Stahlhandel Klöckner macht Tempo bei der Digitalisierung

Klöckner & Co will in zwei Jahren rund die Hälfte seiner Verkäufe online abwickeln. Das soll die Marge des Stahlhändlers nach oben schrauben.
Update: 28.02.2018 - 14:05 Uhr Kommentieren
Der Stahlhändler erhöht nach guten Zahlen die Dividende. Quelle: dpa
Klöckner & Co

Der Stahlhändler erhöht nach guten Zahlen die Dividende.

(Foto: dpa)

DüsseldorfVor knapp drei Jahren hat Europas größter werksunabhängiger Stahlhändler Klöckner & Co (KlöCo) begonnen, Webshops und Online-Plattformen aufzubauen, um darüber Bleche, Rohre und Profile zu verkaufen und Dienstleistungen wie den passgenauen Zuschnitt anzubieten. Mittlerweile erzielt der Duisburger Traditionskonzern rund 18 Prozent seiner Umsätze über seine digitalen Kanäle.

Bis auf Belgien, das in Kürze folgen soll, ist der Onlineshop in nun allen zwölf Ländern vertreten, in denen der Konzern Geschäfte macht. Einen weiteren Schub in Richtung Digitalisierung verspricht sich KlöCo-Chef Gisbert Rühl von der erst vor wenigen Tagen eröffneten Industrieplattform XOM, auf der nun auch Wettbewerber ihre Produkte einstellen können.

Als erster großer Kunde vertreibt der finnische Edelstahlhersteller Outokumpu darüber seine Produkte, weitere sollen in den kommenden Monaten folgen. „Klöckner muss in der Lage sein, über alle Kanäle zu verkaufen“, verteidigte Rühl am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz die im eigenen Haus nicht unumstrittene Strategie. „Eine solche unabhängige Plattform wird sich durchsetzen, weil sie für die Kunden einfacher zu handhaben ist. Die Frage ist nur: Wer macht sie?“

Rühl hat darauf längst eine Antwort gefunden: Er sieht Klöckner als Vorreiter im digitalen Werkstoffhandel und diese führende Position will er mit XOM weiter ausbauen. Dafür holt er in den kommenden Wochen Risikofinanzierer – vorzugsweise aus dem Silicon Valley – ins Boot. Die sollen mit ihrem Einstieg in die Plattform das Wachstum absichern und für das notwendige Tempo bei der digitalen Transformation sorgen. „So etwas funktioniert nur, wenn Venture-Capital-Firmen dahinter stehen“, ist Rühl überzeugt. „Sie müssen dafür bereit sein, auch mal neue Wege zu gehen.“

XOM soll nach den ersten Erfahrungen in Europa im dritten Quartal auch in den USA geöffnet werden. Der ist für Klöckner schon jetzt einer der wichtigsten Einzelmärkte und dazu sehr aufgeschlossen, was Online-Angebote betrifft. Für diesen Schritt ist Rühl bereit, sich auf mittlere Sicht mit einer Minderheitsbeteiligung zwischen 25 und 30 Prozent zufriedenzugeben. „Wir wollen am Wertzuwachs partizipieren, das geht aber nur, wenn wir auch Anteilen abgeben“, sagt er. Gleichzeitig gewinnt eine solche Plattform für Wettbewerber an Attraktivität, wenn sie unabhängig von einem führenden Unternehmen der Brache agiert.

In der ersten Finanzierungsrunde will Rühl einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag einziehen. „Das soll für die nächsten anderthalb Jahre erst einmal reichen“, sagte er. Derzeit arbeiten zehn Mitarbeiter für XOM, zehn weitere sollen kurzfristig folgen. Um die Loslösung von Klöckner zu demonstrieren, haben sie außerhalb der Digitaltochter klöckner.i eigene Büroräume in Berlin bezogen.

Mit seiner Digitalisierungsstrategie verbindet Rühl ehrgeizige Pläne: Schon im Jahr 2020 will er die Hälfte seines Umsatzes über digitale Vertriebskanäle erzielen, zwei Jahre später sollen es schon 60 Prozent sein. „Der Markt ist in Bewegung gekommen“, sagte er. „Immer mehr Kunden wollen digital einkaufen.“ Auch bauten Wettbewerber ihre digitalen Angebote aus. Der kostengünstigere Vertrieb soll KlöCo nach den Plänen Rühls helfen, die Marge von derzeit 3,5 Prozent in wenig Jahren auf fünf Prozent anzuheben.

Ohnehin läuft es für Klöckner nach Jahren der Dürre wieder ganz gut. Dank gestiegener Preise und Kostensenkungen stieg der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im abgelaufenen Geschäftsjahr um 12,3 Prozent auf 220 Millionen Euro. Das Konzernergebnis verbesserte sich von 38 Millionen auf 102 Millionen Euro. Die Aktionäre können sich auf eine um 50 Prozent angehobene Dividende von 30 Cent freuen.

Für das laufende Jahr zeigte sich Rühl verhalten optimistisch – trotz politischer Turbulenzen aus den USA mit der Androhung von Strafzöllen. „Die Aussichten sind nicht schlecht“, sagte er. So rechnet Rühl in den wesentlichen Absatzmärkten Europa und USA mit einem Anstieg der Stahlnachfrage um rund zwei Prozent, in den USA könnte sie sogar noch stärker ausfallen. Die Nachfrage aus dem Bau sei unverändert stark, die Öl- und Gasindustrie erhole sich zusehends und auch der Maschinenbau laufe gut.

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