Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Stahlindustrie Mögliche Übernahme durch Thyssen-Krupp lässt Klöckner-Aktie steigen

Die Gespräche über eine Übernahme von Klöckner durch Thyssen-Krupp treiben den Aktienkurs des Duisburger Stahlhändlers. Analysten begrüßen den Plan.
Kommentieren
Die Aktie des Stahlunternehmens legte am Freitag deutlich zu. Quelle: dpa
Klöckner & Co

Die Aktie des Stahlunternehmens legte am Freitag deutlich zu.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wer kürzlich Aktien des Duisburger Stahlherstellers Klöckner & Co. erworben hat, dürfte sich heute Morgen kurz die Augen gerieben haben. Denn nur wenige Minuten nach Handelsstart befand sich das Papier zeitweise mit rund 17 Prozent im Plus.

Ein Bericht des Handelsblatts über eine mögliche Fusion von Klöckner und der Werkstoffhandelssparte von Thyssen-Krupp ließ die Fantasie der Investoren aufblühen. So befinden sich die beiden Konzerne aus der Stahlbranche derzeit in Gesprächen über eine Übernahme von Klöckner durch den Ruhrkonzern.

Die geplante Akquisition soll der Befreiungsschlag für Thyssen-Krupp werden – und das schwächelnde Werkstoffgeschäft des Essener Industrieriesen stärken. Dessen Vorstandschef Guido Kerkhoff hatte den Stahl zum neuen Kerngeschäft erklärt, nachdem die Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel Europe am Veto der EU-Kartellwächter gescheitert war.

Zusammen kämen Klöckner und Thyssen-Krupps Werkstoffhandel auf einen Pro-forma-Umsatz von mehr als 21 Milliarden Euro mit rund 27 000 Mitarbeitern. Entstehen würde so der dominante Stahlhändler in Nordamerika und Europa, wo beide Konzerne schon jetzt stark präsent sind.

Entsprechend hoch sind die möglichen Synergien: Auf einen dreistelligen Millionenbetrag jährlich werden die finanziellen Vorteile der Fusion bislang geschätzt. Daran gemessen ist Klöckner mit einer Marktkapitalisierung von rund einer halben Milliarde Euro im Moment günstig zu haben.

Entsprechend positiv bewerten daher auch Analysten das Vorhaben der beiden Konzerne. So sagte Sven Diermeier von Independent Research, der sowohl Klöckner als auch Thyssen-Krupp beobachtet, dem Handelsblatt: „Nach der strategischen Wende versucht der Thyssen-Krupp-Vorstand, das Werkstoffgeschäft zu stärken.“ Eine Übernahme von Klöckner passe da gut in die Strategie.

Auch Rochus Brauneiser vom Analysehaus Kepler Chevreux bewertet die Pläne grundsätzlich positiv. Dass die alten Pläne für eine Deutsche Stahl AG wieder aus der Schublade geholt wurden, sei sinnvoll, schrieb der Analyst in einer Studie vom Freitag – auch wenn es noch hohe Durchführungsrisiken gebe.

Denn dass der Deal am Ende klappt, ist noch nicht klar. Zwar sei das Vorhaben „sehr konkret“ und habe „gute Chancen, umgesetzt zu werden“, wie es zuletzt aus dem Umfeld der Verhandlungen hieß. Doch vor wenigen Monaten stand Thyssen-Krupp schon einmal kurz vor einer erfolgreichen Fusion – und blitzte damit bei den Wettbewerbshütern der EU-Kommission ab.

Damit das nicht noch einmal passiert, geht der Konzern nun gerichtlich gegen die Entscheidung aus Brüssel vor. Zwar ist der Zusammenschluss mit Tata nun endgültig vom Tisch. Doch erhofft sich der Ruhrkonzern davon offenbar, dass seine Argumente bei künftigen Kontrollverfahren besser berücksichtigt werden.

Vorteile für beide Konzerne möglich

Auch im Fall von Klöckner besteht grundsätzlich die Möglichkeit eines Vetos der EU-Kommission. Denn der Stahlhandel ist stark zersplittert, wobei die Stahlproduzenten häufig eigene Handelsgesellschaften betreiben. Im Fall einer Fusion von Klöckner und Thyssen-Krupp würde ein in Europa und Nordamerika dominierender Anbieter entstehen – wobei denkbar ist, dass es aufgrund der bestehenden Überschneidungen zu Teilverkäufen kommen könnte.

„Es gibt regionale Überscheidungen, hier lassen sich Synergien heben", sagt auch Sven Diermeier von Independent Research. "Es stellt sich die Frage, ob so ein Zusammenschluss unter zwei Marktführern nicht wieder kartellrechtliche Bedenken hervorruft wie im Fall der Stahlfusion mit Tata Steel Europe."

Allerdings biete der Zusammenschluss für die Unternehmen durchaus Vorteile, so der Analyst. „Die erzielbaren Margen im Stahlhandel sind generell niedrig. Beide Unternehmen müssen Kosten reduzieren. Hier schafft ein Verbund unseres Erachtens Vorteile.“

Unklar ist allerdings, wie die Gewerkschaften und die Arbeitnehmervertreter auf die Pläne reagieren könnten. Denn angesichts des Kostendrucks und der bestehenden Überlappungen in einigen Regionen dürfte es bei einem Zusammenschluss auch zu einem Stellenabbau kommen.

Finanzieren könnte Thyssen-Krupp den Kauf indes durch den Erlös aus einem Börsengang oder Teilverkauf der Aufzugssparte. Der Wert des profitablen Geschäfts wird auf bis zu 14 Milliarden Euro geschätzt. Nach einem Kauf von Klöckner bliebe also genug Geld übrig, um damit Pensionslasten und Schulden zu finanzieren, die das Eigenkapital des Ruhrkonzerns seit Jahren belasten.

Von 21 Analysten empfehlen derzeit sechs das Papier der Essener zum Kauf, elf raten zum Halten und weitere vier zum Verkaufen. Im Schnitt sehen die Analysten den fairen Kurs der Aktie bei rund 13,40 Euro. Derzeit liegt der Kurs bei etwa 10,50 Euro je Anteil.

Mehr: Die Stahlindustrie ist derzeit von mehreren Seiten unter Druck. Stahlzölle, hohe Erzpreise und eine sinkende Nachfrage drücken bei den Herstellern zunehmend aufs Ergebnis.

Startseite

Mehr zu: Stahlindustrie - Mögliche Übernahme durch Thyssen-Krupp lässt Klöckner-Aktie steigen

0 Kommentare zu "Stahlindustrie: Mögliche Übernahme durch Thyssen-Krupp lässt Klöckner-Aktie steigen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote