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Spezialchemiekonzern Clariant-Chef verplappert sich im Fernsehen – Konzern muss 750.000 Euro Strafe zahlen

Teurer TV-Auftritt des Clariant-Chefs: Hariolf Kottmann schwärmt im Fernsehen zu früh von den Fusionsplänen mit der US-Firma Huntsman. Dafür muss der Schweizer Konzern nun zahlen.
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Der Clariant-Chef hat dem Schweizer Fernsehen in einem Interview von seinen Fusionsplänen mit der US-Firma Huntsman vorgeschwärmt – der Deal war aber eine Insiderinformation. Quelle: Reuters
Hariolf Kottmann

Der Clariant-Chef hat dem Schweizer Fernsehen in einem Interview von seinen Fusionsplänen mit der US-Firma Huntsman vorgeschwärmt – der Deal war aber eine Insiderinformation.

(Foto: Reuters)

Zürich Diese TV-Show hat einen hohen Preis: Weil Clariant-Chef Hariolf Kottmann im Schweizer Fernsehen von Fusionsplänen mit einem Rivalen schwärmte, hat die Schweizer Börse dem Unternehmen nun eine Strafe von 750.000 Franken aufgebrummt. 

Im Mai 2017 hatten Reporter der TV-Show „SRF Eco“ den Clariant-Chef bei den Fusionsverhandlungen mit dem US-Rivalen Huntsman begleitet. "Wenn alles gut geht, ist er in wenigen Stunden nicht mehr Konzernchef von Clariant, sondern Präsident eines doppelt so großen Unternehmens“, heißt es in dem Beitrag. 

Das Problem: Anleger wurden erst nach den Dreharbeiten, aber vor der Ausstrahlung des Beitrags über den Deal informiert. Die Börse spricht von einem schweren Verstoß gegen die Adhoc-Regeln. Die Weitergabe der Informationen an das Fernsehen sei fahrlässig gewesen.

Clariant akzeptiert die Entscheidung, auch wenn der Konzern selbst die Lage ursprünglich anders beurteilt hatte. Die Journalisten hätten Stillschweigevereinbarungen unterzeichnet, auch sei der Beitrag außerhalb der Handelszeiten produziert worden. „Clariant ging davon aus, dass es sich nicht um einen Adhoc-Verstoß handelt“, sagte ein Sprecher. Das war eine Fehleinschätzung.

Doppelt bitter: Die Fusion mit Huntsman, die Kottmann als den „richtigen Deal zur richtigen Zeit“ bezeichnet hatte, war wenige Monate nach der Ausstrahlung des Beitrags am Widerstand des aktivistischen Investors White Tale gescheitert.

Der Imageschaden wiegt schwerer als die Geldbuße

Die Buße kann Clariant zwar verkraften. Sie ist aber ein Imageschaden für Kottmann und den Konzern. Dabei haben die Schweizer eigentlich schon mehr als genug Sorgen. 

Denn nach dem geplatzten Huntsman-Deal wollte Clariant einen wichtigen Geschäftsbereich mit dem saudischen Chemieriesen Sabic verschmelzen. Doch beide Seiten wurden sich nicht über die Konditionen einig. Zu allem Überfluss warf im Juli dann auch noch der von den Saudis geschickte CEO Ernesto Occhiello überraschend hin. 

Nach Occhiellos Abgang übernahm Kottmann, der zwischenzeitlich zum Verwaltungsratschef aufgestiegen war, die operative Führung des Konzerns. Nun muss das Unternehmen einen neuen CEO finden.

Die Negativschlagzeilen dürften das nicht leichter machen. 

Dabei hatte das Schweizer Fernsehen zumindest in einem Punkt Recht behalten. In dem Beitrag, der Clariant nun die empfindliche Buße beschert hat, hieß es damals: „Fusionen scheitern oft.“

Mehr: Ernesto Occhiello verlässt überraschend den schweizer Konzern mit sofortiger Wirkung. Kommissarisch übernimmt Verwaltungsratspräsident Kottmann.

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