der US-Regierung angedrohten Strafzölle sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten.

Sicher ist, Schot und seine Mannschaft stehen bei Aufsichtsratschef Herbert Diess und der VW-Mutter in Wolfsburg in der Pflicht. Denn ohne einen Turnaround der größten Konzerntochter wird auch der Umbau des gesamten VW-Konzerns kaum zu schaffen sein. Die operative Rendite von derzeit sechs Prozent soll spätestens 2020 auf neun bis elf Prozent klettern.

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3 Kommentare zu "Sparprogramm: Audi will weltweit Tausende Jobs streichen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Anders als im Bericht beschrieben, ist der DieselSkandal dort überhaupt gar nicht beendet.
    Man tut nur so, in dem man ständig über neue Strategien der zukunft faselt. Um die Bestandskunden wird sich aber nicht gekümmert. Beispiel: Fragen Sie mal alle EURO5-Diesel Fahrer, die andere Motoren fahren, als den 2 Liter. Die warten immer noch auf Upsates und Rückrufe und sehen derweil der Wertvernichtung ihrer teuer bezahlten KFZ zu und niemand schert sich heute - über drei Jahre nach Bekanntwerden darum - weder in Ingolstadt, noch zwischen Flensburg oder Berlin. Und alle Verkehrsminister der letzten zig Jahre kommen aus Bayern - dem Heimatland der vier Ringe. Zum FremdSchämen !

  • Ein massiver Stellenabbau in der deutschen Vorzeigebranche kann nur durchgrößere, stärkere und vor allem schnellere Premiumautos verhindert werden. Das ist alternativlos und wir schaffen das.

  • Sieht so der Fachkräftemangel aus?