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Stahlindustrie Für Europas Stahlkonzerne steht das Jahrzehnt der Entscheidungen an

Der Klimaschutz und schmerzhafte Strukturanpassungen stellen Unternehmen vor eine gewaltige Aufgabe. Ob sie gelingt, können Firmen kaum beeinflussen.
09.01.2020 - 03:55 Uhr Kommentieren
Stahlindustrie: Das Jahrzehnt der Entscheidungen Quelle: imago/Jochen Tack
Tata-Stahlwerk in IJmuiden

Für die Stahlbranche beginnt ein hartes Jahrzehnt.

(Foto: imago/Jochen Tack)

Düsseldorf Als der indisch-europäische Stahlgigant Tata Steel vor einigen Wochen seine Quartalszahlen vorlegte, fiel das Ergebnis glänzend aus – zumindest für europäische Verhältnisse. Um vier Prozent höhere Auslieferungen und eine bereinigte Ergebnismarge von gut 11,6 Prozent wären hierzulande den ein oder anderen Bonus wert. Doch für den Stahlriesen aus Indien ist es ein herber Rückschlag – nachdem noch im Vorjahresquartal fast die doppelte Marge (21,1 Prozent) unter dem Strich stand.

Es ist das Geschäft in Europa, das dem Stahlriesen aus Indien derzeit die größten Sorgen bereitet. 3000 Stellen will der Stahlkonzern in Großbritannien und den Niederlanden streichen, nachdem das Europageschäft im Angesicht von Brexit und Autokrise in die roten Zahlen gerutscht ist. Schon lange will sich der indische Konzern von dem Verlustbringer lösen. Doch alle Versuche, die europäische Tochter in ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem Konkurrenten zu überführen, scheiterten bislang.

So wie Tata Steel Europe geht es derzeit vielen Unternehmen der Branche: Auch Thyssen-Krupp, einst Wunschpartner der Inder, will 2000 Stellen in seinem Kerngeschäft streichen. Und die österreichische Voestalpine, eigentlich als Topverdiener der Branche bekannt, kürzt 300 Jobs in Deutschland. Reihenweise fahren Firmen wie der weltgrößte Hersteller Arcelor-Mittal in Europa ihre Produktion herunter. Es herrschen wieder Kurzarbeit und Krisenstimmung in der Branche.

Waren es 2016 Billigimporte aus China, die hierzulande für einen Preisverfall sorgten, ist es heute eine ausgewachsene Industrierezession, die die Hersteller in Atem hält. Ein Ende des Strukturwandels in der Autoindustrie, die zu den wichtigsten Kunden der Stahlhersteller zählt, ist nicht in Sicht.

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    Gleichzeitig baut sich wegen der steigenden Anforderungen an den Klimaschutz in den kommenden Jahren ein milliardenschwerer Investitionsbedarf auf, der sogar in guten Zeiten schwer zu stemmen wäre, während die Kosten für CO2-Zertifikate ab 2021 steigen.

    Keine Frage: Die 2020er-Jahre werden das Jahrzehnt der Entscheidungen für Europas Stahlindustrie. Experten wie Nicole Voigt, Partnerin bei der Beratung BCG, rechnen daher mit einer weiteren Konsolidierung in der Branche. „Neben den Kostenvorteilen bei der Entwicklung klimaneutraler Technologien sprechen auch die immer noch bestehenden Überkapazitäten für Zusammenschlüsse“, so die Beraterin. „Zu einer Strategie, diese Problematik anzugehen, gehört letztlich auch die Schließung von Standorten.“

    Unbequeme Marktposition

    Denn während in wachsenden Märkten wie Indien hohe Infrastrukturinvestitionen die Stahlnachfrage treiben, produzieren die europäischen Unternehmen schon seit vielen Jahren deutlich unter ihren Möglichkeiten. Zwar hat die Auslastung der Produzenten beispielsweise in Deutschland seit der Finanzkrise, wo sie zeitweise auf nur 66 Prozent gefallen war, in den Jahren darauf wieder spürbar angezogen.

    Doch Werte jenseits der 90 Prozent wie vor der globalen Finanzkrise hat die Branche seither nicht mehr erreicht. Dabei ist die Auslastung eines Stahlwerks einer der wichtigsten Faktoren für dessen Profitabilität. Denn egal, ob man einen Hochofen mit 70 Prozent oder 90 Prozent Auslastung betreibt: Die Kosten für Energie und Personal, die in Europa traditionell ohnehin höher sind, bleiben im Wesentlichen gleich.

    Grafik

    Neben der sinkenden Nachfrage waren zuletzt auch steigende Rohstoffpreise für die Margenerosion der europäischen Stahlhersteller verantwortlich. Die zeitweise mehr als 60 Prozent gestiegenen Kosten für Eisenerz im Sommer konnten die Hersteller nicht an ihre Kunden weitergeben. Die Stahlpreise fielen im Gegenteil sogar je nach Sorte um bis zu zehn Prozent, wie Daten des Statistischen Bundesamts für das vergangene Jahr zeigen.

    Auch hier sind ausländische Produzenten gegenüber vielen EU-Herstellern teilweise im Vorteil, wie Stahlexpertin Voigt erklärt: „Produzenten in Indien oder Russland sind oft rückwärtsintegriert, das bedeutet, sie verfügen über eine eigene Eisenerzproduktion.“

    Wer einen direkten Zugang zu Rohstoffen wie Eisenerz oder auch Kohle besitzt, könne sich von den Preisentwicklungen unabhängiger machen. Ansonsten seien die Stahlhersteller zwischen den großen globalen Minenbetreibern einerseits und den großen Autoherstellern andererseits bei Preisverhandlungen „in einer unangenehmen Sandwichposition“, so die Beraterin.

    Denn der Markt ist angesichts seiner schieren Größe global immer noch sehr fragmentiert. Zwar gibt es mit Unternehmen wie Arcelor-Mittal oder Tata Steel aus Indien, Nippon Steel aus Japan oder der chinesischen Baowu-Gruppe viele globale Großkonzerne in der Branche, die einen Großteil ihrer Konkurrenz mengenmäßig locker abhängen.
    Gemessen an der globalen Gesamtproduktion von rund 1,8 Milliarden Tonnen macht aber selbst die Produktion des weltgrößten Herstellers Arcelor-Mittal von rund 96 Millionen Tonnen jährlich nur einen Bruchteil aus: Es sind gerade fünf Prozent.

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