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Stahlproduzent British Steel ist insolvent

Die ehemalige Tata-Steel-Tochter muss Insolvenz anmelden und wird unter Zwangsverwaltung gestellt. Tausende Arbeitsplätze sind in Gefahr.
Update: 22.05.2019 - 17:18 Uhr Kommentieren
Ehemalige Tata-Steel-Tochter: British Steel ist insolvent Quelle: AFP
British-Steel-Gelände in Scunthorpe

Der Stahlhersteller musste Insolvenz anmelden.

(Foto: AFP)

LondonDer Brexit hat offenbar ein weiteres Opfer gefordert: British Steel, der zweitgrößte Stahlhersteller Großbritanniens, wurde am Mittwoch unter Zwangsverwaltung gestellt. Bis zuletzt hatte die Regierung in London mit dem Eigentümer, der Private-Equity-Gesellschaft Greybull Capital, über eine Rettung verhandelt, in der Hoffnung, zumindest einen Teil der Arbeitsplätze sichern zu können.

5000 Beschäftigte hat British Steel, dazu stehen 20.000 Arbeitsplätze bei Zulieferern und abhängigen Betrieben auf dem Spiel. Dazu kommt, dass die Werke von British Steel sich in strukturschwachen Gebieten befinden, Arbeitssuchende haben nicht viele Alternativen auf dem Arbeitsmarkt.

Darüber hinaus gilt die britische Stahlindustrie als sehr spezialisiert. Zu British Steels größten Kunden zählt Network Rail. Der Bahnkonzern bezieht seinen Stahl für Schienen fast vollständig von British Steel und könnte auf Importe angewiesen sein, sollte British Steel den Betrieb einstellen.

Doch die Regierung in London war nicht bereit, das angeschlagene Unternehmen mit Krediten zu unterstützen. Das stehe im Widerspruch zum Gesetz, erklärte Wirtschaftsminister Greg Clark. Anfangs soll Medienberichten um 75 Millionen Pfund (umgerechnet 85 Millionen Euro), später um 30 Millionen Pfund (34 Millionen Euro) verhandelt worden sein. Forderungen der Opposition, das Unternehmen angesichts seiner großen Bedeutung für die Arbeitnehmer zu verstaatlichen, prallten an der Regierung ab.

Vorerst soll der Betrieb bei British Steel fortgeführt werden, noch gibt es Hoffnung, dass sich ein Käufer findet – wieder einmal. Erst vor drei Jahren hatte Greybull Capital British Steel für den symbolischen Preis von einem Pfund von Tata Steel übernommen.

Das Unternehmen hatte da bereits eine bewegte Zeit hinter sich: British Steel geht auf einen großen britischen Stahlhersteller zurück, der 1967 durch die Verstaatlichung aus kleineren Privatfirmen entstand. 1988 wurde das Unternehmen privatisiert und elf Jahre später mit dem niederländischen Stahlwerk Koninklijke Hoogovens zu Corus fusioniert.

Corus wurde wiederum 2007 von Tata Steel gekauft. Und 2016 verkaufte Tata Steel große Teile seiner britischen Stahlaktivitäten an den privaten Investor Greybull Capital.

Seit Jahren hatte nicht nur British Steel, sondern auch die Branche an sich zu kämpfen: Überkapazitäten in Europa, eine schwache Nachfrage und der Wettbewerb chinesischer Stahlproduzenten, die die globalen Märkte mit günstigeren Produkten versorgten, erschwerten den Briten das Geschäft.

Der Brexit erhöhte den Druck zusätzlich: Europäische Kunden hätten angesichts der befürchteten Lieferschwierigkeiten weniger geordert, heißt es in Großbritannien. Die Zahl der Beschäftigten in der einst so wichtigen Stahlbranche Großbritanniens sank zusehends: 1971 arbeiteten 320.000 Briten in der Stahlbranche, zuletzt waren es nur noch gut 32.000.

„Der Turnaround von British Steel war immer eine Herausforderung“ erklärte Greybull Capital am Mittwoch in einem Statement. Lange hätten Mitarbeiter, Gewerkschaften und das Management gut zusammengearbeitet. „Die zusätzlichen Auswirkungen durch den Brexit haben sich jedoch als unüberwindlich erwiesen.“

Mehr: Mit einem drastischen Strategieschwenk will Thyssen-Krupp-CEO Kerkhoff den Industriekonzern retten. Es ist die dritte Strategie innerhalb eines Jahres.

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