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Stahlkonzern Thyssen-Krupp rutscht tief in die Verlustzone – Anlagenbau steht zum Verkauf

Die Coronakrise reißt den Industriekonzern tief in die roten Zahlen. Das nächste Quartal könnte mit einem Milliardenverlust enden, warnt der Vorstand.
12.05.2020 Update: 12.05.2020 - 11:44 Uhr 7 Kommentare
Thyssen-Krupp macht Milliardenverlust im ersten Halbjahr Quelle: Imago
Thyssen-Krupp

Rund 3000 Stellen will Thyssen-Krupp mittelfristig im Stahlgeschäft einsparen. Weitere 3000 Arbeitsplätze stehen in den anderen Bereichen zur Disposition.

(Foto: Imago)

Düsseldorf Für Thyssen-Krupps neuen Finanzchef Klaus Keysberg war die Vorlage der Halbjahreszahlen eine Premiere. Doch von Feierlichkeit war nichts zu spüren. „Die Corona-Pandemie stellt uns vor Herausforderungen, die wir alle noch nicht erlebt haben“, erklärte der Manager am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. „Der Umsatz bricht weg, die Kosten laufen weiter“, so die Diagnose.

Der wirtschaftliche Einbruch infolge der weltweiten Lockdown-Maßnahmen trifft den Industriekonzern schwer. Vor allem die Schließungen der meisten europäischen Automobilwerke ließen die Nachfrage zum Ende des Quartals dramatisch einbrechen. In vielen seiner Geschäfte ist Thyssen-Krupp von der Entwicklung der Autoindustrie abhängig.

Unterm Strich verlor der Ruhrkonzern so in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres, das bis zum September läuft, rund 1,2 Milliarden Euro (Periodenverlust). Die Nettofinanzschulden verdoppelten sich im Vergleich zum September auf 7,5 Milliarden Euro. Für den geplanten Umbau bedeutet die Coronakrise damit eine schwere Hypothek.

Denn dass sich die Lage kurzfristig bessert, steht nicht zu erwarten. Im Gegenteil rechnet der Vorstand sogar damit, dass sich die Verluste im zweiten Halbjahr ausweiten werden.

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    So teilte Thyssen-Krupp in einer Mitteilung mit, dass der Umsatz in den kommenden Quartalen angesichts der Werksschließungen in der Autoindustrie noch einmal „deutlich zurückgehen“ werde.

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    Ein bereinigter Verlust (Ebit) von bis zu einer Milliarde Euro bereits im nächsten Quartal könne daher nicht ausgeschlossen werden, hieß es weiter.

    Um die Liquidität kurzfristig zu stärken, hatte Thyssen-Krupp sich in der vergangenen Woche einen Kredit bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von einer Milliarde Euro gesichert.

    Zudem rechnet der Konzern noch im laufenden Geschäftsjahr mit dem Abschluss des Verkaufs der Aufzugsparte, der rund 17,2 Milliarden Euro in die Kassen spülen soll.

    Mit dem Geld will Vorstandschefin Martina Merz Schulden und Pensionsverpflichtungen abtragen und den Konzern restrukturieren. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Stahlsparte, die das vergangene Halbjahr mit einem Verlust (Ebit) von fast einer halben Milliarde Euro abgeschlossen hat und damit zu den großen Verlustbringern zählt – ebenso wie das Autozuliefer-Geschäft, das zwischen Oktober und März gut 200 Millionen Euro verlor.

    Aufzugsparte kann Gewinn leicht steigern

    Ausgerechnet die Aufzugsparte, die der Ruhrkonzern kürzlich an ein Konsortium um die Finanzinvestoren Advent und Cinven veräußert hatte, konnte hingegen ihren Gewinn im Vergleich zum Vorjahr von 368 Millionen auf 375 Millionen Euro leicht steigern. Das Geschäft gilt als weitgehend krisenfest, da ein großer Teil der Einnahmen aus Service-Verträgen stammt, die auch in konjunkturschwachen Zeiten für stabile Einnahmen sorgen.

    Angesichts der hohen Dynamik der Coronakrise wagte Finanzchef Keysberg keine Prognose fürs Gesamtjahr. Klar sei aber, dass der finanzielle Spielraum, den die Elevator-Transaktion bringen sollte, deutlich kleiner sein werde als ursprünglich veranschlagt. Darauf hatte Vorstandschefin Merz die Belegschaft bereits in der vergangenen Woche in einem Mitarbeiterbrief eingestimmt.

    Nach den Aufzügen steht nun auch der Anlagenbau, der sein Ergebnis von minus 63 Millionen auf minus 46 Millionen Euro leicht verbessern konnte, zum Verkauf. „Wir haben mehrere Angebote von Interessenten vorliegen“, sagte Keysberg. Der Konzern sei in „guten Gesprächen“.

    Dennoch gebe es bei den Käufern einen „Corona-Vorbehalt“, der eine Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt erschwere. „Wir werden das Thema aber mit ziemlich viel Druck voranbringen“, kündigte der Manager an.

    In der kommenden Woche will Vorstandschefin Merz dem Aufsichtsrat ein Update ihrer Strategie vorstellen. Bislang sieht die eine größere Eigenständigkeit der einzelnen Geschäfte vor, bei gleichzeitig verstärktem Fokus auf die Profitabilität. 800 Millionen Euro will der Konzern zusätzlich in den kommenden Jahren ins Stahlgeschäft investieren, um die in die Jahre gekommenen Anlagen an die steigenden Anforderungen der Autoindustrie anzupassen.

    Rund 2000 Stellen will Thyssen-Krupp kurzfristig, weitere 1000 mittelfristig im Stahlgeschäft einsparen. Weitere 4000 Arbeitsplätze stehen kurzfristig in den anderen Bereichen zur Disposition. Personalvorstand Oliver Burkhard hatte bereits vor der Coronakrise angekündigt, dass die Zahl in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung auch höher ausfallen könnte. Bislang bleibt der Konzern allerdings bei den bislang kommunizierten 6000 Stellen bis 2021/22.

    Mehr: Thyssen-Chefin fordert mehr Tempo bei Performance-Verbesserung.

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    7 Kommentare zu "Stahlkonzern: Thyssen-Krupp rutscht tief in die Verlustzone – Anlagenbau steht zum Verkauf"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Kommentare kann man so nur voll unterstreichen! Aber dieser Prozess begann bereits unter Berthold Beitz, der die letzten Jahre seines Wirkens sicherlich seine beste Zeit bereits hinter sich hatte.

    • Die Deindustrialisierung Deutschlands, befördert durch unfähiges und raffgieriges Management setzt sich fort.
      Als Liberaler bin ich entsetzt weil mir langsam aber sicher eine Industriepolitik wie wir sie z.B. in Frankreich haben(Frankreich first) immer sympathischer wird. Wo sind wir bloß hingekommen?

    • Gestalten die vermutlich nicht einmal über die untergeordnete Position eines Abteilungsdirektors hinausgekommen sind, schwadronieren hier über Industustriestrategien.

      Nichts auf dem Konto, wissen aber genau, wo andere Fehler gemacht haben.

    • Ein weiterer deutscher Industrie- und Technologiekonzern zerbröselt. Das lässt sich schon am Aktienkurs ablesen.

      Die langfristige Verantwortung dafür liegt beim Aufsichtsrat, der obersten Machtinstanz. Das sollte all jenen bewusst sein, die in solche Positionen drängen, welche Gründe sie auch immer haben.

    • Der Verkauf des hochprofitablen Aufzugsgeschäft und die Fokussierung auf Technologien aus dem vorherigen Jahrhundert (Stahl) - indem man zudem mit Billiglohnländern wie Indien konkurriert - war eine krasse unternehmerische Fehleinschätzung.

      Ich denke, der Konzern wird nicht mehr auf die Beine kommen und nun nach und nach zerschlagen sowie abgewickelt werden.

    • @ H. Freitag,
      leider wahr und absolut richtig.

      Dennoch kassieren Vorstandsmitglieder, Aufsichtratsmitglieder, Stiftungsmitglieder und deren Vertreter seit vielen Jahren Millionenbeträge an Gehälter, Tantiemen und Sonderzahlungen in Euro.

      Sie werden noch nicht mal "ROT" dabei.

    • Quod erat demonstrandum: "stablisierend wirkte das Aufzugsgeschäft", das aber leider verkauft wird... Die neue Strategie von Merz (zuvor Aufsichtsratschefin, die eine andere Strategie unterstützte) lässt sich demnach wie folgt zusammenfassen: Zurück in die Vergangenheit - ohne Zukunft. Nach dem Notverkauf der einzigen profitablen Sparte, die gegen viele Widrigkeiten der konjunkturellen Zyklen immun, bei welcher der Wettbewerb nicht ganz so stark ist und die von demographischen Trends (Urbanisierung) profitieren wird, bleibt eine geldvernichtende Resterampe übrig. Bis heute bleibt es ein Geheimnis von Frau Merz und dem Aufsichtsrat (inkl. Stiftung), wie man mit dem Stahlkochen als Kerngeschäft in Deutschland Geld verdienen will. Dies hat schon in der Vergangenheit nie geklappt: Elevator hat das Geld verdient, welches die Hochöfen verbrannt haben (überspitzt und plakativ). Kein Unternehmen der Welt kann in Deutschland noch mit Stahl Geld verdienen: Umweltauflagen, explodierende Strompreise, volatile Preise für Vorprodukte, hohe Kapitalbindung, hohe Kapitalkosten, lange Transportwege, ungünstige Lage, ungünstiger Standort (Hochsteuerland D mit einer wirtschaftsfeindlichen Regierung), hohe Löhne, Überschwemmung des Markts mit Billigststahl aus Russland und China (EU schaut zu und dort gelten keine Umweltauflagen, Löhne sind günstig, Energie ebenso), staatlich gepäppelte Stahlwerke in Italien (RIVA - EU schaut zu), die zu einem absoluten Überangebot an Stahl in Europa führen, in der Vergangenheit genährte einseitige Abhängigkeit von einem Abnehmer (Automobilbranche) - die Liste ließe sich fast endlos fortsetzen. Dazu kommt dann noch eine Stiftung, die zwar die größte Aktionärin ist, sich aber von Cevian - die ihr unternehmerisches Können bei Bilfinger unter Beweis gestellt haben, ein Unternehmen, welches sie durch den Verkauf aller gewinnbringenden Sparten zu einem Zombie verwandelten (kommt bekannt vor?) - treiben lässt. Schade, eine Industrieikone weniger.

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