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Spezialglas-Hersteller Schott-CEO Heinricht: „Es wird genug Verpackungen für Covid-19-Impfdosen geben“

Glasspezialist Schott will mit CEO Heinricht in den kommenden Jahren doppelt so stark wachsen wie bisher. Eine besondere Rolle dabei spielen Pharmaverpackungen.
24.11.2020 - 13:48 Uhr Kommentieren
Der Chef des Mainzer Glas-Spezialisten will das Wachstum in den kommenden Jahren verdoppeln. Quelle: imago images/sepp spiegl
Frank Heinricht

Der Chef des Mainzer Glas-Spezialisten will das Wachstum in den kommenden Jahren verdoppeln.

(Foto: imago images/sepp spiegl)

Mainz Frank Heinricht weiß: Das Thema interessiert gerade am meisten. Wird es genug Verpackungen geben, um die vielen Millionen Impfdosen gegen Covid-19 auszuliefern? „Ja, das wird es“, sagt der CEO des Mainzer Spezialglas-Herstellers Schott.

Das Unternehmen produziere jährlich elf Milliarden Pharmaverpackungen: „Wir werden bis Ende 2021 zusätzlich Verpackungen wie zum Beispiel Glasfläschchen für zwei Milliarden Covid-19-Impfdosen herstellen“, sagt Heinricht. Dazu kämen noch die Verpackungen von Konkurrenten. „Hier wird es keinen Engpass geben“, verspricht der Manager.

Sowieso möchte er viel lieber über das große Ganze reden: die neue Strategie, die das Management des Stiftungsunternehmens – Schott gehört zu 100 Prozent der Carl-Zeiss-Stiftung – für die kommenden Jahre festgezurrt hat. Wobei: So richtig neu ist diese nicht. „Ich weiß, es ist kein Wow, das meiste machen wir heute schon“, sagt Heinricht: „Aber wir haben noch einiges vor.“

Etwa die Verdopplung des Wachstums. Bisher waren das rund drei Prozent pro Jahr, künftig sollen es sechs Prozent sein. Es ist der zweite Strategiezyklus, den der 58-jährige gebürtige Berliner dem Unternehmen „verpasst“. Der erste endet in diesem Jahr und begann 2013, als Heinricht, ein Physiker und Doktor der Ingenieurwissenschaften, vom Hanauer Familienunternehmen Heraeus zu Schott wechselte.

Damals musste Heinricht das Mainzer Unternehmen wieder auf sichere Beine stellen. Ein Ausflug in die Solarbranche erwies sich als teurer Fehlgriff, man schrieb rote Zahlen, die Eigenkapitalquote war auf magere 18 Prozent geschrumpft.

Heinricht sanierte Schott erfolgreich

Die Sanierung gelang dem Technikfan. Im letzten Geschäftsjahr 2018/2019 (bis September 2019) erzielte das Unternehmen ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 275 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote erreichte 32 Prozent. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2019/2020 werden gerade zusammengestellt, sie sollen im Januar präsentiert werden. Doch Heinricht deutet schon mal an, dass sie trotz der Pandemie wohl weiter gestiegen seien.

Auf diesen Erfolg will der Manager aufbauen, das Ganze aber deutlich beschleunigen. Und er setzt dabei auf das, was Schott schon immer gut konnte: Innovationen beim Glas, die für eine spezielle Anwendung entwickelt wurden, auf neue Geschäftsfelder zu übertragen.

Das gelang etwa bei den schon erwähnten Pharmafläschchen. Das Glas dafür wurde schon 1910 als Borosilikatglas für Thermometer entwickelt. Es ist hochrein, verändert sich auch bei langer Lagerung nicht und reagiert nicht mit den Wirkstoffen. Diese Eigenschaften würden sich perfekt für die anspruchsvollen Pharmafläschchen eignen, befanden die Forscher bei Schott schon vor Jahren. Ein neues Geschäft war geboren.

Neue Märkte sieht Heinricht zum Beispiel in der Medizintechnik. So hat Schott gerade aus Glas – oder falls gewünscht auch aus Kunststoff – den Träger für ein Diagnosegerät entwickelt. Auf diesem Träger, der etwas kleiner als eine Streichholzschachtel ist, ist ein Mikrolabor installiert. Der Arzt kann zum Beispiel Tränenflüssigkeit aufgeben und diese dann vor Ort in einem Gerät analysieren. Man arbeite hier auch mit einem Anbieter von Corona-Tests zusammen, so Heinricht.

Solche Weiterentwicklungen will der Schott-Chef nutzen, um künftig pro Jahr um etwa fünf Prozent zu wachsen. Ein weiteres Prozent könnte durch kleinere Übernahmen kommen.

Expansion in China und den USA

Gleichzeitig mit der Eroberung neuer Geschäftsfelder will er die Geschäfte in China und den USA ausbauen, mit einer Produktion vor Ort. „In China sehen wir zum Beispiel, dass die Menschen immer häufiger auf Ceran-Kochfelder umstellen“, sagt der Manager. Schott ist der Erfinder des Ceranfeldes.

Für Wolfgang Heinrich, den Vorsitzenden des Betriebsrats von Schott, ist diese Expansion im Ausland kein Problem. Man kenne das schon seit Jahren: „Wir brauchen die Produktion nahe am Kunden, Glas ist nicht einfach zu transportieren“, sagt er und ergänzt: „Wenn ich sehe, dass im vergangenen, in diesem und im kommenden Jahr ein dreistelliger Millionenbetrag in den Ausbau der deutschen Standorte fließt, mache ich mir überhaupt keine Sorgen über die Pläne in China, in den USA oder anderswo in der Welt.“

„Wir planen auch in den kommenden Jahren im Schnitt mit Investitionen von 300 Millionen Euro pro Jahr“, sagt CEO Heinricht. Dennoch soll die Marge nicht leiden: „Unser Ziel ist es, eine operative Marge von mehr als zehn Prozent zu erreichen.“

Dabei ist es nicht allein das Wachstum, das finanziert werden will. Auch beim Thema Klimaschutz gibt Heinricht ehrgeizige Ziele vor. Bis 2030 will das Unternehmen klimaneutral werden. Für einen Spezialisten, bei dem die energieintensive Glasschmelze der Kern ist, wird das nicht einfach. Ähnlich wie in der Stahlbranche setzt Heinricht große Hoffnung auf Wasserstoff als Energieträger: „Wir können uns auch die Beteiligung an Windpark-Unternehmen vorstellen.“

Es ist nun an ihm zu zeigen, dass die neuen Ziele auch erreicht werden. Sein Vertrag wurde vor nicht langer Zeit um weitere fünf Jahre verlängert. Heinricht lacht: „Ich werde das alles also noch erleben.“

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