Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Stahlhändler Experten und Anleger hoffen auf Fusion von Thyssen-Krupp und Klöckner

Ein Zusammenschluss dürfte beide Unternehmen profitabler machen. So könnte der dominante Stahlhändler in Nordamerika und Europa entstehen.
Kommentieren
Eine Übernahme von Klöckner & Co. brächte fast durchgängig nur Vorteile. Quelle: Bloomberg
Qualitätskontrolle bei Thyssen-Krupp

Eine Übernahme von Klöckner & Co. brächte fast durchgängig nur Vorteile.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Zumindest die Börse hatte ihr Urteil schnell gefällt. Nachdem das Handelsblatt am Donnerstagabend berichtete, dass sich Thyssen-Krupp und der Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co. in konkreten Fusionsgesprächen befinden, sprang der Kurs des SDax-Konzerns zeitweise um 17 Prozent nach oben.

Zwar gab die Aktie einen großen Teil des Wertzuwachses über den Freitag wieder ab. Doch unter dem Strich war das Votum der Anleger mit einem Kursplus von mehr als sieben Prozent zum Ende der abgelaufenen Handelswoche deutlich.

Während der größere Partner Thyssen-Krupp mit dem geplanten Kauf sein Stahlgeschäft stärken will, bietet der Deal für Klöckner eine Möglichkeit, die eigene Marge zu verbessern. Sie lag im abgelaufenen Geschäftsjahr, bezogen auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), bei rund 1,8 Prozent – und damit ebenso niedrig wie im Handelsgeschäft von Thyssen-Krupp, das allerdings gut 2,5-mal so viel umgesetzt hat wie der kleinere Wettbewerber.

Gemeinsam hätten beide Unternehmen gute Chancen, ihre Profitabilität zu erhöhen, wie erste Einschätzungen von Analysten zeigen. So sagte etwa Sven Diermeier, der für Independent Research sowohl Klöckner als auch Thyssen-Krupp beobachtet: „Es gibt regionale Überschneidungen, hier lassen sich Synergien heben.“

Zwar stelle sich bei einer Übernahme die Frage, „ob so ein Zusammenschluss unter zwei Marktführern nicht wieder kartellrechtliche Bedenken hervorruft wie im Fall der Stahlfusion mit Tata Steel Europe“, so Diermeier. Doch für die Unternehmen sei der Plan sinnvoll: „Die erzielbaren Margen im Stahlhandel sind generell niedrig. Beide Unternehmen müssen Kosten senken. Hier schafft ein Verbund unseres Erachtens Vorteile.

Schon seit einiger Zeit steht Klöckner-Chef Gisbert Rühl unter dem Druck, den Stahlhändler profitabler aufzustellen. Denn derzeit gelingt es dem Unternehmen nicht, die eigenen Kapitalkosten wieder einzuspielen.

Für Investoren ist der sogenannte Roce (Return on capital employed), also die Rendite auf das eingesetzte Kapital, in diesem Zusammenhang eine wichtige Kenngröße. Liegt der Roce unter den durchschnittlichen Kosten für das eingesetzte Kapital, lohnt sich ein Investment nicht.

Denn nach Abzug der Kapitalkosten bleibt in diesem Fall kein Gewinn mehr für den Investor übrig, auch wenn das Unternehmen in Bezug auf den Betriebsgewinn profitabel ist.

Hohes Sparpotenzial

Im Fall von Klöckner liegen die gewichteten Kapitalkosten derzeit bei gut acht Prozent. Der Roce wiederum lag von März 2018 bis März 2019 bei nicht einmal der Hälfte. Zwar hat Vorstandschef Rühl zuletzt versprochen, den Wert bis 2022 auf zehn Prozent zu erhöhen. Doch angesichts der derzeitigen Abwärtsbewegung auf dem Stahlmarkt ist fraglich, ob der Konzern diesen Kraftakt so schnell allein schaffen kann.

Doch durch den Zusammenschluss mit der Handelssparte von Thyssen-Krupp wären auf einen Schlag jährliche Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe möglich – was die Profitabilität eines fusionierten Konzerns zusätzlich zu weiteren Einsparungen etwa im Einkauf drastisch erhöhen würde.

Schon länger schaut Rühl deshalb in Richtung Essen. Seit sich Thyssen-Krupp unter Heinrich Hiesinger vom Stahl- zum Technologiekonzern wandeln wollte, hatte der Manager mehrfach Interesse an Teilen der Handelssparte geäußert. Noch Ende Juli hatte Rühl erklärt: „Wir sind grundsätzlich bereit, bei der Konsolidierung der Thyssen-Krupp-Sparte Materials Services eine Rolle zu spielen.“ Genau dazu könnte es nun kommen – wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen.

Beide Konzerne haben sich bislang nicht öffentlich zu den laufenden Fusionsgesprächen geäußert. Auch ist noch unklar, wie die Großaktionäre auf die Pläne reagieren, die noch ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Bei Thyssen-Krupp sind das die Krupp-Stiftung sowie der schwedische Investmentfonds Cevian, die 21 beziehungsweise 18 Prozent am Ruhrkonzern halten.

Bei Klöckner ist das vor allem der Unternehmer Friedhelm Loh, der sich seit 2015 schrittweise eine Position zwischen 25 und 30 Prozent aufgebaut hat – und mit seinem Investment bisher vor allem herbe Verluste einfahren musste.

Verkauf der Aufzugsparte hat Priorität

Ersten Schätzungen zufolge müsste Thyssen-Krupp wohl rund 800 Millionen Euro zahlen, um den Stahlhändler zu übernehmen. Das wäre ein Kursaufschlag zum Schlusskurs von Freitag von fast 80 Prozent – und deshalb angesichts der aktuellen Stahlflaute wohl ein gutes Argument für Klöckner-Aktionäre, sich von ihren Anteilen zu trennen.

Denn im Moment notieren die Papiere so tief wie lange nicht: Mit einer Marktkapitalisierung von rund 450 Millionen Euro liegt der Börsenwert des Unternehmens bei etwas mehr als der Hälfte der langfristigen Vermögenswerte des Unternehmens, also aller Sachanlagen, Gebäude, Wertpapiere und Patente.

Doch bis es überhaupt zu einem solchen Angebot kommen kann, muss Thyssen-Krupp sein Aufzugsgeschäft teilweise verkaufen oder an die Börse bringen. Das sei derzeit die wichtigste Frage für den Ruhrkonzern, sagte Union-Investment-Portfoliomanager Michael Muders der Nachrichtenagentur Reuters. Der Fonds ist nach Daten vom März mit etwa einem halben Prozent bei Thyssen-Krupp investiert.

Klappt die Fusion mit Klöckner, entstünde unter dem Dach der Essener der dominante Stahlhändler in Nordamerika und Europa. Zusammen kämen die beiden Firmen auf Basis der Ergebnisse des jeweils abgelaufenen Geschäftsjahres auf einen Umsatz von mehr als 21 Milliarden Euro mit insgesamt rund 27.000 Mitarbeitern.

Mehr: Der Verkauf der Aufzugsparte könnte Thyssen-Krupp neuen finanziellen Spielraum verschaffen – nicht nur für Zukäufe. Doch es gibt noch Hürden.

Startseite

Mehr zu: Stahlhändler - Experten und Anleger hoffen auf Fusion von Thyssen-Krupp und Klöckner

0 Kommentare zu "Stahlhändler: Experten und Anleger hoffen auf Fusion von Thyssen-Krupp und Klöckner"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote