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Voestalpine

Der Stahlkonzern konnte trotz vieler Aufträge die Gewinne nicht steigern.

(Foto: Reuters)

Stahlkonzern Politisches Risiko macht Voestalpine zu schaffen

Der Stahlkonzern fürchtet einen globalen Handelskrieg. Voestalpine verhandelt daher mit den Kunden über eine Beteiligung an den US-Strafzöllen.
08.08.2018 Update: 08.08.2018 - 12:56 Uhr Kommentieren

Wien Der Chef des Stahlkonzerns Voestalpine ist keiner, der lange um den heißen Brei herumredet. Wolfgang Eder, langjähriger CEO des österreichischen Unternehmens, gibt trotz guter Halbjahreszahlen keine Entwarnung: „Das größte Gefährdungspotenzial für die Entwicklung stellen aktuell die protektionistischen handelspolitischen Lenkungsmaßnahmen der USA beziehungsweise entsprechender Retorsionsschritte anderer Länder dar.“

In umständlichen Worten war Eder für einen Handelskrieg, der die Voestalpine wie andere Branchenteilnehmer ins Herz treffen könnte. „Die Gesamtsituation wird nicht einfacher“, resümierte der Vorstandschef. „Das Hauptrisiko liegt nicht im Marktbereich, sondern in der Politik.“

Wie gefährlich die Situation ist, zeigt die jüngste Entwicklung in den USA. Washington hat bekanntgegeben, ab 23. August auf weitere Importe aus China in Höhe von derzeit 16 Milliarden Dollar Strafzölle erheben zu wollen. Eine Liste mit den 276 betroffenen Importprodukten ist bereits veröffentlich worden. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt noch Schlimmeres angedroht, nämlich Strafzölle auf Importe von bis zu 500 Milliarden Dollar.
Voestalpine und andere Stahlhersteller müssen seit Anfang Juni Importzölle in den USA entrichten. „Monetäre Auswirkungen gibt es derzeit nicht“, sagte Eder am Mittwoch. „Die Zölle schlagen noch nicht auf das Ergebnis durch.“ Unter den US-Importzöllen fallen bei den Österreichern Stahlprodukte von lediglich 300 Millionen Euro. Das entspricht nur rund drei Prozent des Konzernumsatzes.

Voestalpine hat bereits 3000 Anträge auf Ausnahmegenehmigungen in den USA eingereicht. Bislang gelang es den amerikanischen Behörden aber noch nicht, zu einer Entscheidung zu kommen. „Wir erwarten erste Antworten im Laufe des August“, sagte Eder, um eine Befreiung von den Zöllen zu erreichen. Bis wann alle Anträge abgearbeitet werden können, ist unterdessen völlig unklar.

Hochofen-Reparatur belastet den Konzern weiter

Voestalpine verhandelt derzeit mit Kunden, darunter auch die deutschen Autohersteller, ob sie die zusätzlichen Kosten für die Importzölle in den USA übernehmen wird. Eder sprach von „konstruktiven Gesprächen“ mit den Kunden in den Vereinigten Staaten.

Voestalpine gab am Mittwoch einen defensiven Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr Der Langzeit-CEO prognostizierte am Mittwoch nur ein Ergebnis von Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) oder einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf Vorjahresniveau. Eine besondere Belastung ist die Reparatur des Hochofens am Stammsitz in Linz, der Anfang Juni heruntergefahren wurde. Die Mehrbelastung liegt nach Konzernangaben bei 150 Millionen Euro.

Ende September beziehungsweise Anfang Oktober soll der der Hochofen nach der Gesamtreparatur wieder in Betrieb genommen werden. An der Börse löste die zurückhaltende Prognose keine Begeisterung aus. Die Aktie der Voestalpine gab am Mittwochmittag leicht um 0,26 Prozent auf 41,86 Euro nach. Der Kurs des Papiers entwickelt sich bislang nicht, wie es sich Eder wünscht.

Das erste Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 lief es für den Linzer Konzern besser als erwartet. Die Erlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,7 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Das Ebitda belief sich mit 513 Millionen Euro ziemlich genau vor dem Zeitraum im vorigen Geschäftsjahr.

Voestalpine gilt als Vorzeigekonzern

Nicht zuletzt die gute Wirtschafsentwicklung in Europa, Nordamerika und China sorgte für die positive Bilanz. „Wir sehen keine Abschwächungstendenzen“, sagte Eder am Mittwoch. „Die Wachstumsdynamik ist breit.“ Die Ausnahme sei Großbritannien im Auto- und Bausektor wegen des Brexits.

Voestalpine gilt in der Stahlbranche als Vorzeigekonzern. Die Zahl der Mitarbeiter hat mit knapp 52.000 einen historischen Höchststand erreicht. Derzeit baut der Konzern in der Steiermark das weltgrößte Edelstahlwerk.

In Kapfenberg, 140 Kilometer südwestlich von Wien, sollen jährlich in einer volldigitalisierten Fabrik 205.000 Tonnen an Spezialstählen produziert werden. Dafür wird der Konzern nach eigenen Angaben rund 350 Millionen Euro investieren.

Voestalpine war zuletzt der renditestärkste Stahlkonzern in der Europäischen Union. Der vom österreichischen Linz gesteuerte Konzern hatte frühzeitig auf renditestarke Spezialstähle für die Auto-, Energie- und Bahnbranche gesetzt.

Der deutsche Konkurrent Thyssen-Krupp hingegen befindet sich in schwerem Fahrwasser. Sowohl Vorstandschef Heinrich Hiesinger als auch der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner traten zurück. Investoren fordern eine Aufspaltung von Thyssen-Krupp. An Teilen des Essener Konzerns haben die Österreicher allerdings kein Interesse. „Es gibt keine Assets, die für die Voestalpine interessant sein können“, sagte Eder.

Erst vor wenigen Tagen musste Thyssen-Krupp seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr kassieren: Statt mit einem ursprünglich prognostizierten bereinigten Ebit von bis zu zwei Milliarden Euro wird nun nur noch mit 1,8 Milliarden Euro gerechnet. Die Voestalpine erzielte im vergangenen Geschäftsjahr das Rekord-Ebit von 1,04 Milliarden Euro.

Eder entwickelt im laufenden Geschäftsjahr einen besonderen Ehrgeiz. Denn es wird für den 66-Jährigen sein letztes Jahr an der Spitze des Konzerns. Im Juli nächsten Jahres wird der Oberösterreicher nach 41 Jahren bei Voestalpine in Rente gehen.

Sein Nachfolger wird sein bisheriger Vorstandskollege Herbert Eibensteiner. Der 54-Jährige verantwortet bei der Voestalpine die Stahlsparte und ist seit 29 Jahren im Konzern. Eder will sich nach seinem Ausscheiden als CEO in Linz auf seinen Aufsichtsratsvorsitz beim Chipkonzern Infineon ab dem Jahr 2020 konzentrieren.

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