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Stahlkonzern Voestalpine gibt keine Entwarnung – Arbeitsplatzabbau startet in Wetzlar

Der Stahlkonzern stellt sich auf ein schwieriges Jahr ein. Vorstandschef Herbert Eibensteiner schließt auch Kurzarbeit in Österreich nicht mehr aus.
24.01.2020 - 09:09 Uhr Kommentieren
Erst kurz vor Weihnachten hatte der Konzern seine Aktionäre erneut mit schlechten Nachrichten schockiert. Quelle: Reuters
Voestalpine-Werk in Donawitz

Erst kurz vor Weihnachten hatte der Konzern seine Aktionäre erneut mit schlechten Nachrichten schockiert.

(Foto: Reuters)

Wien Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine gibt angesichts der angespannten Lage auf dem Stahlmarkt noch keine Entwarnung. „Wir stellen uns auf ein schwieriges Geschäftsjahr 2020/21 ein“ sagte Vorstandschef Herbert Eibensteiner dem Handelsblatt. Das hat auch Folgen für die über 50.000 Mitarbeiter in dem weltweit operierenden Konzern. Der Arbeitsplatzabbau startet zuerst in Deutschland.

„In unserem Buderus-Edelstahlwerk in Wetzlar läuft mit Geschäftsjahresende im März der Großteil der befristeten Verträge aus. Noch im Februar treten wir darüber hinaus in Verhandlungen über einen Sozialplan über den Abbau von rund 200 Arbeitsplätzen“, sagt Eibensteiner. „Alle anderen Möglichkeiten wie Kurzarbeit, Abbau von Zeitkonten und Anpassung der Schichtmodelle werden begleitend nach wie vor genutzt.“

Das Edelstahl-Werk in Wetzlar leitet unter der Konjunkturabkühlung von Auto über Nutzfahrzeuge bis hin zu Maschinen und Werkzeugbau. Derzeit arbeiten 1500 Mitarbeiter in der hessischen Stadt.

Bislang hat der Linzer Stahlriese seinen Heimatmarkt Österreich immer geschützt. Doch der Vorstandschef lässt sich nun im Personalbereich alle Optionen offen. „Kurzarbeit in Österreich kann ich unter den derzeitigen Marktbedingungen in Einzelbereichen nicht ausschließen. Seit Mitte 2019 besetzen wir frei werdende Stellen nicht nach und fahren die Zahl der Zeitarbeitern stark zurück“, sagte Eibensteiner.

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    Weitere Hiobsbotschaften wie die beiden Gewinnwarnungen im vergangenen Jahr erwartet der Voestalpine-Chef für 2020 aber nicht. „Wir sehen in einigen Bereichen bereits eine Stabilisierung. Es geht wohl nicht mehr weiter nach unten“, sagte Eibensteiner. „Insbesondere im Stahlbereich bahnt sich eine Stabilisierung an. Die Automobilindustrie bestellt wieder, allerdings noch auf niedrigerem Niveau.“

    Ob es sich dabei um eine Trendwende handelt, ist sich der Voestalpine-Chef allerdings nicht sicher: „Wir sehen aber auch einen gewissen saisonalen Effekt, weil bei vielen Kunden am Jahresanfang die Lager wieder aufgefüllt werden. Eine Entwarnung kann ich nicht geben.“

    Auch die Aktionäre werden ihren Beitrag leisten müssen. Die Dividende soll weiter gekürzt werden. „Wir haben seit dem Börsengang 1995 immer Dividende bezahlt, das wollen wir auch weiter tun“, sagte Eibensteiner. Eine konkrete Zahl nannte der Manager nicht. Zuletzt schüttete die Voestalpine bereits eine gekürzte Dividende von 1,10 Euro je Anteil aus.

    Der 56-Jährige, der im Juli vergangenen Jahres den Chefsessel in Linz übernommen hat, besitzt nach eigenen Angaben 8000 Aktien seines Unternehmens und plant weitere Zukäufe.

    Grafik

    Deutsche-Bank-Analyst Bastian Synagowitz geht davon aus, dass Voestalpine das Schlimmste überstanden hat. Zu den Stärken des Konzerns zählt er insbesondere den frei verfügbaren Barmittelzufluss, einen der stärksten in der Branche. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. „Derzeit konzentrieren wir uns auf unsere Verbesserungsprogramme und die Generierung von Cashflow“, verspricht Eibensteiner.

    Die Stahlkonzerne in Europa litten im vergangenen Jahr unter der rückläufigen Nachfrage und der schwachen Weltkonjunktur. Insbesondere die schwächelnde Autokonjunktur setzte die Gewinnmargen der Branche international unter Druck.

    Erst kurz vor Weihnachten hatte die Voestalpine seine Aktionäre mit schlechten Nachrichten schockiert. Im laufenden Geschäftsjahr 2019/20 rechnet der Stahlriese nunmehr mit einem „gerade noch positiven“ Betriebsergebnis (Ebit) rechne. Das Ergebnis im laufenden Jahr wird mit Einmaleffekten von 360 Millionen belastet. Im Vorjahr lag das Ebit noch bei 779 Millionen Euro. Bereits Anfang November hatte das Unternehmen die Gewinnerwartungen herunterschrauben müssen.

    Hoffnung auf Elektromobilität und Bahn

    Zwei Gewinnwarnungen innerhalb weniger Wochen war der Markt von der Voestalpine nicht gewohnt. Der Linzer Konzern galt bislang als europäischer Branchenprimus, was Profitabilität und Wertschöpfungstiefe angeht.

    Doch wie alle anderen Wettbewerber leidet auch das Unternehmen unter der konjunkturellen Krise, die der Strukturwandel in der Autoindustrie verursacht hat. Die Branche zählt zu den wichtigsten Kunden der Voestalpine, die sich auf Spezialstähle fokussiert hat.

    Mittelfristig wollen die Österreicher stark von der Elektromobilität profitieren. „Schließlich sind unsere Spezialstähle für höchstfeste Komponenten, bei Batteriekästen oder Elektromotorteilen in den Fahrzeugen sehr gefragt“, ist der Manager überzeugt. Mit knapp einem Drittel des Umsatzes ist die Autoindustrie der wichtigste Markt für die Voestalpine. Der Vorstand ist überzeugt, dass dies auf absehbare Zeit so bleiben wird.

    Gut entwickelt sich der für die Voestalpine wichtige Bereich von Schienen und Weichen mit der dazu gehörigen Software sowie Signal- oder Sicherheitstechnik. „Angesichts der Klimaschutzdebatte erlebt die Eisenbahn in Europa derzeit eine Renaissance. Auch in China und anderen asiatischen Ländern sehen wir große Projekte für die Bahninfrastruktur, von denen wir profitieren“, berichtet Eibensteiner.

    In der Luftfahrt sei die Nachfrage dagegen nur „stabil“. Der Konzern besitzt langlaufende Verträge mit Flugzeugkunden wie Boeing und Airbus über die Lieferung von Triebwerkscheiben, Fahrwerks- oder Strukturteilen. Langfristig erwartet Voestalpine hier ein profitables Wachstum. Doch kurzfristig spüre der Konzern, wie Eibensteiner einräumt, Einbrüche wie durch den Produktionsstopp bei Boeing 737 Max.

    „Wir haben seit dem Börsengang 1995 immer Dividende bezahlt, das wollen wir auch weiter tun.“ Quelle: picture alliance / Michael Grube
    Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner

    „Wir haben seit dem Börsengang 1995 immer Dividende bezahlt, das wollen wir auch weiter tun.“

    (Foto: picture alliance / Michael Grube)

    Auf Pläne, in neue Geschäftsbereiche zu gehen, verzichtet die Voestalpine-Spitze hingegen. „Es sind schwierige Zeiten für die Voestalpine“, sagte Eibensteiner. Die angespannte Situation für den Konzern ist nicht nur konjunkturell begründet. Es kommen auch hausgemachte Probleme dazu.

    Das unter Eibensteiners Vorgänger Wolfgang Eder begonnene Werk in Cartersville im US-Bundesstaat Georgia läuft nicht rund. Außerplanmäßig wurde dort eine Sonderabschreibung von 40 Millionen Euro fällig. Künftig soll Cartersville aber Gewinne schreiben. „Wir sind mit den Lieferungen an unsere Kunden bislang on track“, bekräftigte Eibensteiner.

    Auch das Eisenschwamm-Werk in Corpus Christi im US-Bundesstaat Texas ist ein weiteres Sorgenkind. In dem 2017 eröffneten Werk wurde zuletzt eine Sonderabschreibung von 175 Millionen Euro fällig. Für dieses Jahr rechnet der Konzern mit einer „langsamen Normalisierung des Geschäfts“.

    Auf keinen Fall will der Konzern im Bereich der Innovationen sparen. „Trotz der schwierigen Marktsituation und unseres Sparkurses werden wir die Ausgaben für Forschung und Entwicklung nicht kürzen“, kündigt Eibensteiner an. Das jährliche Budget von rund 180 Millionen Euro bleibe weiter bestehen. Auch bei der Lehrlingsausbildung werden nicht gespart.

    Mehr: Der Klimaschutz und schmerzhafte Strukturanpassungen stellen Unternehmen vor eine gewaltige Aufgabe. Ob sie gelingt, können Firmen kaum beeinflussen.

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