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Sparprogramm Autozulieferer Mahle schließt Werk in Öhringen

Der Standort in Öhringen wird Opfer des Preisdrucks und der Transformation zur Elektromobilität – 240 Stellen sind betroffen.
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Der Autozulieferer will kräftig sparen. Quelle: dpa
Mahle-Firmenzentrale

Der Autozulieferer will kräftig sparen.

(Foto: dpa)

Stuttgart Mahle-Chef Jörg Stratmann greift bei seinem Sparprogramm jetzt heftig durch: Der viertgrößte deutsche Autozulieferer plant die Schließung des Standorts in Öhringen schrittweise bis Ende 2020.

Dort fertigen bislang 240 Beschäftigte Luftmanagementsysteme für Verbrennungsmotoren. Das Werk steht seit längerem unter Preisdruck und ist auch ein erstes Opfer der stärkeren Ausrichtung des Unternehmens auf die Elektromobilität.

„Wir haben nun einen Punkt erreicht, an dem für das Werk leider keine nachhaltige Perspektive mehr gegeben ist“, sagt Mahle-Geschäftsführer Wilhelm Emperhoff. Vor wenigen Jahren waren dort noch 450 Menschen beschäftigt. Es konnten nach Unternehmensangaben keine neuen oder alternativen Projekte für den Standort gewonnen werden.

Bedingt durch die hohen Kosten für die Transformation in der Automobilindustrie, die sich weiter abschwächende Konjunktur und eine rückläufige Nachfrage bei Dieselfahrzeugen sei Mahle in einer anspruchsvollen Wettbewerbssituation noch stärker auf profitable und nachhaltige Standorte angewiesen, betonte Emperhoff. Mahle will sich jetzt in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmern um eine möglichst sozialverträgliche Lösung bemühen und auch eine Qualifizierungsgesellschaft ins Spiel bringen.

Die Schließung des Öhringer Werkes geht noch über das Sparprogramm hinaus, das der seit 16 Monaten amtierende Mahle-Chef Stratmann Mitte Mai verkündet hatte. Der 49-jährige Wirtschaftsingenieur hatte bereits angekündigt, insgesamt 380 von insgesamt 4.300 Jobs außerhalb der Produktion im Raum Stuttgart zu streichen. Zudem legte er das große Projekt zur Erweiterung der Firmenzentrale in Bad Cannstatt auf Eis.

„Um es ganz klar zu sagen: 2019 wird ein anspruchsvolles Jahr“, kündigte Stratmann bei der Bilanzvorstellung an. Als gefährdet gelten auch die 750 befristeten Stellen in der Produktion. Mit der IG-Metall laufen bereits die Verhandlungen für einen Standortsicherungsvertrag, von dem Öhringen aber ausgeklammert ist.

Vor allem ein zuletzt schwächelnder Markt in China, sinkende Marktanteile beim Diesel und die weltweite Unsicherheit durch schwelende Handelskonflikte machen dem Autozulieferer zu schaffen, wie auch vielen anderen in der Branche. Stratmann hatte deshalb im März angekündigt, die Kosten zu senken, um Investitionen in neue Geschäftsfelder stemmen und profitabel bleiben zu können.

Denn strategisch befindet sich Mahle in einer schwierigen Situation: Das 1920 gegründete und mit Kolben und Motorteilen groß gewordene Stiftungsunternehmen macht seit einigen Jahren gewaltige Anstrengungen, um mit Übernahmen weniger abhängig vom Verbrennungsmotor zu werden. Vor allem der Kauf des Kühlerspezialisten Behr vor neun Jahren erweist sich als Glücksfall, weil auch Elektroautos Klimaanlagen brauchen und die Batterien gekühlt werden müssen.

Mahle hat gerade ein neues Werk für elektrische Klimakompressoren gebaut, die für Klimaanlagen von E-Autos ebenso wie für Fahrzeuge mit Verbrennern verwendet werden können. Doch der Zukauf weiterer Elektronik- und Softwarekompetenz kostet viel Geld. Entsprechend sparsam muss Stratmann jetzt an anderer Stelle sein.

Denn der Markt wird nicht helfen: Nach dem leichten Umsatzminus im Jahr 2018 auf 12,6 Milliarden Euro wird es schwer, nicht weiter zu schrumpfen. Der Gewinn vervierfachte sich zwar auf 446 Millionen Euro. Aber das lag vor allem am Verkauf von Hella Behr Plastic Omnium. Weitere Verkäufe sind nicht geplant. Der Sparkurs soll jetzt für die volle Entlastung sorgen.

Mehr: Der Autozulieferer muss sparen. Dafür streicht er knapp jede zehnte Stelle am Stammsitz. Dafür ist auch das schwächelnde China-Geschäft verantwortlich.

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