Stahlfusion Investoren erhöhen Druck auf Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger

Die Fonds Cevian und Elliott stellen die Bedingungen der Stahlfusion mit Tata infrage. Sie fordern einen besseren Deal.
Update: 11.06.2018 - 16:27 Uhr Kommentieren
Der europäische Betriebsrat von Tata Steel stellt eine reihe von Forderungen auf. Stellenstreichungen müssten etwa bis 2022 ausgesetzt werden. Quelle: AP
Thyssen-Krupp

Der europäische Betriebsrat von Tata Steel stellt eine reihe von Forderungen auf. Stellenstreichungen müssten etwa bis 2022 ausgesetzt werden.

(Foto: AP)

DüsseldorfKurz vor der Entscheidung über die Fusion der europäischen Stahlsparten von Thyssen-Krupp und Tata mahnen führende Aktionäre eine Neubewertung des Deals an.

So beklagt der mit 18 Prozent zweitgrößte Eigner des Essener Industriekonzerns, der schwedische Fonds Cevian, dass sich die Gewinne der beiden Partner Thyssen-Krupp Steel Europe und Tata Steel Europe deutlich auseinanderentwickelt haben. „Wir sind nicht gegen das Joint Venture“, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt.

„Doch seit der Absichtserklärung im vergangenen September hat sich der Wert der beiden Unternehmen auseinanderentwickelt – zum Nachteil von Thyssen-Krupp.“

Der Finanzinvestor reagiert damit auf Forderungen des US-Hedgefonds Elliott, der vor wenigen Wochen seinen Einstieg bei Thyssen-Krupp bekanntgab. Der Kurs der Aktie stieg daraufhin innerhalb eines Tages um fast zehn Prozent an. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete, habe Elliott in einem Brief an Vorstandschef Heinrich Hiesinger vom Freitag nun darauf gedrängt, einen besseren Deal für Thyssen-Krupp auszuhandeln.

So sei der Gewinn von Tata Steel Europe in einer 12-Monats-Betrachtung zum Stichtag März 2018 im Vergleich zum Stichtag Juni 2017 um 28 Prozent gefallen, während Thyssen-Krupp Steel Europe den Wert um 38 Prozent gesteigert habe. „Die bedeutende Divergenz in der relativen Bewertung sollte sich angemessen in den endgültigen Bedingungen des Stahl-Joint-Ventures widerspiegeln“, zitiert die Zeitung den Brief.

Ähnlich äußerte sich nun Cevian: „Man muss sich fragen, ob heute noch die gleichen Voraussetzungen gelten wie vor einem Jahr, als man die Vereinbarung mit Tata geschlossen hat“, so ein Sprecher.

Bisher sieht der Deal zwischen Thyssen-Krupp und Tata vor, dass beide Unternehmen je 50 Prozent an dem künftigen Joint Venture halten sollen. Weil jedoch die beiden Unternehmensteile unterschiedlich viel wert sind, darf Thyssen-Krupp anteilig mehr Schulden in das Gemeinschaftsunternehmen einbringen – geschätzt etwa vier Milliarden Euro.

Bei Tata sind es 2,5 Milliarden. Angesichts der zuletzt gegenläufigen Geschäftsentwicklung sehe Elliott nun eine Bewertungslücke von 1,9 Milliarden Euro, so der Bericht. Dementsprechend solle Thyssen-Krupp entweder mehr Schulden einbringen dürfen – oder einen höheren Anteil erhalten.

Tatsächlich entwickelten sich die beiden Joint-Venture-Partner zuletzt stark auseinander. So verzeichnete Thyssen-Krupp Steel Europe zwischen Januar und März 2018 einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 198 Millionen Euro, während Tata Steel Europe im gleichen Zeitraum einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 146 Millionen Euro erzielte. Im Vorjahresquartal lag das Ebit von Thyssen-Krupp bei 91 Millionen Euro – das Ebitda von Tata bei fast 261 Millionen Euro.

Das Ungleichgewicht zwischen den beiden Sparten wurde auch von Arbeitnehmervertretern immer wieder kritisiert. So erklärte Wilhelm Segerath, Konzernbetriebsratschef bei Thyssen-Krupp, der Nachrichtenagentur Bloomberg in der vergangenen Woche: „Die divergierende Entwicklung der beiden Unternehmen unterstreicht unsere Bedenken, was die Tragfähigkeit des Joint Ventures angeht.“ Dabei bezog sich Segerath speziell auf den britischen Teil des Tata-Konzerns, der nach vielen verlustreichen Jahren zuletzt wieder schwarze Zahlen schrieb.

Ähnlich kritische Töne kamen am Montag vom europäischen Gesamtbetriebsrat von Tata Steel. So sei das Gremium nicht davon überzeugt, dass die Fusionspläne im besten Interesse des Unternehmens und seiner Beschäftigten seien, hieß es in einer Mitteilung.

Die Arbeitnehmervertreter von Tata warfen Thyssen-Krupp darin vor, sich gemeinsamen Gesprächen zu verschließen, und forderten Arbeitsplatzgarantien bis 2022 und Werksgarantien bis 2026. Für die deutschen Beschäftigten hatte Thyssen-Krupp bereits eine Jobgarantie bis 2026 gewährt.

Bis Ende Juni will Vorstandschef Heinrich Hiesinger die Zustimmung des Aufsichtsrats zu der seit zwei Jahren geplanten Stahlfusion einholen. Elliott und Thyssen-Krupp wollten sich dazu nicht äußern.

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