Standortpolitik Hohe Energiepreise vertreiben Industrie aus Deutschland

Thyssen-Krupp, Aurubis, Norsk Hydro, SGL Carbon: Viele energieintensive Firmen kehren Deutschland den Rücken. Werke werden verlagert, Investitionen andernorts getätigt. Die deutsche Energiepolitik führe zur schleichenden Deindustrialisierung, warnen Topmanager.
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Stahlarbeiter von Thyssen-Krupp: Viele energieintensive Unternehmen kehren Deutschland den Rücken. Quelle: dpa

Stahlarbeiter von Thyssen-Krupp: Viele energieintensive Unternehmen kehren Deutschland den Rücken.

(Foto: dpa)

Noch vor wenigen Jahren wurde die industrielle Basis Deutschlands als „Old Economy“ geschmäht. Sie galt als Auslaufmodell. Modern und neu – das waren vor allem Internetfirmen. Doch in der Krise erwiesen sich Autofabriken, Stahlwerke und Maschinenbaufirmen als Retter in der Not. Vor allem wegen des hohen Industrieanteils, da sind sich Ökonomen einig, hat sich Deutschland schneller erholt als andere Staaten.

Die neue Ehre, die der Industrie zuteil wurde, währte nicht lange – zumindest nicht in Berlin: Höhere Ökosteuern, verschärfte Bedingungen für den Kauf von CO2-Zertifikaten und der steigende Anteil an erneuerbaren Stromquellen haben die Energiekosten so in die Höhe getrieben, dass sich viele Unternehmen aus Deutschland verabschieden. Sie tun es ohne großes Getöse.

So etwa Europas größter Kupferproduzent Aurubis. Wegen hoher Energiekosten sei er nicht daran interessiert, in Europa zu investieren, sagte Bernd Drouven, Chef des Hamburger Konzerns, dem Handelsblatt. Sein Problem: Die Kupferherstellung verschlingt Unmengen an Strom. Und der kostet in Europa doppelt so viel wie außerhalb des Kontinents. Binnen fünf Jahren hat sich der Strompreis für die Industrie verdoppelt. Das Land laufe Gefahr, sich mit seiner Energiepolitik schleichend zu deindustrialisieren, warnt Drouven.

Auch der Wiesbadener Grafitspezialist SGL Carbon baut seine neue Karbonfaserfabrik in den USA. „Gern hätten wir diese in Deutschland angesiedelt“, sagt SGL-Carbon-Chef Robert Koehler. Aber die Energie sei hier zu teuer. Ausländische Konzerne sind ebenso betroffen. Das norwegische Unternehmen Norsk Hydro etwa hat die Kapazität im Rheinwerk bei Neuss, der größten Alu-Hütte des Landes, bereits auf ein Drittel reduziert – und erwägt nun, die Produktion komplett einzustellen. Stattdessen investiert Norsk Hydro in neue Produktionsanlagen in Katar und Brasilien. Auch hier der Grund: die hohen Energiekosten.

Für Deutschland ist diese Entwicklung gefährlich – zumal es noch weitere Faktoren gibt, die Deutschlands Firmen zu Engagements im Ausland treiben. Thyssen-Krupp etwa baute für fünf Mrd. Euro eine Stahlhütte in Brasilien, um dort zu produzieren, wo der immer teurer werdende Rohstoff Eisenerz gefördert wird.

Auch die Autoindustrie fällt Standortentscheidungen immer öfter gegen Deutschland, da sie die Nähe künftiger Absatzmärkte sucht. So hat BMW gerade die Kapazitäten seines US-Werks Spartanburg erweitert. Dennoch denkt BMW bereits über einen weiteren Ausbau nach. Daimler zieht die Produktion der C-Klasse ab 2014 aus Sindelfingen ab – und verlegt sie größtenteils ins Ausland.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ist alarmiert. Sein Ministerium feilt an einem industriepolitischen Konzept für Deutschland. Am Donnerstag will Brüderle es in Berlin vorstellen.

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15 Kommentare zu "Standortpolitik: Hohe Energiepreise vertreiben Industrie aus Deutschland"

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  • [14] Dieter K.,
    bei ihrem Hinweis handelt es sich um die erste Öko-Stadt der Welt.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Masdar_City

    Das deutsche Gegenstück unter einem Oberbürgermeister der Grünen:
    http://www.vauban.de/rundgang/index.html

    ist nicht nur kleinkariert, es macht mich einfach traurig. Das ist Murks!

  • Sogar das Solarunternehmen Solarworld baut wegen der niedrigen Energiekosten eine große Fabrik lieber im Ausland, schrieb zumindest das Handelsblatt:
    www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/energiefirmen-hoffen-auf-arabien;2457987

  • "Hohe Energiepreise vertreiben industrie aus Deutschland"...Merkel und Grüne sind daran Schuld. Sie verhindern, daß unsere Flüsse und Stöme aufgestaut werden und der Rest der Republik zum Tagebau für Eisenerze, bauxit und Kupfer wird. Auch das Erdgasfeld unter dem Atommüllendlager Gorleben darf nicht angerührt werden solange es nur einen Glimmstengel in Deutschland gibt. immerhin könnte ja Gorleben in die Luft fliegen und das Regierungsviertel wie in Schmalkalden in den durchlöcherten Abgrund reißen.
    Ja, und nun ist man sich einig, wenigstens einen Teil nach brasilien zu verlagern.
    bleibt nur noch das unbedingte Rauch- und bohrverbot in Gorleben.
    Ehrlich, die Überschrift war mal wieder so richtig toll und alle Kommentatoren sind darauf reingefallen!

  • @ Margrit Steer (11)

    „ich verstehe ja bei diesem ganzen Ökostrom eines nicht....“

    Ökostrom ist ein Zufallsprodukt, er wird nicht dann produziert, wenn er gebraucht wird, sondern dann, wenn der Wind in ausreichendem Maße weht, bzw. die Sonne scheint. Aus diesem Grund ist für jede kWh Ökostrom die gleiche Menge konventioneller Kraftwerkleistung vorzuhalten, damit das Netz nicht zusammenbricht, wenn plötzlich der immer abzunehmende Ökostrom produziert wird bzw. diese Produktion auf Grund der Wetterlage ausfällt. D.h. konventionelle Kraftwerke laufen im Stand by, mit verminderter Leistung oder müssen kurzfristig angefahren werden (GuD), beides ist teuer.
    Weil die Witterung keine sichere Planungsgröße darstellt, wird Ökostrom am Markt vorbei produziert, ist somit nicht wettbewerbsfähig.
    Der Mühlen- und Solarwahn würde sofort gestoppt, wenn deren Verfechter nicht an das allgemeine Verbundnetz, sondern an ein Ökostromnetz angeschlossen wären und die wirklichen Gestehungskosten bezahlen müßten. Auf Grund der jeweiligen Witterungslage gäbe es zudem in deren Familien häufig eine kalte bude und kaltes Essen.

  • ich verstehe ja bei diesem ganzen Ökostrom eines nicht: wenn dort solch eine Überproduktion ist, wieso wird Strom denn dann teuerer?
    Wenn ein Kaufhaus 1000 T-Shirts anbietet und die kauft keiner, gehen sie mit dem Preis runter.
    Also Menge macht eine Ware billiger, so ist es im Grunde genommen
    Warum also macht diese Mehrmenge an Strom nun den Strom teuerer?
    Oder verstehe ich da was nicht?
    Oder bin ich da zu blöde?

  • @Adenauer
    diese Aüsserungen zeigen: Sie haben kaum oder keinen Durchblick. bei einer Finanztransaktionssteuer in Deutschland gehen uns nur die Finanzplätze (in Deutschland) verloren.
    Die Kritischen Geschäfte (die die Finanzkrise ausgelöst haben) wären übrigens von einer solchen Steuer verschont. Schweden sei hier als Mahnendes beispiel genannt.
    Ausserdem: Selbst wenn man die Lebensmittelmehrwertsteuer auf 0 setzt (wofür ich persönlich ebenfalls bin!) hilft das nichts gegen die hohen Energiekosten die zu einer Abwanderung der Stahlindustrie führt. -> von daher ist die Antwort nicht nur inhaltlich falsch sondern auch am Thema vorbei.
    Faktisch muss das Geld von denen kommen, die es auch erhalten. Eigentlich müsste man die GEWiNNE der Solarfirmen besonders besteuern, und dieses Geld wieder zur Subvention des Stromes nehmen. Dann würde sich der Kreislauf schliessen. Hier würde gelten: Wer nicht in Deutschland bilanziert/Steuern zahlt, zahlt auf den Umsatz eine Sonder-Steuer.
    Wird mit einer Grün-Roten Regierung noch lustig, wenn die Regenerativen Energien weiter so stark in den Strom reinkommen und vom Endverbraucher bezahlt werden müssen.

  • @ wuschel (7)

    „Nun brechen die Leitungen durch die zusätzliche Einspeisung von Strom aus subventionierten erneuerbaren Technologien zusammen.“

    Der begriff „Technologie“ verbietet sich bei dieser Uralttechnik von allein. Die Trittbrettfahrer der EE geben das Geld, das sie durch die Zwangsabgabe über das EEG von allen Stromkunden erhalten nicht in Forschung und Entwicklung aus, sondern in den Ausbau der Vertriebsstrukturen.
    Erklären Sie doch bitte, weshalb die Anbieter dieser überteuerten „erneuerbaren Energie“ nicht selbst in Transportnetze investieren, durch die sie dann den von ihnen „produzierten“ Strom dorthin leiten, wo er benötigt wird. Übrigens, die befürworter der EE sind gleichzeitig die Gegner des Netzausbaus.

    „Die Lobbyisten jammern sehr erfolgreich.“

    Das haben Sie richtig erkannt, sie haben es sogar geschafft der rot/grünen Regierung ein eigenes Gesetz zur Sicherung ihrer Pfründe abzuringen, das EEG.

  • ^Deutschland schafft sich ab.. und zwar aus vielerlei Grünen.
    Wo Mrd. im Jahr für falsche Zuwanderung fließen, ist für preiswerte Energie eben kein Geld mehr da.
    Wo Manager sich Millionen im Jahr in die Taschen stecken, von der Regieurng noch gefördert, kann ebenfalls kein preiswerter Strom angeboten werden.
    Deutschland hat EU-weit die höchsten Strompreise
    Auf so etwas braucht Deutschland nicht stolz sein.
    Es wird Zeit, dass wir eine Regierung bekommen, die weniger dummes Zeug quatscht, sich ständig um Rettung anderer Staaten kümmert und usner Geld verpulvert, sondern die sich mal wieder um die belange des eigenen Landes kümmert.

  • Es ist eigentlich irrsinn. Da stopfen sich die großen Energiekonzerne durch die Verlängerung der AKW Laufzeiten von abgeschriebenen AKWs die Taschen mit Gewinnen. Nur ein kleinen Teil müssen sie abgeben. Seit vielen Jahren scheffeln sie das Geld um die Aktionäre glücklich zu machen anstatt in die infrastruktur zu investieren. Nun brechen die Leitungen durch die zusätzliche Einspeisung von Strom aus subventionierten erneuerbaren Technologien zusammen. Und was macht die Politik? Sie zieht den bürgern das Geld aus der Tasche, damit die Energiekonzerne weiter entlastet werden können und (endlich) in die infrastruktur investieren können. Die Lobbyisten jammern sehr erfolgreich. Was die teure Energie angeht, so kann ich die Unternehmen, die abwandern, sehr gut verstehen. Sind aber erstmal alle großen energiehungrigen industrien abgewandert, erhöht sich der Strompreis für die übrigen weiter, da die betriebskosten die Gewinne auffressen werden. Ein fieser Teufelskreis!

  • Was würde den Menschen und der Wirtschaft helfen?
    Die MWSt. für Lebenmittel auf Null setzten, ebenso für einen Grundenergieverbrauch in den Haushalten und im Mittelstand. Dies sind Dinge, die jeder braucht. Ausgleichen könnte man das durch besteuerung der Finanztransaktionen. So wäre 95% der bevölkerung geholfen und die binnennachfrage würde angekurbelt.


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