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Spezialchemiekonzern So führt Manager Kullmann Evonik durch die Krise

Der Evonik-Chef treibt den Umbau des Spezialchemiekonzerns voran und will die Industrie vor staatlicher Gängelei bewahren. Sein Erfolg gibt ihm recht.
31.08.2020 - 18:06 Uhr Kommentieren
„Wer Ruhe erwartet, braucht nicht zu Evonik zu kommen.“ Quelle: Preuss/Evonik
Christian Kullmann

„Wer Ruhe erwartet, braucht nicht zu Evonik zu kommen.“

(Foto: Preuss/Evonik)

Düsseldorf Christian Kullmann hustet, trinkt schnell einen Schluck Wasser, entschuldigt sich und ruft den Aktionären zu: „Die Luft in der Grugahalle war einfach besser als hier.“ Die Anteilseigner des Spezialchemiekonzerns Evonik können das nicht nachprüfen, sie verfolgen die Rede des Vorstandschefs auf der Hauptversammlung am Montag nur per Livestream im Internet. Statt wie üblich vor großem Publikum in der Essener Veranstaltungshalle spricht Kullmann in eine Kamera in einem Konferenzraum der Firmenzentrale.

Lange hatte sich Evonik mit einem neuen Termin für das Aktionärstreffen Zeit gelassen, das eigentlich im Mai hätte stattfinden sollen. Klare Präferenz sei eine Präsenzveranstaltung gewesen, unterstreicht Kullmann, wegen der Corona-Pandemie blieb aber letztlich nur der virtuelle Weg. Doch auch der reicht Kullmann, um seine Kernbotschaften zu platzieren: Evonik kommt bisher ohne große Einbrüche durch die Krise und wird den Umbau in Richtung stabile Spezialchemiegeschäfte ohne Pause fortsetzen.

Tatsächlich hat der Konzern die durch den Lockdown ausgelöste Wirtschaftskrise vergleichsweise gut weggesteckt. Im zweiten Quartal brach der bereinigte Gewinn zwar um 19 Prozent auf 456 Millionen Euro ein, es war aber mehr, als die Analysten erwartet hatten. „Heute kann ich Ihnen unsere Prognose noch einmal voll bestätigen“, rief Kullmann am Montag den Anteilseignern zu. Zwischen 1,7 Milliarden und 2,1 Milliarden Euro Gewinn werden die Essener 2020 machen – ein Wert, von dem schwer angeschlagene Firmen nur träumen können.

Kullmann wertet dies als Ergebnis des unter seiner Ägide eingeleiteten Konzernumbaus. Gut drei Jahre ist der 51-Jährige an der Spitze von Evonik und hat das Unternehmen in dieser Zeit ordentlich aufgemischt – getreu seinem Motto: „Wer Ruhe erwartet, braucht nicht zu Evonik zu kommen.“ Kullmann hält nichts davon, sich im Erfolg zu sonnen, stattdessen hält er den Veränderungsdruck hoch.

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    Vergangene Woche verkündete Evonik die nächste Übernahme, den Kauf der Porocel Group aus den USA. Mit einem Preis von 210 Millionen Dollar ist es zwar nur ein kleiner Deal, doch weil er mitten in der Krise passiert, erregte er Aufsehen. Kullmann greift beherzt zu einem recht günstigen Preis zu. Und er kann dies, weil Evonik das vorsorglich erhöhte Liquiditätspolster nicht allein für die Krisenbewältigung braucht.

    Gefragte Produkte auch in Krisenzeiten

    Die vergleichsweise komfortable Lage liegt zum einen am angestammten Portfolio von Evonik: Wirkstoffe für Medikamente, Zusätze für Körperpflegemittel oder Produkte für den Windenergiemarkt sind auch in Krisenzeiten gefragt. Zum anderen hat Kullmann den Anteil robust wachsender Spezialprodukte mit mehreren Übernahmen ausgebaut. Auch der Porocel-Deal weist in diese Richtung.

    Zugleich wirft er zyklische und kapitalintensive Geschäfte aus dem Portfolio. Im vergangenen Jahr hat Evonik sich vom Massengeschäft mit Plexiglas getrennt, die Einheit ging für drei Milliarden Euro an den Finanzinvestor Advent. Weitere Verkäufe sind absehbar, denn Kullmann weiß, dass sich die Kräfteverhältnisse auf den globalen Chemiemärkten schnell ändern. Was viele Jahre als lukrative Spezialität galt, wird schnell zum schwierigen Massengeschäft.

    Bei der Bewertung solcher Fragen steht ihm vor allem sein Stellvertreter Harald Schwager zur Seite. Der ehemalige BASF-Vorstand vertritt im Evonik-Vorstand die Chemieexpertise, während Kullmann für die große Linie verantwortlich ist. Vor harten unternehmerischen Entscheidungen schreckt er nicht zurück. Die Kostensenkung in der Verwaltung, so heißt es im Unternehmen, hat er mit strengen Zügeln vorangetrieben.

    Dennoch ist er kein kaltherziger Manager. Kullmann weiß um die Sorgen und Befürchtungen der Mitarbeiter und pflegt einen engen Kontakt zu Betriebsräten und Gewerkschaften. Er ist bekennender Christ, der Glauben als Orientierung fürs Leben versteht. Das Gotteslob darf neben Fotos von seiner Frau und den beiden Töchtern auf seinem Schreibtisch nicht fehlen.

    Er beschönigt niemandem gegenüber etwas. Ob innerhalb des Unternehmens oder in der politischen Debatte: Kullmann zeigt stets klare Kante und provoziert gern. Ohne Zögern legt er sich auf Armin Laschet als besten Union-Kanzlerkadidaten fest – der NRW-Ministerpräsident ist sein Duzfreund. Seine guten Kontakte in die Politik und der pointierte Kommunikationsstil soll er dazu nutzen, die Interessen der Chemieindustrie in der Politik besser durchzusetzen: Seit März ist Kullmann Präsident des Verbands der Chemischen Industrie. Er kämpft gegen noch mehr Regulierung: Zusätzlicher staatlicher Einfluss und Verbote, so sagt Kullmann, würden „gerade jetzt in der Krise wie Gift wirken“.

    Mehr: Evonik sendet mit US-Übernahme ein Zeichen der Erholung

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