Staat steigt ein Deutschland erkauft sich mehr Macht bei EADS

Die neue Aktionärsstruktur bei EADS steht. Deutschland kauft sich erstmals direkt in den Konzern ein. Doch trotz der Staatsbeteiligung erhofft sich Firmenchef Tom Enders nun mehr Unabhängigkeit.
Update: 05.12.2012 - 21:28 Uhr 7 Kommentare

Deutschlands unnötiger Einstieg bei EADS

München/ParisEs ist beschlossene Sache: Deutschland steigt als dritter Staat in den Kreis der Großaktionäre beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ein. Die drei Regierungen in Paris, Madrid und Berlin einigten sich am Mittwoch nach tagelangem Ringen mit den industriellen Großaktionären Daimler und Lagardere auf eine umfassende Neuordnung im Eigentümerkreis des Unternehmens.

Danach werden Deutschland und Frankreich mit jeweils zwölf Prozent am stimmberechtigten EADS-Kapital beteiligt sein. Hinzu kommt Spanien mit einer Beteiligung von vier Prozent. Die drei Staatsaktionäre erhalten jedoch keine Vetorechte und unterliegen einer neuen Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent. Sie kommen mit einer Anteilsquote von zusammen knapp 30 Prozent auf einen maßgeblichen, aber nicht bestimmenden Einfluss.

Für den EADS-Konzern bedeuten die Vereinbarungen die größte Umwälzung in seiner zwölfjährigen Geschichte. Die Gesellschaft wird nach den Worten von Firmenchef Tom Enders nunmehr insgesamt unabhängiger von Außeneinflüssen.

„Die Leitung des operativen Geschäfts steht nicht mehr unter dem Einfluss verschiedener Anteilseigner oder Aktionärsgemeinschaften“, hob er hervor. Die Unternehmensstrategie und Firmenprojekte würden künftig allein vom Management und Verwaltungsrat entschieden. „Heute ist ein guter Tag für EADS“, unterstrich er.

Für die EADS-Führung ist entscheidend, dass die Regierungen nicht mehr direkt Vertreter in den Verwaltungsrat schicken dürfen. Das Vorschlagsrecht für die von den Staaten beanspruchten Sitze liegt bei dem EADS-Management, die Staaten können zustimmen oder ablehnen.

Auch Kanzlerin Angela Merkel zeigt sich erfreut. „Die Bundeskanzlerin begrüßte die heutige Verständigung über eine neue Aktionärspartnerschaft für die EADS“, hieß es in einer Erklärung der Bundesregierung. Die deutsch-französische Partnerschaft im Konzern könne damit in Balance weitergeführt werden.

„Unternehmerische Freiheit von EADS wird gestärkt“
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7 Kommentare zu "Staat steigt ein: Deutschland erkauft sich mehr Macht bei EADS"

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  • Macht Macht blind, oder warum sieht Berlin die perfide und durch den Élysée-Palast „rückengedeckte/gesteuerte“ Politik nicht?
    „Insider“ kommentierte treffend die Airbus-Situation. Das trifft uneingeschränkt auch auf Eurocopter Deutschland (ECD) zu
    Die Weichen sind gestellt, um ECD zur „verlängerten Werkbänk“ degenerieren zu lassen.
    Die Tage von Tiger und NH90 sind gezählt. Aber was kommt danach?
    Mit viel Tamtam wird Sand in die Augen derer gestreut, die man glauben machen möchte, die Investition in die X9 würde ECD langfristig sichern. Augenwischerei!
    Dass dieses Programm intern von französischer Seite hart bekämpft wird, wird zudem verschwiegen.
    Während in Marignane Programme zu Hauf (X3, X4, X6, EC175) finanziert werden, werden ECD`s Langfristperspektiven demontiert.
    Die Frage stellt sich, wann das einzige militärische Zukunftsprogramm, dass für ECD gleichwertige Chancen bieten könnte, der Future Transport Helicopter, den Attacken aus Frankreich zum Opfer fällt.
    Was tut das deutsche Management? Alles Schlappschwänze?
    Berlin kauft Anteile der EADS und agiert damit industriepolitisch und hat offensichtlich erkannt, dass das Geschehen bei EADS von originärer nationaler und politischer Bedeutung ist.
    Doch es hapert mal wieder an der Umsetzung. „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“, so handelt Berlin.
    Warum stärkt man dem deutschen Management nicht in gleicher Weise den Rücken -wie es Frankreich tut-, damit diese selbst für Ausgewogenheit sorgen können?
    Berlin sollte verstehen, dass Manager, deren persönliches Schicksal -wegen fehlender äquivalenter Berliner Rückendeckung- maßgeblich vom französischen Wohlwollen abhängt, sich nicht unbedingt gegen deren Industriepolitik stark machen.
    Auf jeden Fall nicht alle und nur unter Inkaufnahme persönlicher Nachteile.
    Wenn Berlin nicht durch Paris über den Tisch gezogen werden will, muss es die Spielregeln befolgen.
    Liebes Berlin: Macht geht einher mit Verantwortung und Verpflichtung. Also handelt entsprechend!

  • Sie haben völlig Recht, jetzt, nachdem beschlossen wurde das auch der EADS Hauptsitz nach Toulouse kommt, erlaubt Frankreich die Lockerung der operativen Posten.
    -Airbus in Toulouse
    -Eurcopter in Marigane
    -Astrium in Paris und
    - EADS in Toulouse
    WO kommt den das lokale Personal her, natürlich aus Frankreich.
    Die Dumm-CDU hat sich über den Tisch ziehen lassen und freut sich über das tolle Ergebnis.
    Jede Zentrale steuert die Budget´s, die Ressourcen und in der Zentrale werden wichtige Kerntätigkeiten wie Programmplanung, Simulation, Prototypen, Zulassungsverfahren Initialfertigung gesteuert.
    Was bleibt für DE?
    Röhren biegen und nieten.
    Garantiert wird nach dem A380 und A350 Programm der A320 Nachfolger in Toulouse geplant, modeliert und gebaut.
    Hamburg geht LEER aus.
    Jeder der glaubt es ist ein Paritätsunternehmen sollte mal auf youtube die "A350 Assembly Line Ceremony" anschauen.
    Französische Fahne + die obligatorische EU Fahne, alle quatschen Französich und die Deutschen Manager schauen wie begossene fremde Pudel. Ein Europa Geheuchel unter Französischer Führung. Das gleiche mit der Ariane6, diese wird den ohnehin minimalen deutschen Anteil von 10% weiter stutzen.Luft und Raumfahrt wurde in Deutschland aufgebaut, von Franzosen nach dme Krieg übernommen und von Dumm-Deutschland brav finanziert. Nationalistische Töne?
    Nein, es zeigt und belegt die Unverfrorenheit der Franzosen, die immer wieder Wut erstarken lassen, Danke EU!

  • Unsere Politiker jubeln , oder zeigen sich scheinbar bei allem erfreut, was zum Nachteil Deutschlands ist.

  • Industriepolitik nach dem Motto der DDR ???

    das ist schließlich nicht irgendeine Firma sondern ein Rüstungskonzern !
    Und der gehört zumindest nicht mehrheitlich in private Hände !!

  • Was für ein Unsinn. Merkt eigentlich niemand, dass wir hier Industriepolitik nach dem Motto der DDR betreiben. Der Staat hat Aufgaben der "Daseinsvorsorge". Dazu gehört mit Sicherheit nicht der Geschäftsbetrieb von EADS. Auch wenn Frau Merkel das aus ihrer Jugend so kent und wenn die Franzosen das für gut heißen. Der Staat ist und bleibt ein lausiger Unternehmer!

  • Sehr viel gibt es eh nicht mehr aus DE rauszuverlagern. Anderseits wird es bei EADS auf Jahre keine neuen größeren Programme geben, wo etwas neu zu verteilen gibt. Cassidian darf jetzt auch nicht mehr alleine sensible Deutsche Rüstungsgeschäfte abschließen. Das DE Geschäft dürfte weniger werden.
    Jetzt dürfte ein Stühlerücken in Gang kommen. Die Politischen Vorgaben gelten ja jetzt nicht mehr.

  • Den Anspruch auf Augenhöhe begrüße ich. Jedoch:

    Der Enders jubelt zu Recht. Im alten Vertrag hatte Deutschland direkten operativen Einfluss - jetzt nur noch auf die Vorstandsbesetzung. Und der kann walten wie er will.

    Heißt: Der bisherige Ausverkauf der deutschen Standorte besiegelt, ANSPRUCH auf Rückführung/Parität verwirkt.

    Blöd.

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