Sportwagenbauer So will Geely-Chef Li Shufu Lotus wieder zur Weltmarke machen

Kaum eine Marke der Autowelt wurde so oft wiederbelebt wie Lotus. Mit chinesischer Hilfe soll das Comeback der Auto-Ikone nun abermals gelingen.
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Lotus: Mit chinesischer Hilfe gegen Porsche Quelle: Lotus Cars

Der Lotus Elise gilt als besonders leicht und wendig.

(Foto: Lotus Cars)

DüsseldorfMehrfach schon wurde dem britischen Sportwagenbauer Lotus das endgültige Aus bescheinigt. Und wohl keine Automarke wurde schon so oft wiederbelebt. Doch aus ambitionierten Ankündigungen für ein Comeback des Herstellers legendärer Modelle wie der Elise ist dann meistens doch nichts geworden. Diesmal soll alles anders werden.

Der chinesische Geely-Gründer Li Shufu will etwa 1,5 Milliarden Pfund (1,67 Milliarden Euro) in die Wiederbelebung von Lotus investieren, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. In der Autowelt dürfte das zu Träumereien führen.

Denn Lotus, bekannt für besonders leichte und dynamische Sportwagen, ist immer noch eine Ikone, obwohl die Marke seit Jahren kein konkurrenzfähiges Modell mehr auf den Markt gebracht hat. Unter dem Management der malaysischen Marke Proton, die Lotus 1997 für 51 Millionen Pfund übernommen hatte, verkaufte Lotus bis Ende Juli gerade einmal 145 Autos im Heimatmarkt England.

Dabei kann die Marke auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurückblicken: Im Jahr 1977 ging James Bond in „Der Spion, der mich liebte“ in einem umgebauten Lotus Esprit auf Tauchstation. Und auch die Gründung der Marke Tesla ist eng mit Lotus verbunden: Der erste Roadster der Kalifornier basierte auf dem Lotus Elise.

An diese Erfolge der Vergangenheit wollen die Briten nun anknüpfen. Dafür will Geely-Gründer Li Shufu seine 51-Prozent-Beteiligung an Lotus über seinen malaysischen Partner Etika Automotive weiter erhöhen. Die Produktion und die Entwicklung in England sollen ausgebaut werden, berichtet Bloomberg.

Welche Modelle Lotus groß gemacht haben
Britischer Bausatz
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Der britische Rennwagen-Konstrukteur Colin Chapman gründete Lotus Engineering in Hethel bei Norfolk im Jahr 1952 und teilte sie später auf in Lotus Components und Lotus Cars. Das erste erfolgreiche Serienmodell von Lotus, der Lotus 6, wurde als Bausatz vertrieben. Trotz der geringen Stückzahl von ungefähr 100 Wagen errang der Lotus 6 zahlreiche Erfolge, auch bei Bergrennen. Darauf folgten Lotus 8 sowie Mk 9, Mk 10 und Mk 11, der in seiner Klasse auch den prestigeträchtigen Langstreckenklassiker 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann.

Legenden auf der Rennstrecke
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Wenige Jahre nach der Gründung gab es bei Lotus eine Fokussierung auf den Rennsport. 1957 wurde das erste Auto gebaut, das ausschließlich für Rennen gedacht war. Der Mk12 stand am Anfang einer lang anhaltenden und sehr erfolgreichen Rennsportkarriere. Lotus-Fahrzeuge galten als außerordentlich innovativ.

Leichter als der Rest
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1957 begann für Lotus eine erfolgreiche Rennsportkarriere, mehrfach konnte man den Weltmeistertitel der Konstrukteure gewinnen. Colin Chapman erreichte dies aber nicht in erster Linie durch Leistungssteigerung, sondern durch Leichtbau und neuartige Fertigungsverfahren. Nicht selten, so warfen ihm Konkurrenten vor, missachtete er elementare Sicherheitsregeln zugunsten fortschrittlicher Technik.

Mit Elan auf der Straße
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Mit über zwölftausend produzierten Autos ist der Elan der erfolgreichste Wagen, der je von Lotus gebaut wurde. Einen Elan zu fahren bedeutet immer noch ein unvergleichliches Erlebnis, denn Agilität und Straßenlage sind unübertroffen.

Schmal gebaut
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Einem breiten internationalen Publikum wurde der Lotus Elan durch seinen Einsatz in der Serie “Mit Schirm, Charme und Melone” als Dienstwagen von Emma Peel zugänglich gemacht. Eine andere Figur als die Film-Agentin darf man aber auch kaum haben, wenn man in dem schmalen und engen Sitz Platz finden will. Viele Lotus-Testfahrer waren gertenschlank und maßen unter 1,80 Meter. Ihnen passten die Karossen vorzüglich.

Europa auf Rädern
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1966 begann die Produktion des Lotus Europa. Im Dezember des Jahres vorgestellt, war er ursprünglich nur für die ausländischen (nicht-UK) Märkte bestimmt. Nur 296 Exemplare des ursprünglichen S1 wurden gebaut, mit einer minimalistischen Konstruktion, geschlossenen Seitenfenstern, festen Sitzen (nur die Pedale waren verstellbar), kaum Türverkleidungen und einfachen Instrumenten.

Am Ende ein Auslaufmodell
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1967 kam der Elan +2 ins Programm, ein 2+2-Sitzer, der vom 1961er-Elan abgeleitet worden war. Ein neues frontgetriebenes Modell mit japanischem Vierzylinder-Turbomotor, das 1990 präsentiert wurde, war ein Flop. Die Produktion wurde 1993 schließlich eingestellt und die Lizenz an Kia verkauft. Anfang der Siebziger startete der Esprit, der bis 2004 gebaut wurde.

„Geely ist fest entschlossen aus Lotus wieder eine weltweit führende Marke für Luxusautos zu machen“, heißt es aus dem Unternehmen. Darüber hinaus wollen die Briten die Ausbaupläne aber nicht kommentieren.

Die Offensive bei Lotus passt in die Strategie von Li Shufu. Der Geely-Chef hatte zuletzt mit einem Einstieg bei Daimler für Aufsehen gesorgt. Innerhalb weniger Wochen hatte er sich mit 7,2 Milliarden Euro am deutschen Premiumriesen beteiligt und war mit einem Anteil von 9,78 Prozent zum größten Einzelaktionär aufgestiegen.

Zu seinem Autoreich gehören neben Geely auch Marken wie Volvo und neue Hersteller wie Lynk. Perspektivisch will der Chinese zu den ganz Großen der Autoindustrie wie Volkswagen und Toyota aufschließen. Eine weltweit bekannte Sportwagenmarke fehlt in seinem Portfolio noch.

Zunächst will er darum 200 Ingenieure einstellen, die Lotus auch technologisch wieder konkurrenzfähig machen sollen. Darüber hinaus seien ein zweites Werk in Großbritannien, sowie ein neues Design- und Innovationszentrum in Planung, berichtet Bloomberg weiter.

Der legendäre 007 Lotus Esprit aus dem James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“. Quelle: Reuters
Bond fuhr mit

Der legendäre 007 Lotus Esprit aus dem James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“.

(Foto: Reuters)

Mit seinen Investitionen will Li Shufu Lotus als Konkurrent für hochprofitable Sportwagenmarken wie Porsche und Ferrari aufbauen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Geely dafür die Lotus-Anteile von Proton übernommen.

Der jüngste gescheiterte Versuch, Lotus wieder zur globalen Marke aufzubauen, ist dabei noch nicht einmal zehn Jahre her. Auf dem Pariser Autosalon 2009 hatte der damalige Chef Dany Bahar die Wiedergeburt von Lotus verkündet. Fünf neue Modelle wurden angekündigt. Doch aus dem 800-Millionen-Euro-Investment wurde nichts. Nach nur drei Jahren musste Bahar gehen, Lotus ging an Proton.

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