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Starke Auslieferungszahlen Tesla wird seinem Hype gerecht – fürs Erste

Die Pandemie bremst den wertvollsten Autokonzern der Welt kaum aus. Doch Qualitätsprobleme und eine zweite Corona-Welle bedrohen den Erfolg.
03.07.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Tesla lieferte zwischen April und Juni 90.650 Fahrzeuge aus. Quelle: AFP
Tesla-Center in Amsterdam

Tesla lieferte zwischen April und Juni 90.650 Fahrzeuge aus.

(Foto: AFP)

San Francisco Zwei Tage vor dem Ende des Quartals feuerte Tesla-Chef Elon Musk noch einmal seine Angestellten an: In einer Mail mit der Betreffzeile „Es kommt auf die letzten Tage an“ schrieb er am Montag an alle Mitarbeiter. „Jedes Auto, das ihr baut und ausliefert, macht einen Unterschied. Strengt euch richtig an, um den Sieg zu garantieren“, hieß es in der zweizeiligen E-Mail.

Den Sieg kann Tesla nun erst mal feiern. Am Donnerstag verkündete der Autobauer aus dem Silicon Valley überraschend gute Auslieferungszahlen. Die Aktie sprang um mehr als acht Prozent nach oben und hielt die Gewinne auch über den Tag.

Tesla hat zwischen April und Juni 90.650 Autos ausgeliefert, rund 80.000 entfielen auf die Modelle 3 und Y, 10.000 auf die Modelle S und X. Das waren nur fünf Prozent weniger als im selben Quartal 2019 und weit mehr als die Durchschnittsprognose von Analysten, die nur mit 72.000 ausgelieferten Tesla-Fahrzeugen gerechnet hatten.

Das zweite Quartal 2020 war das erste, in dem die Pandemie das öffentliche Leben in den meisten Ländern der Welt lahmlegte, weite Teile der Wirtschaft einfror und Millionen Menschen ihren Job verloren.

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    „Nachdem unser Hauptwerk in Fremont den Großteil des Quartals geschlossen war, haben wir die Produktion wieder erfolgreich auf das Vor-Niveau gebracht“, erklärte das Unternehmen. Musk, der den Ernst der Pandemie seit Monaten runterspielt, hatte die Corona-Ausgangssperren im April als „faschistisch“ bezeichnet und sein Werk Mitte Mai wiedereröffnet – ein paar Tage, bevor das offiziell erlaubt war.

    Tesla wird wertvollster Autokonzern

    Einen größeren Beitrag zu dem Auslieferungserfolg dürfte aber Teslas Gigafactory in Schanghai geleistet haben. Das im Oktober 2019 eröffnete Werk produziert das relativ günstige Model 3, mit dem Tesla seine höchsten Stückzahlen erzielt. Weil China seine Covid-19-Epidemie früher durchlitt als die USA, fiel die zweiwöchige Schließung von Teslas Schanghaier Werk bereits ins erste Quartal und zog die aktuellen Auslieferungszahlen nicht mehr nach unten.

    Traditionelle Autokonzerne spürten die Coronakrise dagegen viel heftiger als Tesla: Bei General Motors brach der Absatz um mehr als ein Drittel ein, auch VW und BMW litten.

    Inzwischen hat Tesla sie an der Börse alle hinter sich gelassen. Mitte Juni zog der Elektro-Vorreiter zum ersten Mal an Toyota vorbei, um zum wertvollsten Autokonzern aufzusteigen. Teslas Börsenwert liegt bei mehr als 220 Milliarden Dollar.

    Alleine seit Musks Mail am 29. Juni ist der Tesla-Kurs um mehr als 20 Prozent gestiegen. Der Vorsprung auf den Rest der Branche wächst – obwohl Toyota in einem durchschnittlichen Quartal rund 30-mal so viele Autos verkauft.

    Mit klassischen Kennzahlen ist Teslas Bewertung ohnehin nicht zu erklären: Mit einem Jahresumsatz von 24,6 Milliarden Dollar 2019 und einem kleinen Verlust spielt Tesla – Stand heute – eher in einer Liga mit Opel als mit Toyota oder dem Volkswagen-Konzern.

    Doch Tesla gilt in den entscheidenden Disziplinen als die Zukunft der Branche: Das Design der Autos, die intuitive Software, die als „Autopilot“ bezeichnete Fahrerassistenz und die Reichweite seiner Batterien – überall gilt das vor 17 Jahren gegründete Unternehmen als führend.

    Tesla will weitere Fortschritte seiner Batterien präsentieren

    Zuletzt erklärte Tesla, sein Model S Long Range Plus könne als erstes E-Auto mit einer Ladung 400 Meilen (rund 640 Kilometer) zurücklegen. Für seinen ID3 verspricht VW eine maximale Reichweite von 550 Kilometern, auch der Audi E-Tron und der Porsche Taycan liegen dahinter.

    Bei seinem „Battery Day“ will Tesla weitere Fortschritte seiner Speicher präsentieren – wegen der Pandemie muss das Event seit Monaten verschoben werden, nun soll es wohl im September stattfinden.

    Aus Sicht des einflussreichen Analysten Dan Ives von Wedbush Securities geht Teslas Aktie deshalb noch lange nicht der Saft aus: Wegen steigender Nachfrage nach dem Model 3 in China, den Corona-Lockerungen in Europa und den USA sowie den Batterie-Fortschritten habe „Teslas Aktie weiter Luft nach oben“. Ives hob das Kursziel von 1250 auf 2000 Dollar an. Aktuell liegt die Aktie bei 1208 Dollar.

    Doch einige Schlaglöcher liegen vor dem Elektroautobauer: Die Corona-Lockerungen sind gefährdet, zumindest in Teslas Heimatstaat Kalifornien. Nachdem dort die Eröffnung von Läden, Cafés und produzierendem Gewerbe wieder erlaubt hatte, stieg die Zahl der Covid-19-Fälle rasant an. Schon jetzt beginnt der größte Bundesstaat der USA, einige Lockerungen wieder einzukassieren. Wenn Tesla sein Werk in Fremont und die Zentrale in Palo Alto erneut schließen muss, wäre das ein herber Rückschlag.

    Auch Texas ist von der zweiten Corona-Welle in vielen Teilen der USA schwer betroffen – in Austin will Musk angeblich sein nächstes Werk errichten, selbst eine Verlegung des Unternehmenssitzes aus Kalifornien nach Texas hat der Tesla-Chef und -Großinvestor ins Spiel gebracht.

    Käufer bemängeln Qualitätsprobleme

    Und dann sind da noch Teslas ewige Qualitätsprobleme: Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens JD Power hatten Tesla-Käufer mehr Probleme mit ihren neuen Autos als alle anderen 31 getesteten Marken.

    Die Studie, die seit 34 Jahren durchgeführt wird – diesmal unter knapp 90.000 Neuwagenkäufern – ergab, dass bei 100 Teslas in den ersten 90 Tagen 250 Probleme auftraten – weit über dem Durchschnitt von 166 Problemen.

    Die meistgenannten Mängel von Tesla-Käufern betreffen die Verarbeitungsqualität, die seit Langem eine Schwäche Autobauers ist: Mal sei die Karosserieverkleidung verzogen, mal klappere der Motor, oder der Lack sei ungenau aufgetragen.

    Solange Tesla vor allem von Elektro-Avantgardisten gefahren wurde, war das kein großes Problem. Tesla-Fans gelten als besonders nachsichtig, wenn es um Spaltmaße und ähnliche Obsessionen der alten Autoindustrie geht. Das könnte mit dem Aufstieg zum Massenhersteller und wertvollsten Autokonzern der Welt aber schnell vorbei sein.

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    1 Kommentar zu "Starke Auslieferungszahlen: Tesla wird seinem Hype gerecht – fürs Erste"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • ....es waren nur 5 Prozent weniger als im Vorhahresquartal.... wie so ist das ein Erfolg? Die bauen seit 10 Jahren Autos, haben Milliarden verbrannt, und das soll ein Erfolg sein?

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